LONDON (IT BOLTWISE) – Gloryhammer koppelt „Space 1993: Wrath of Kor-Virliath“ als direkten Nachfolger an das frühere „Space 1992“. Der Fünfteiler liefert dabei nicht nur mehr Härte, sondern verlagert das Klangbild deutlich in Richtung düsterer, filmischer Atmosphäre. Besonders auffällig sind die prominenteren Gitarren, die intensiv eingesetzten Chöre sowie eine Narration, die den Songs wie eine Fortsetzung des Arrangements mitläuft. Offen bleibt vorerst, wie stark sich der schwere Ton und die großen Tempo-Sprünge live in der Breite durchsetzen.

Mit „Space 1993: Wrath of Kor-Virliath“ versucht Gloryhammer etwas, das im Symphonic-Power-Metal selten so konsequent gelingt: eine direkte Fortsetzung zu liefern, ohne beim zweiten Anlauf musikalisch wie eine Kopie zu wirken. Die Veröffentlichung ist auf den 16. Oktober 2026 datiert, und das Konzept knüpft als neuer Abschnitt direkt an „Space 1992: Rise of the Chaos Wizards“ an. Gerade für eine Band, die zuvor verschiedene Zeitlinien und Epochen bespielt hat, ist das ein Risiko: Fans erwarten einerseits Wiedererkennung, andererseits aber eine Weiterentwicklung. Genau hier setzt das Album an – es bleibt energetisch, aber die Tonalität wird spürbar dunkler und schwerer.
Statt große Umbauten zu vollziehen, nutzt Gloryhammer die Zeit für Feinschliff in der Banddynamik. Laut der im Review genannten Besetzung bleibt die Kernriege für „Space 1993“ zunächst identisch: Sozos Michael übernimmt als Vocals, Ser Proletius spielt Gitarre, Paul Templing ist an den Gitarren beteiligt, während für Bass und Keyboards ebenfalls klar benannte Rollen genannt werden. Dazu kommt die weiterhin zentrale Hintergrundfunktion von Christopher Bowes als Erzähler und Hauptsongwriter. Auffällig ist außerdem, dass Keyboarder Michael Barber nach der Aufnahme nicht dauerhaft dabei bleibt – das heißt, das Album dokumentiert zugleich eine konkrete Phase des Sounds, den die Produktion später weitertragen muss. Gleichzeitig wirkt Sozos Michael nicht wie „der neue Ersatz“, sondern wie jemand, der die Stimmführung bereits ausbalanciert: mal eher entspannt und smooth, dann aber wieder mit großen Hochton-Peaks und spürbarer Bühnenenergie.
Klanglich dreht „Space 1993“ an mehreren Stellschrauben, die für das Genre entscheidend sind: Tastaturen und symphonische Elemente bleiben extrem präsent, doch sie treten häufiger in den Hintergrund zugunsten epischer symphonischer Arrangements. Genau dadurch entsteht der filmische Effekt, den der Text besonders herausstellt – weniger „Saturday-Morning“-Cartoon-Vibe, mehr „Star-Wars“-ähnliche Raumfahrtdramaturgie. Auch die Gitarren gewinnen deutlich an Gewicht: Sie übernehmen nicht nur Lead-Funktionen auf mehreren Tracks, sondern liefern teils überraschend schwere Riffs, die in Richtung Thrash-Feeling kippen. Dazu passt, dass die Drums im Review als intensiv bis „full throttle“ beschrieben werden, mit Momenten, in denen man bewusst zurückfährt, um den Wechsel von Spannung und Druck nicht als Dauerrauschen enden zu lassen.
Technisch interessant ist dabei weniger die reine Lautstärke als die Verknüpfung aus Arrangement-Logik und Story-Takt. Das Album erzählt die Handlung um Prinz Angus McFife V und den finalen Angriff gegen den Dark Sorcerer Zargothrax, der in einer eigenen Space Base wartet. Die Songs sind dabei nicht nur musikalische Nummern, sondern dramaturgische Bausteine: In den ersten zehn Tracks passiert viel „Aufbauarbeit“ – Allianzen sammeln, Weltlage klären, Verbündete formieren – bevor im Abschluss der große Raumkampf eskaliert. Besonders hervorgehoben wird die Narration: Sie wird in den meisten Tracks sparsam eingesetzt, aber gerade dann, wenn sie kommt, erhöht sie die Wirkung, ohne den Songfluss zu brechen. Der entscheidende Punkt ist: Die Band hält trotz Erzähleinlagen die musikalische Aggressivität und den Drive aufrecht; die Narration wirkt deshalb wie ein zusätzlicher Instrumentalpart statt wie ein Fremdkörper.
