LONDON (IT BOLTWISE) – In 2027 setzen viele Designer wieder stärker auf Küchenfliesen, weniger als reines Retro-Detail, sondern als Gestaltungselement für Alltagstauglichkeit. Gepinselte Böden mit Schablonen und dekorativer Farbgebung sollen dem Raum einen neuen Charakter geben, ohne die komplette Wohnung umzubauen. Dazu kommen warme, stabile Varianten von Engineered Hardwood sowie natürliches Wollteppichbodenmaterial, die Komfort, Akustik und optische Tiefe liefern. Den auffälligen Kontrast liefert vor allem weich ausgeführtes Karomuster in Naturstein-Fliesen.

Wer den Boden nur „mitlaufen lässt“, merkt spätestens beim nächsten Renovierungszyklus, wie schnell ein Raum optisch altern kann. Anders als frische Farbe an der Wand oder eine neue Leuchte lässt sich eine Fußbodenoberfläche nicht so nebenbei austauschen. Genau deshalb rückt bei Renovierungen abseits reiner Zweckmäßigkeit zunehmend die Frage in den Vordergrund, welcher Look in den kommenden Jahren nicht nur kurzfristig im Trend liegt, sondern sich auch praktisch im Alltag bewährt. Für die Planung in Richtung 2027 nennen Innenarchitektinnen vor allem vier Materialfamilien als besonders relevant: Küchenfliesen, gestrichene Böden, Naturstein-Fliesen mit weicherem Muster und warme, stabile Holzvarianten. Dazu kommt als fünfter Schwerpunkt Wollteppich, der Komfort und Gestaltung zusammenzieht.
Aus technischer Sicht ist die Rückkehr der Fliese in der Küche weniger überraschend, als es in vielen Wohnungen zunächst wirkt. In der Küche wechseln Temperatur und Luftfeuchte häufiger als in anderen Räumen, außerdem treffen häufigere Reinigungszyklen und Spritzwasser auf die Oberfläche. Genau hier spielt Keramik bzw. Steinzeug seine Stärken aus: Sie ist langlebig, lässt sich vergleichsweise leicht reinigen und funktioniert auch in Bereichen mit hoher Frequentierung. Für Alexa Harris-Ralff ist dabei nicht nur die Rückkehr an sich entscheidend, sondern auch der gestalterische Spielraum: Fliesen können Türen, Schränke und Arbeitsflächen optisch „zusammenbinden“, von unaufdringlichen Farbübereinstimmungen bis hin zu einem bewussten Statement in der Küchenzone. Wenn sich so ein Boden mit Fronten und Geräten abstimmen lässt, sinkt zudem das Risiko, dass der Raum in ein paar Saisons wieder „falsch“ wirkt.
Bei „Painted Floors“ rückt dagegen ein Ansatz in den Fokus, der optisch viel verändert, aber handwerklich anders geplant werden muss. Gepinselte Böden eignen sich vor allem dann, wenn die bestehende Fläche noch akzeptabel ist, aber der Look nicht mehr passt. Dann wird aus dem Boden nicht nur eine robuste Unterlage, sondern eine flächige Gestaltungsebene. Die Innenarchitektinnen beschreiben dabei weniger das pauschale „einfarbig streichen“ als vielmehr Schablonen und dekoratives Malen: Der Boden kann zum Statement werden, ohne dass zwingend ein kompletter Materialwechsel nötig ist. Zugleich betonen sie, dass Designer weiterhin mit starken Akzenten arbeiten, aber auf eine solide Basis aus warmen, vielseitigen Neutraltönen setzen. Das bedeutet in der Praxis: Wer kräftiger plant, baut trotzdem eine Farblogik ein, die zu unterschiedlichen Küchenfronten, Textilien und Wandfarben passt.
