LONDON (IT BOLTWISE) – Trade Republic baut ein Altersvorsorgedepot auf, bei dem weder Depotführung noch Sparplanausführung laufende Gebühren kosten sollen. Für ausgewählte ETFs sollen außerdem langfristig die laufenden Produktkosten entfallen. Die Kostenfreiheit hängt damit an der konkreten Fondsauswahl und nicht am Depotmodell allein. Ab sofort ist eine Warteliste verfügbar, während die Förderung für Einzahlungen ab Januar 2027 startet.

Trade Republic will das Altersvorsorgedepot ohne laufende Kosten anbieten – zumindest in großen Teilen des Preismodells. Laut den veröffentlichten Angaben können sich Kunden ab sofort in eine Warteliste eintragen. Der Startpunkt für die staatliche Förderung liegt bei Januar 2027: Dann sollen Sparer mit dem neuen Depot steuerlich und über Zuschüsse unterstützt in Fonds und ETFs für den Ruhestand investieren können. Genau dort wird das Angebot besonders relevant, denn die Grundlogik des Altersvorsorgedepots ist relativ klar: Einzahlungen werden unter bestimmten Bedingungen mit Zulagen unterstützt und später bei Auszahlung steuerlich anders behandelt als in einer klassischen, ungebundenen Geldanlage.
Im Kern geht es bei Trade Republic um drei Kostenblöcke, die in der normalen Konstruktion einer Fondslösung häufig die Rendite drücken: Depotführung, die regelmäßige Ausführung der Sparpläne und die laufenden Produktkosten der eingesetzten Fonds oder ETFs. Für das Altersvorsorgedepot nennt das Unternehmen Gebührenfreiheit für die Depotführung und für die regelmäßige Ausführung der Sparpläne. Zusätzlich sollen bei ausgewählten ETFs von iShares (BlackRock), DWS und Vanguard die laufenden Produktkosten „langfristig“ entfallen. Nach den Angaben betrifft das mehr als 50 ETFs, wobei die entsprechenden Beträge monatlich wieder angelegt werden sollen – also nicht als Ersparnis „bar“ ausgezahlt, sondern als Rendite-unterstützender Effekt innerhalb des Sparplans.
Damit verschiebt sich der Fokus in der Praxis deutlich: Nicht das „Kostenlos“ des Depotanbieters ist die technische Stellschraube, sondern die Frage, welche Wertpapiere genau als begünstigt gelten. Das kostenlose Modell soll sowohl für ein Standarddepot als auch für ein „freies Altersvorsorgedepot“ gelten. Beim Standarddepot legt der Anbieter die Geldanlage vor; im freien Depot wählen Sparer die Fonds und ETFs selbst aus. Für die Kostenbefreiung gilt laut den veröffentlichten Informationen jedoch eine Einschränkung: Sie greift nur bei den genannten, ausgewählten ETFs. Wer andere ETFs oder aktiv verwaltete Fonds besparen möchte, muss die jeweiligen laufenden Produktkosten folglich gegebenenfalls selbst tragen. Damit ist „vollständig kostenlos“ organisatorisch nur dann gegeben, wenn die Sparrate dauerhaft in die entsprechenden begünstigten ETFs fließt.
Unklar bleibt zudem der Zeitrahmen. Trade Republic spricht von „langfristig“, nennt aber keinen konkreten Zeitraum, in dem die Produktkostenbefreiung gelten soll. Genau diese zeitliche Reichweite ist für Anleger entscheidend, weil sich die Gebührenstruktur in Fondsprodukten grundsätzlich über die Lebenszeit eines Sparplans verändern kann – und weil bei der Rendite nicht nur die laufenden Kosten, sondern auch die Kursentwicklung der Fonds den Endwert bestimmen. Auch unabhängig von den laufenden Gebühren gilt beim Altersvorsorgedepot: Es gibt keine Kapitalgarantie. Der Wert der Fonds und ETFs kann schwanken, und es gibt keine Garantie dafür, dass die Auszahlung später in jedem Szenario höher ausfällt als die Summe der eingezahlten Beiträge.
Neben dem Anbieter-Aspekt liefert das Regelwerk des Altersvorsorgedepots den zweiten großen Hebel: staatliche Zulagen. Für die ersten 360 Euro, die im Jahr unmittelbar für förderberechtigte Einzahlungen geleistet werden, gibt der Staat 50 Cent pro Euro dazu. Für weitere Einzahlungen bis zu 1.440 Euro beträgt der Zuschuss 25 Cent je Euro. Wer jährlich 1.800 Euro einzahlt (entspricht umgerechnet 150 Euro im Monat), erreicht damit die maximale Grundzulage von 540 Euro. Voraussetzung ist außerdem eine Mindesteinzahlung von 120 Euro jährlich. Für Eltern sind zudem zusätzliche Kinderzulagen möglich; außerdem wird bei einem Vertragsabschluss vor dem 25. Geburtstag ein einmaliger Berufseinsteigerbonus genannt.
In der Ansparphase bleiben die Kapitalerträge steuerfrei, während die späteren Leistungen besteuert werden. Beitragszahlungen und Zulagenanspruch können zudem in der Steuererklärung geltend gemacht werden, sodass das Finanzamt prüft, ob sich über die Zulagen hinaus ein zusätzlicher Steuervorteil ergibt. Für die Wahl zwischen Anbietern bedeutet das: Die Zulagen sind zwar systematisch vorgegeben, aber die Umsetzung im Depot – insbesondere die konkrete ETF-Auswahl und die Frage, welche Gebühren tatsächlich wegfallen – entscheidet über die Kostenquote und damit über die Renditechancen. Im Wettbewerb haben bereits mehrere Anbieter erste Angebote präsentiert, darunter ein Unternehmen aus dem Bereich der Online-Brokerage, ein weiterer Anbieter aus dem Retail-Umfeld und ein ebenfalls etablierter Neobroker mit Fokus auf günstige ETF-Sparpläne.
Für die Umsetzung in Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Altersvorsorgeoptionen nahebringen oder Vergütungsmodelle mit Kapitalaufbau verknüpfen, folgt daraus eine eher pragmatische Schlussfolgerung: Die Kostenfreiheit ist kein pauschales Qualitätsmerkmal, sondern an Produktkorridore gebunden. Sobald eine Ziel-ETF-Liste existiert, sollten Finanzverantwortliche und HR-Teams diese Liste als Teil der Entscheidungsgrundlage behandeln – inklusive Frage, ob und wie sich die Auswahl über die Zeit verändern kann. Gleichzeitig bleibt die wichtigste Komponente unverändert: Ohne Risikomanagement über Anlagehorizont und Diversifikation bleibt jedes „kostenlos“ nur ein Baustein. Trade Republic liefert hier einen klaren Anreiz, aber der „Haken“ liegt eben in der Fonds-/ETF-Auswahl und in der offenen Frage nach der Dauer der Gebührenbefreiung.
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