Diese Verzahnung zeigt sich auch in der Song-Charakteristik. Der Einstieg beginnt mit einem Intro aus ominösen War Drums und intensiven orchestralen Arrangements, ehe „Ultimate Sacrifice“ als Lead Single mit schweren Gitarren, intensiven Drums, epischen Chören und orchestraler Kulisse sofort den Druck aufbaut. In der Beschreibung wird zudem herausgestellt, dass das Lead-Gitarrenspiel im Lead-Vers-Thrill zeitweise in Thrash-Gefilde rutscht, während der Chorus als besonders melodisch, episch und zugleich „optimistisch“ beschrieben wird. Andere Titel betonen dann wieder mehr Keyboard-Fokus oder liefern deutlich andere Texturen: „Demonic Devotion“ wird dabei als Disco-Metal-Variante eingeordnet, also als Stilbruch, der popnahe Melodieführung und tanzbaren Groove bewusst nutzt, ohne als Fremdkörper zu wirken. Genau diese Mischung erklärt, warum der Text trotz vieler Tempo- und Stimmungswechsel von einem „perfekten Zusammenpassen“ ausgeht.
Der Mittelteil bleibt nicht nur abwechslungsreich, sondern dient als Klangatelier für die Raumfahrtstimmung. „Starfighters of Leuchars“ arbeitet mit moderaterem Tempo, setzt aber auf orchestrale Backdrops und eine „raumfahrtige“ Atmosphäre, in der die Gitarren zwar präsent sind, die symphonischen Arrangements aber den Ton setzen. „Warriors of Auchtermuchty“ wird mit der Chorstärke und Keyboards als besonders „angreifbar“ beschrieben, während „Pax Galactica“ die dunklere, moody Phase stärker ausspielt. Das Albumbalancing bleibt dabei nicht zufällig: Wenn ein Track stärker keys-orchestriert ist, bekommt der nächste wieder mehr „Gitarre vorne“-Charakter, und die Drums halten die Kante. Selbst dort, wo einzelne Passagen an bekannte Genre-Mechaniken erinnern, bleibt das Gesamtbild kohärent, weil die Band ihre Dramaturgie konsequent an der Story orientiert.
Im Finale schließlich zeigt „Space 1993“ seine größte Stärke: die Fähigkeit, aus langformatigen Konzepten wieder übersichtliche Spannungskurven zu bauen. Der letzte Track, mit einer extrem ausführlichen Titelform im Review, wird als 12+ Minuten Grand Finale eingeordnet, das in vier Kapitel aufgeteilt ist. Besonders genannt wird Kapitel 2 als „pure chaos“, in dem die Musik nahtlos zwischen Thrash, symphonischem Power Metal, Prog und sogar einer sehr kurzen Black-Metal-Sektion wechselt. Diese Art von Genre-Sprungtechnik ist riskant, weil sie schnell beliebig oder fragmentiert wirken kann – im Review heißt es jedoch, dass die Abfolge „perfekt“ aufgeht und die restlichen Teile ebenso herausragend bleiben. Am Ende steht für den Autor ein klares Fazit: Das Album hält die Erfolgsformel aus energiegeladenen Keys, cineastischen symphonischen Arrangements, starken Chorstellen und Story-Telling fest, ergänzt sie aber um zusätzliche Härte und macht damit laut eigener Wertung das bisher beste Werk der Band aus.
Aus Sicht von Hörerinnen und Hörern, die im Power-Metal vor allem nach musikalischer Dramaturgie und nicht nur nach schnellen Refrains suchen, wirkt „Space 1993“ deshalb wie eine bewusste Weiterentwicklung des „Space“-Universums. Wer Gloryhammer bereits kennt, bekommt eine Fortsetzung, die mehr Gewicht und mehr bedrohlichen Unterton mitbringt, ohne den melodischen Kern zu verlieren. Für Einsteiger ist besonders relevant, dass das Album auch innerhalb eines sehr dicht orchestrierten Gesamtklangs erkennbare Hook-Strukturen anbietet – und dass die Narration wie ein Bindemittel funktioniert, statt den musikalischen Fluss zu stören. In Summe ist es genau die Art von Ausbau, bei der ein Sequels-Anspruch nicht nur behauptet, sondern im Arrangement und in der Dramaturgie sichtbar eingelöst wird.
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