Noch stärker auf Muster setzt der Trend zu Naturstein-Fliesen, allerdings mit einer klaren Verschiebung in Richtung „weicher“ statt klassisch hart kontrastiert. Harris-Ralff beschreibt das Karomuster in Naturstein als weiterhin präsent, aber eben weniger in der klassischen Schwarz-Weiß-Variante, sondern eher in warmen Tönen, kombiniert mit Weiß- oder Grau-Anteilen. Das ist mehr als Kosmetik: Ein Muster mit reduzierten Kontrasten kann die Fläche optisch beruhigen und wirkt dadurch in modernen Grundrissen oft weniger „laut“. Gleichzeitig bleibt Naturstein als Materialfamilie im Vorteil, weil er langfristig ein hochwertiges, minimalistisches Bild erzeugen kann. Für viele Bauherren ist das zudem ein Sicherheitsnetz gegen schnelle Stilwechsel: Wer den Look aus der letzten Dekade wiederholt hat, kann mit warmen Tonwerten und kontrollierter Ornamentik in eine neue Richtung drehen, ohne die Materialanmutung komplett zu verlassen.
Warm Engineered Hardwood ergänzt diese Logik, indem es Holzoptik mit dem pragmatischen Bedürfnis nach Stabilität verbindet. Engineered Hardwood besteht typischerweise aus mehreren Schichten, die die Ausdehnung und das Verhalten bei Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen besser abfangen sollen als massives Parkett. Genau dadurch wird der Werkstoff für Bereiche interessant, die früher oft als „zu anspruchsvoll“ galten: etwa Küchenzonen, Räume mit Fußbodenheizung oder Häuser mit ausgeprägten saisonalen Unterschieden. Walton ordnet den Look ebenfalls eindeutig ein: Kühle Grautöne verlieren demnach an Wirkung, während natürliche Holzfarben an Momentum gewinnen. Besonders genannt werden honeyed finishes, erdige Neutraltöne und mittlere Brauntöne. Für die Raumwirkung ist das relevant, weil warme Holznuancen die Lichtstimmung im Alltag verbessern können – auch dann, wenn Möbel, Gardinen oder Wandfarben mit der Zeit wechseln.
Als Gegengewicht zu harten Oberflächen taucht in 2027 außerdem Wollteppichboden mit neuem Fokus auf Komfort, Akustik und Ausdruck auf. Viele Hausbesitzer kennen Wolle vor allem als „angenehm an den Füßen“, doch in der Innenarchitektur wird Teppich zunehmend als Funktionsmaterial verstanden: Er bringt taktile und thermische Behaglichkeit, unterstützt das Raumklima über ein weiches Oberflächengefühl und kann gleichzeitig akustische Komforteffekte liefern, indem er Schall teilweise dämpft. Walton beschreibt zudem eine gestalterische Renaissance: nicht nur gedeckte Unis, sondern wieder mehr Farbe und Muster, die Wärme und Charakter einführen. Interessant ist auch die Erweiterung der Einsatzorte: Teppich wird nicht länger ausschließlich für Schlafzimmer gedacht, sondern auch für Treppen, Flure und sogar Wohnzimmer. Der praktische Nutzen dahinter ist klar: Der Wechsel von Hartboden zu Textil in Verkehrsbereichen verändert die Haptik im Alltag deutlich, ohne dass dafür zwingend ein kompletter Neubau nötig wäre.
Für Unternehmen und Planer heißt das: Der „Trend“ in Richtung 2027 ist weniger ein einzelnes Material, sondern ein Set aus Entscheidungen über Alltagstauglichkeit, Oberflächengefühl und langfristige Designfähigkeit. Küchenfliesen und Naturstein liefern dafür harte Fakten bei Reinigung und Langlebigkeit, während gestrichene Böden und Engineered Hardwood zeigen, wie stark sich Optik über Lichtstimmung und Farbwärme steuern lässt. Wollteppich ergänzt schließlich die Dimensionen, die Hartoberflächen oft nur begrenzt abbilden – vor allem Komfort und Akustik. Wer jetzt bereits erste Muster auswählt, kann außerdem die spätere Nachbeschaffung vereinfachen: Ein bewusstes Konzept aus Textur, Tonwerten und Musterstärke reduziert das Risiko, beim zweiten Schritt wieder in eine „veraltete“ Richtung zu rutschen. Damit wird Bodenplanung in Zukunft mehr als ein Baustellen-Detail: Sie wird zu einem Design- und Qualitätsversprechen für mehrere Jahre.
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