LONDON (IT BOLTWISE) – Laut Glassnode sind 6,26 Millionen BTC hinter öffentlichen Schlüsseln geparkt, die bereits on-chain sichtbar sind. Das entspricht 31,2 % der ausgegebenen Menge und macht deutlich, wie sehr Adress- und Output-Design die künftige Kryptosicherheit beeinflussen könnten. Besonders häufig stammt die Exponierung aus Address-Reuse, während Taproot-Outputs den Schlüssel teils von Anfang an offenlegen. Seit Mai ist die betroffene Menge erneut um 222.000 BTC gestiegen, getrieben auch durch Wechsel von Wallet- und Austauschnutzung.

Bitcoin: Fast ein Drittel der Coins mit sichtbarem Public Key – Trend wächst
Bitcoin: Fast ein Drittel der Coins mit sichtbarem Public Key – Trend wächst (Foto: IT BOLTWISE)
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Die aktuellen Zahlen zur sogenannten Public-Key-Exponierung verschieben den Blick weg von der klassischen Frage „Sind Coins gestohlen?“ hin zu „Wie schnell sind Identitäten kryptografisch erfassbar?“. Laut den von Glassnode geteilten Auswertungen liegen 6,26 Millionen BTC mit bereits sichtbaren öffentlichen Schlüsseln auf der Kette. Das entspricht 31,2 % des ausgegebenen Angebots. Wichtig ist dabei die Abgrenzung: Es geht nicht um kompromittierte Wallets oder nachträglich „gestohlene“ Mittel, sondern um Adress- und Output-Eigenschaften, die es ermöglichen, dass bestimmte Schlüsselstrukturen im Transaktionsverlauf sichtbar werden.

Technisch betrachtet entsteht die Exponierung aus zwei Mechanismen, die je nach Script-Typ unterschiedlich wirken. Einerseits gibt es Ausgabeformen, bei denen der öffentliche Schlüssel zunächst hinter Hashes verborgen wird; wer später ausgeben kann, „enthüllt“ dann im Spenden/Spending-Fall die relevante Schlüsselinformation, und übrig gebliebene bzw. später erhaltene Coins können dadurch weiter einem Schlüssel zugeordnet bleiben. Andererseits existieren Script-Typen, bei denen ein Output die Public-Key-Information sogar per Design offenlegt, wodurch kein separates „Reveal“ durch ein späteres Spending nötig ist. Genau diese Unterschiede erklären, warum der Austausch von Wallet-Strategien oder die Wahl des Script-Templates die Exponierung schneller erhöhen kann als allein die neu geminte Menge.

In der Aufschlüsselung von Glassnode co-founder Rafael Schultze-Kraft ist Address Reuse der größte Treiber: Etwa 4,33 Millionen BTC fallen auf Adresswiederverwendung zurück. Daneben nennt die Auswertung rund 1,94 Millionen BTC, bei denen Script-Typen die Public Keys sichtbar machen. Für die Kategorie Early Pay-to-Public-Key (P2PK) werden 1,71 Millionen BTC beziffert, während 222.000 BTC auf Taproot-Outputs entfallen. Für P2PK wird außerdem rund 1,10 Millionen BTC Satoshi Nakamoto zugeschrieben; diese Zuordnung bleibt laut Quelle eine Schätzung und ist nicht als bestätigtes Eigentum belegt. Für Taproot hingegen gilt ein anderes Grundprinzip: Der Output Key ist von Anfang an sichtbar, sodass das reine Umziehen auf eine neue Adresse die Public-Key-Sichtbarkeit nicht zwingend „wegoptimiert“ – entscheidend ist auch, welche Script-Art am Ziel eingesetzt wird.

Auch zeitlich betrachtet wirkt der Trend dynamisch. Seit dem Mai-Reporting ist die Exponierung um 222.000 BTC gewachsen, während die gesamte ausgegebene Supply nur um 64.000 BTC zulegte. Diese Differenz deutet darauf hin, dass Wallet- und Nutzungsgewohnheiten sowie die Zusammensetzung der erzeugten Outputs die betroffene, sichtbare Schlüsselmenge über das Wachstum neu emittierter Coins hinaus erweitern. Besonders auffällig ist zudem die Rolle von Börsen: Sie halten 1,79 Millionen BTC hinter sichtbaren Public Keys, was 57 % ihrer identifizierten Bestände entspricht. Im Vergleich dazu lag der Anteil früher bei 55 % im Mai, während er Anfang 2021 noch bei 39 % lag – ein Signal, dass die Exponierung bei großen Intermediären über die Zeit stärker mit der beobachtbaren Schlüsselstruktur verknüpft wurde.

Für den Markt ist diese Art von Kennzahl vor allem deshalb relevant, weil sie den „Security-Footprint“ auf der Kette messbar macht, ohne zwingend etwas über aktuelle Verluste auszusagen. Unternehmen, die Bitcoin-Transfers automatisieren, profitieren von einer Klarheit: Nicht jede zukünftige kryptografische Bedrohung lässt sich nur mit Blick auf Wallet-Komprimittierung bewerten. Adresshygiene, wiederverwendete Identitäten und die Wahl von Output-Skripten wirken als strukturelle Hebel, die im Hintergrund darüber entscheiden, wie gut sich Coins langfristig „isolieren“ lassen. Genau hier liegt der strategische Aufwand: Wallet- und Austausch-Workflows müssen so designt werden, dass sie nicht nur kurzfristige Kosten und Durchsatz optimieren, sondern auch die langfristige Wiedererkennung von Schlüsselmustern minimieren.

Gleichzeitig sollte man die Zahl nüchtern einordnen. Der berichtete Anteil beschreibt Public-Key-Sichtbarkeit, nicht „gestohlene“ Bestände. Gerade deshalb ist die Debatte für Entwickler und Compliance-Verantwortliche weniger ein Thema für Incident-Response, sondern eher für Architektur- und Betriebsregeln: Welche Script-Typen werden wie oft gewählt? Wie wird Address Reuse technisch verhindert? Und wie wird beim Wechsel der Output-Strategie sichergestellt, dass neu entstehende Transaktionshistorien nicht dieselben Identitätsmuster konservieren? Wer diese Stellschrauben adressiert, kann die künftige Angriffsfläche besser steuern, selbst wenn die Coins aktuell unauffällig bleiben.


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