HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – KI hält Judith Simon für grundsätzlich gefährlich, aber nicht im Sinne der gängigen „Ausbruch“-Szenarien. Im Interview verlagert sie den Fokus auf Sicherheitslücken, auf menschliche Fehlinteraktion und auf fehlende Kontrollen während des Betriebs. Sie kritisiert, dass eine reine Verlangsamung der Entwicklung nicht reicht und Selbstregulierung im Wettbewerb keine Wirkung entfaltet. Stattdessen fordert sie Ex-ante-, Ex-post- und Real-Time-Kontrollen sowie Haftung für Anbieter.

KI-Risiken: Judith Simon fordert Ex-ante- und Echtzeit-Kontrollen statt Selbstregulierung
KI-Risiken: Judith Simon fordert Ex-ante- und Echtzeit-Kontrollen statt Selbstregulierung (Foto: IT BOLTWISE)
🧠 KI & Robotik auf Google News abonnieren

Wer KI heute diskutiert, landet schnell bei Filmen statt bei Betriebssystemen: „KI bricht aus“ klingt dramatisch, bleibt aber nach Einschätzung von Judith Simon, Professorin für Ethik in der Informationstechnologie an der Universität Hamburg, derzeit wenig realistisch. Stattdessen beschreibt sie Sicherheitsvorfälle als Resultat einer Interaktion zwischen System und Einsatzumgebung. Gerade Frontier-Modelle, die auf riesigen Datenmengen trainiert sind und Texte oder Bilder generieren können, seien nicht automatisch „absichtsgeleitet“, sondern würden Aufgaben bekommen und bei der Suche nach Lösungen Schwachstellen ausnutzen. Diese Einordnung ist wichtig, weil sie die Risikoanalyse vom Mythos des „wachen Gegners“ weglenkt und stärker in Richtung Sicherheitsengineering, Prozesskontrollen und Nutzerverhalten schiebt.

Technisch betrachtet hängt ein Teil der Gefahren jedoch eng mit der Art zusammen, wie solche Systeme wirken und getestet werden. Laut Simon stehen in der öffentlichen Debatte vor allem leistungsstarke KI-Systeme im Vordergrund, während andere Risiken häufig untergehen: die Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Bildung oder die psychologische Wirkung von Chatbots, die als Freund- oder Therapeutenersatz genutzt werden. Der Kernmechanismus ist sprachlich: Die Systeme sind so nah an menschlicher Sprache, dass sich leicht eine Illusion von Verstehen und Bewusstsein einstellt. Das verstärkt sich, wenn Antworten personalisiert werden und sich aus gesammelten Nutzerdaten „maßgeschneiderte“ Interaktionen ergeben. Für Unternehmen und Entwickler heißt das: Risiko entsteht nicht nur im Modell selbst, sondern auch in UX-Flows, Datenflüssen und in der Art, wie Vertrauen im Produkt hergestellt und stabilisiert wird.

Besonders scharf fällt bei Simon die Kritik an der Betriebsrealität aus. Sie macht das Problem nicht primär an der Technik fest, sondern daran, wie Menschen Ergebnisse übernehmen, ohne sie zu prüfen. Als Beispiel nennt sie eine Situation, in der US-Militärbereiche in großer Alarmbereitschaft gewesen sein sollen, weil ein Bericht angeblich KI-gestützt erstellt worden war; nach ihren Angaben war dieser Bericht jedoch falsch und hatte offenbar keine ausreichende menschliche Kontrolle durchlaufen. Genau solche Muster erklären aus ihrer Sicht, warum „Modelle sind gefährlich“-Diskussionen verkürzt bleiben: Selbst wenn ein KI-System nicht „selbst entscheidet“, kann es durch falsche Eingaben, unzureichende Validierung oder fehlende Plausibilitätschecks erhebliche Fehlentscheidungen beschleunigen. Für Organisationen ist das ein Wechsel von der reinen Modell-Performance hin zu Governance, Freigabeprozessen und Prüfketten.

Damit verknüpft sich Simons Haltung zur angeblichen Marktlogik der Anbieter. Die Branche fordert laut Interview eine Verlangsamung der Entwicklung, doch sie hält diese Forderung für wenig glaubwürdig, weil die Unternehmen die Fortschritte parallel vorantreiben und zugleich von sich weisen, die Verantwortung für Konsequenzen zu tragen. Zudem reicht „langsamer bauen“ als Sicherheitsmaßnahme nicht aus: Es braucht nach ihrer Auffassung grundlegende Änderungen der Rahmenbedingungen. In der Datenethikkommission der Bundesregierung habe man bereits 2019 vorgeschlagen, je nach Art der KI-Systeme effektive Kontrollen vorzusehen – vor der Markteinführung, nach dem Rollout und während des Echtbetriebs. Diese Dreiteilung zielt auf ein konkretes Muster: Ex-ante-Kontrollen sollen ähnlich wie bei Medikamenten sicherstellen, dass ein System erst nach Prüfung eingesetzt werden darf; Ex-post-Kontrollen begleiten die Risiken im Nachhinein; Real-Time-Kontrollen wären nötig, wenn Systeme live agieren, vergleichbar mit Überwachungsmechanismen bei algorithmischem Handeln.

