LONDON (IT BOLTWISE) – Griechenland will Krypto-Gewinne künftig nach einem vereinfachten Modell besteuern: Die ersten 500 Euro sollen steuerfrei bleiben. Für darüber liegende Gewinne ist ein Steuersatz von 10 Prozent vorgesehen. Der Entwurf sieht zudem vor, dass der Tausch einer Kryptowährung gegen eine andere keinen sofort steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn auslöst. Parallel sollen Gewinne aus Aktivitäten wie Kreditvergabe und Liquiditätsbereitstellung als Zinsen mit 10 Prozent behandelt werden.

Griechenlands Finanzpolitik nähert sich dem Thema Krypto-Gewinne offenbar mit dem Ziel, die Besteuerung planbarer zu machen, ohne Einsteiger sofort abzuschrecken. In einem Gesetzesentwurf, der zur öffentlichen Konsultation freigegeben wurde, ist als Kernstück ein Freibetrag verankert: Die ersten 500 Euro an Gewinnen sollen steuerfrei bleiben. Darüber hinaus setzt der Entwurf auf einen pauschalen Steuersatz von 10 Prozent, der nach dem Wortlaut zudem unter den Sätzen liegen soll, die das griechische Finanzministerium zuvor in den politischen Raum gestellt hatte.
Technisch-ökonomisch ist an dem Modell vor allem die Definition dessen spannend, was als steuerpflichtiger Gewinn gelten soll. Der Entwurf stellt klar, dass der Tausch einer Kryptowährung in eine andere nicht als steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn gewertet werden soll. Damit adressiert er ein praktisches Problem, das viele Krypto-Steuersysteme bisher verkompliziert: Wer im Alltag etwa zwischen Coins rotiert oder Rebalancing-Strategien nutzt, kann sonst in kurzer Zeit eine Vielzahl steuerlicher Ereignisse auslösen, obwohl sich sein Gesamtwert in derselben Vermögenskategorie verändert. Griechenland versucht hier, den Fokus stärker auf den tatsächlichen Abzug von Wert in Richtung „klassische“ Rechnungslegung zu legen.
Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten positioniert sich Griechenland eher im unteren Bereich. Frankreich und Italien sehen für Krypto-Kapitalerträge Kapitalertragsteuern von 30 beziehungsweise 33 Prozent vor, während die deutschen Sätze an Einkommensteuergrenzen gekoppelt sind. Spanien besteuert Gewinne progressiv und nennt dabei Werte von bis zu 28 Prozent. Der griechische Entwurf mit 10 Prozent wirkt damit nicht nur niedriger, sondern reduziert vermutlich auch die Incentives, Gewinne in Timing-Manövern „zu steuern“ – zumindest wenn die tatsächliche Steuerlogik im Parlament ähnlich ausfällt wie im Entwurfstext.
Neben der klassischen Veräußerung greift der Entwurf auch Bereiche auf, die steuerlich häufig zwischen „Investieren“ und „Erwirtschaften“ liegen. Aktivitäten wie Kreditvergabe und die Bereitstellung von Liquidität sollen dem Text zufolge als Zinsen behandelt werden, allerdings ebenfalls mit einem Steuersatz von 10 Prozent. Diese Zuordnung ist für Anbieter und Nutzer von Relevanz, weil sie beeinflusst, welche Erfassungs- und Nachweispflichten in der Praxis entstehen: Aus steuerlicher Sicht entscheidet die Einordnung darüber, wie Erträge aus DeFi-ähnlichen Mechanismen dokumentiert und periodengerecht zugeordnet werden müssen.
Der Gesetzesentwurf wurde zur öffentlichen Konsultation freigegeben und soll laut Plan in der ersten Novemberwoche ins Parlament eingebracht werden. Für Unternehmen und Steuerberater heißt das: Die Detailfragen werden in der Konsultationsphase voraussichtlich stärker werden, etwa bei der Abgrenzung zwischen „privatem“ Tauschgeschehen und Erträgen aus Kredit- oder Liquiditätsmodellen. Auch die praktische Umsetzbarkeit der 500-Euro-Grenze hängt davon ab, wie die Steuerpflicht in Fällen mit mehreren Geschäften über das Jahr hinweg technisch berechnet werden soll – Stichwort: welche Datenquellen als Nachweis gelten und wie der Steuerpflichtige Ereignisse in Steuerperioden übersetzt.
Schließlich wirkt die angekündigte Richtung auch auf das Marktumfeld: Ein niedrigerer und zugleich klarer Steuertarif kann die Bereitschaft erhöhen, Krypto-Positionen in der Breite zu halten oder gezielter zu handeln. Gleichzeitig ist das Risiko größer, dass Staaten mit sehr unterschiedlichen Modellen künftig stärker differenzieren müssen, wie sie grenzüberschreitende Aktivitäten bewerten. Der griechische Entwurf wäre dann weniger nur ein nationaler Steuerschritt, sondern auch ein weiterer Baustein im europäischen „Steuerwettlauf“ um Klarheit und Wettbewerbsfähigkeit im Krypto-Segment.
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