NORDEUROPA / LONDON (IT BOLTWISE) – Airbus und Kratos haben den ersten Flug der unbemannten Kampfdrohne U740 Valkyrie in Europa erfolgreich abgeschlossen. Der Test erreichte Manöver in unterschiedlichen Höhen und Geschwindigkeiten bis zu Mach 0,8, Start und Bergung verliefen wie geplant. Zentral ist das integrierte Missionssystem MARS, das autonomer Software- und Missionssteuerung bei gleichzeitiger „ein-the-loop“-Kontrolle vorsieht. Airbus will damit den Weg für weitere Tests und ein einsatzbereites Collaborative Combat Aircraft bis 2029 ebnen.

Der erfolgreiche Erstflug der unbemannten Kampfdrohne U740 Valkyrie in Europa ist weniger ein einzelnes Test-Event als ein Meilenstein im Aufbau einer ganzen Systemkette: Airbus Defence and Space und Kratos Defense & Security Solutions kombinieren dafür eine bewährte Flugzeugzelle mit einem eigenen Missions- und Kontrollstack. Laut Airbus fand der Flug auf einer Testanlage in Nordeuropa statt und deckte dabei laut Unternehmensangaben die gesetzten Ziele ab. Damit rückt auch das Zielbild in Reichweite, bis 2029 ein einsatzbereites unbemanntes Collaborative Combat Aircraft (CCA) anzubieten, das die operativen Anforderungen deutscher und anderer europäischer Streitkräfte adressieren soll.
Technisch betont der Test vor allem die Flugfähigkeiten in einem frühen, aber bereits anspruchsvollen Bereich: U740 Valkyrie startete dem Bericht zufolge von einer Rampe, die mit Unterstützung von Raketen arbeitet, welche nach zwei Sekunden abgeworfen werden. Im Anschluss flog die Maschine Manöver in unterschiedlichen Höhen und Geschwindigkeiten bis zu Mach 0,8. Airbus nennt dabei auch Missionsanpassungen während des Fluges als Teil des Programms und schafft so die Grundlage dafür, spätere Demonstrationen nicht nur als „Geradeausflug“ zu verstehen, sondern als schrittweise Erprobung von Flugzuständen, Steuerlogik und Missionskonfigurationen.
Im Zentrum steht dabei das integrierte Airbus-Missionssystem „Multi-platform Autonomous Reconfigurable and Secure“ (MARS), das Airbus als „europäisches Gehirn“ der Valkyrie beschreibt. MARS soll die vollständige Kontrolle über Software, Missionsanwendungen, Missionsdaten sowie Missionssystemhardware ermöglichen; außerdem nutzt das System laut Unternehmensangaben KI-gestützte Software, um Missionen autonom durchzuführen und Missionsverbände zu koordinieren. Gleichzeitig bleibt ein Mensch ständiger Bestandteil der Kontrollhierarchie („ein-the-loop“), damit kritische Entscheidungen den festgelegten Einsatzregeln sowie ethischen und rechtlichen Standards entsprechen. Praktisch heißt das: Das System kann in einem definierten Rahmen autonom handeln und koordinieren, aber es entzieht sicherheitsrelevante Weichenstellungen nicht vollständig der menschlichen Verantwortung.
Für die nächste Ausbaustufe ist bereits ein klar getakteter Fahrplan erkennbar: „Increment 1“ von MARS soll laut Airbus beim nächsten Flugtest Mitte des kommenden Jahres auf die Maschine gebracht werden. Weitere Testflüge seien für Ende 2027 sowie Anfang 2028 vorgesehen. Airbus verknüpft diese Schritte zudem mit dem Versuch, Manned-unmanned teaming zu erproben und auch den Abwurf scharfer Munition zu testen, sofern die Bundeswehr das unterstützt. Die Valkyrie selbst landete demnach nach Abschluss des Flugprogramms per Fallschirm und wurde anschließend geborgen; umgesetzt wurde der Test in einem gemischten Airbus/Kratos-Team. Auffällig ist zudem: Während keine Beobachter der Bundeswehr anwesend gewesen seien, waren solche einer anderen Nation zugegen.
Auch im Beschaffungs- und Wettbewerbsumfeld hat der Fortschritt eine hohe Signalwirkung. Das von Airbus genannte Zieldatum von 2029 galt lange als maßgebliche Vorgabe für die Einführung einer sogenannten Jagdbomberdrohne in der Bundeswehr; laut den Angaben im Text soll dieses Datum jedoch „dem Vernehmen nach“ gekippt sein, während das BMVg derzeit offenbar daran arbeitet, wie das Verfahren weitergeführt werden soll. Neben Airbus mit der Valkyrie werden dem Bericht zufolge weitere Kandidaten genannt, darunter Boeing und Rheinmetall mit der MQ-28A Ghost Bat, Helsing mit der CA-1KA sowie General Atomics mit der Gambit 6. Für Beobachter liegt nahe, dass eine Jagdbomberdrohne das Missionssystem aufnehmen muss, das im Rahmen des „Combat Fighter System of Systems Nucleus“-Programms entwickelt wird; außerdem deuten die Ausführungen im Text darauf hin, dass nationale Beschränkungen bei der Nutzung dieses Missionssystems – etwa durch die US-Regierung – zu einem Ausschluss führen könnten.
Airbus setzt dabei nicht nur auf Flugperformance, sondern auch auf ein konkretes Nutzungsprofil für Resilienz im Einsatz. Michael Schöllhorn, CEO von Airbus Defence and Space, betont in der zitierten Passage die Kombination aus der „Program of Record“-Flugzeugzelle von Kratos und dem europäischen Missionssystem von Airbus, um bis zum Ende des Jahrzehnts ein robustes, souveränes, bezahlbares und einsatzbereites CCA-System anbieten zu können. Das Design zielt dem Text zufolge auf operative Resilienz über den Start von einer Rampe, bietet aber optional auch die Fähigkeit, von Startbahnen abzuheben und zu landen. Damit adressiert das System eine wesentliche praktische Frage für unbemannte Plattformen: Wie gut lässt sich der Übergang zwischen verschiedenen Start-/Einsatzumgebungen abbilden, ohne dass Mission und Logistik zu stark neu aufgesetzt werden müssen.
Um das in Zahlen greifbar zu machen: Airbus nennt eine Länge von 9,1 m und eine Spannweite von 8,2 m, dazu einen internen Waffenschacht sowie externe Laststationen unter den Tragflächen. Als Eckwerte werden ein maximales Abfluggewicht von etwa drei Tonnen, eine Reichweite von über 5.000 Kilometern sowie eine Dienstgipfelhöhe von 45.000 Fuß genannt. Die Valkyrie sei zudem darauf ausgelegt, autonom oder unter der Führung bemannter Kampfflugzeuge wie des Eurofighters zu operieren, um riskante Einsätze durchzuführen und bemannte Systeme zu schützen. In Summe zeigt der Test damit: Der nächste Wettbewerbsvorteil könnte weniger im „Ob“ einer unbemannten Plattform liegen, sondern im „Wie“ – also in der Verzahnung aus Sensorik, Missionssoftware, souveräner Steuerung und erprobter Start-/Operationsfähigkeit.
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