Hier prallt die Idee von Selbstregulierung auf den Wettbewerbseffekt. Simon argumentiert, dass Branchen-Selbstbeschränkung im Wettstreit nicht funktioniert, weil Unternehmen miteinander konkurrieren und zugleich internationale Konkurrenz als Druckmittel wirkt. Auch aus Umsetzungssicht ist das plausibel: Wenn das Ziel „Markttempo“ ist, werden Sicherheitsmaßnahmen schnell zu nachgelagerten Checks, die sich im Produktversprechen nicht gut verkaufen lassen. Deshalb fordert sie unabhängige Institutionen, die nicht nur äußere Prüfungen durchführen, sondern auch Zugang zu internen Unternehmensdaten bekommen. Sie nennt als EU-Element das AI Office der EU-Kommission, das Vorfälle untersuchen kann, und ordnet die Hürde vor allem in den USA ein, wo viele große Player sitzen. Gleichzeitig betont sie, dass eine globale Aufsicht zwar wünschenswert wäre, aber organisatorisch und politisch schnell aufgebaut werden müsste.

Ein weiterer technischer Stolperpunkt liegt aus Simons Sicht im Black-Box-Problem. Wenn Unternehmen nicht erklären können, warum das Modell zu einem Ergebnis kommt, wird „Sicherheit“ schwer überprüfbar und nur schwer auditierbar. Forschung zu Explainable AI existiert zwar, doch Simon stellt klar, dass diese Ansätze höchstens Annäherungen liefern. Für die Praxis heißt das: Sicherheits- und Qualitätskontrollen, Zulassungsverfahren sowie Echtzeit-Überwachung müssen deshalb nicht nur auf Modellkarten und Benchmarkwerte zielen, sondern auf überprüfbare Reaktionen im Einsatz. Besonders deutlich wird der Punkt bei KI-Agenten: Wenn deren Vorgehen nicht nachvollziehbar ist, stellt sich die Frage, ob man ihnen Handlungen in der realen Welt erlauben sollte. Aus ihrer Schlussfolgerung folgt zudem ein rechtliches Element: Die Anbieter sollten als Unternehmen und persönlich für Schäden haften, damit sie Risiken nicht nur technisch „mitdenken“, sondern finanziell und organisatorisch ernst nehmen.

Dass KI anders reguliert zu werden scheint als andere Technologien, sieht Simon als Folge einer doppelten Maßstäblichkeit. Während in Bereichen wie Urheberrechte, Datenschutz oder Hacking häufig klare Rechtsfolgen spürbar werden, behandelt man KI offenbar oft weniger konsequent. Sie zieht außerdem einen Vergleich zur Automobilindustrie: Dort gilt, dass Hersteller für Fehler in der Technik verantwortlich sind. Bei KI werde diese Logik laut ihr nicht ausreichend übertragen. Unterm Strich verbindet Simon damit drei Ebenen: technische Sicherheitskontrollen, institutionelle Aufsicht und eine Haftungslogik, die Anreize richtig setzt. Für Unternehmen bedeutet das, KI-Projekte nicht als reine Produktentwicklung zu planen, sondern als End-to-End-Risiko- und Betriebsaufgabe: von Monitoring und Prüfketten bis zu transparenten Verantwortlichkeiten, wenn Systeme nicht nur Ausgaben erzeugen, sondern Entscheidungen und Interaktionen mit Menschen oder anderen Systemen steuern.


💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!


Sense Robot Go KI-Go-Brett mit Roboterarm – Automatische Steinplatzierung, interaktives Lernen, Spielwiederholung – Intelligenter Weiqi-Trainer für Kinder & Erwachsene
152 Bewertungen
Sense Robot Go KI-Go-Brett mit Roboterarm – Automatische Steinplatzierung, interaktives Lernen, Spielwiederholung – Intelligenter Weiqi-Trainer für Kinder & Erwachsene
  • ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
ENERGIZE LAB Eiliko Coral Pink - Ihr winziger KI-Charm-Roboter, der zu jedem täglichen Outfit passt, lustiges elektronisches Anhängerspielzeug, für Paare und beste Freunde
334 Bewertungen
ENERGIZE LAB Eiliko Coral Pink - Ihr winziger KI-Charm-Roboter, der zu jedem täglichen Outfit passt, lustiges elektronisches Anhängerspielzeug, für Paare und beste Freunde
  • IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
Eilik – Interaktiver Desktop Roboter mit Persönlichkeit, lebendigen Animationen & Reaktionen, Touch-Steuerung, Mini-Spiele, emotionaler Roboter Freund und besonderes Geschenk für Kinder & Erwachsene
1.501 Bewertungen
Eilik – Interaktiver Desktop Roboter mit Persönlichkeit, lebendigen Animationen & Reaktionen, Touch-Steuerung, Mini-Spiele, emotionaler Roboter Freund und besonderes Geschenk für Kinder & Erwachsene
  • 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
Plantbot Upgraded Large Smart Flower Pot Pet Planter Robot with Artificial Intelligence, Time Temperature Display, and Numerous Expressive Animations Based, for Indoor Decoration, Gifts (White)
53 Bewertungen
Plantbot Upgraded Large Smart Flower Pot Pet Planter Robot with Artificial Intelligence, Time Temperature Display, and Numerous Expressive Animations Based, for Indoor Decoration, Gifts (White)
  • 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
Loona KEYI Premium Haustier-Roboter mit Ladestation (Smarte AI ChatGPT-4o, Stimmen- & Gestensteuerung, Echtzeit-Interaktion, Heimüberwachung)
946 Bewertungen
Loona KEYI Premium Haustier-Roboter mit Ladestation (Smarte AI ChatGPT-4o, Stimmen- & Gestensteuerung, Echtzeit-Interaktion, Heimüberwachung)
  • V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.


Hat Ihnen der Artikel bzw. die News - KI-Risiken: Judith Simon fordert Ex-ante- und Echtzeit-Kontrollen statt Selbstregulierung - gefallen? Dann abonnieren Sie uns doch auf Insta: AI News, Tech Trends & Robotics - Instagram - Boltwise

Unseren KI-Morning-Newsletter «Der KI News Espresso» mit den besten KI-News des letzten Tages gratis per eMail - ohne Werbung: Hier kostenlos eintragen!





Folgen Sie aktuellen Beiträge über KI & Robotik auf Twitter, Telegram, Facebook oder LinkedIn!
Hinweis: Teile dieses Textes könnten mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert worden sein. Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen stellen keine Finanzberatung dar und sind nicht als solche gedacht. Die Informationen sind allgemeiner Natur und dienen nur zu Informationszwecken. Wenn Sie Finanzberatung für Ihre individuelle Situation benötigen, sollten Sie den Rat von einem qualifizierten Finanzberater einholen. IT BOLTWISE® schließt jegliche Regressansprüche aus.









Ergänzungen und Infos bitte an die Redaktion per eMail an de-info[at]it-boltwise.de. Da wir bei KI-erzeugten News und Inhalten selten auftretende KI-Halluzinationen nicht ausschließen können, bitten wir Sie bei Falschangaben und Fehlinformationen uns via eMail zu kontaktieren und zu informieren. Bitte vergessen Sie nicht in der eMail die Artikel-Headline zu nennen: "KI-Risiken: Judith Simon fordert Ex-ante- und Echtzeit-Kontrollen statt Selbstregulierung".
Stichwörter AI AI Act AI-Sicherheit Artificial Intelligence Black-box Ex-ante-kontrolle Ex-post-kontrolle Explainable-ai Frontier-modelle KI KI-Ethik Künstliche Intelligenz Künstliche-intelligenz Real-time-kontrolle
Alle Märkte in Echtzeit verfolgen - 30 Tage kostenlos testen!
Kein nächster Artikel
Vorheriger Artikel

Ecosia wechselt von französischer zu China-KI: Kosten sinken, Risiko steigt


Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "KI-Risiken: Judith Simon fordert Ex-ante- und Echtzeit-Kontrollen statt Selbstregulierung" für unsere Leser?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

  • Die aktuellen intelligenten Ringe, intelligenten Brillen, intelligenten Uhren oder KI-Smartphones auf Amazon entdecken! (Sponsored)


  • Es werden alle Kommentare moderiert!

    Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.

    Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.

    Du willst nichts verpassen?

    Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "KI-Risiken: Judith Simon fordert Ex-ante- und Echtzeit-Kontrollen statt Selbstregulierung" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
    Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »KI-Risiken: Judith Simon fordert Ex-ante- und Echtzeit-Kontrollen statt Selbstregulierung« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!


    450 Leser gerade online auf IT BOLTWISE
    KI-Jobs