FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Auswertung von Themen-ETFs zeigt: Zusatzrisiko zahlt sich für viele Anleger nur selten aus. In einem Vergleich gegenüber Standard-ETFs auf breiten Weltindizes bleiben die meisten Themenprodukte zurück, besonders bei Tech- und Technologie-Fokussen. Besonders deutlich wird das Timing-Problem: Neue Themen kommen oft genau dann in Mode, wenn die Kurse bereits vorgelaufen sind. Dazu kommen enge Indexdefinitionen, geringe Streuung und das Risiko, dass kleinere ETFs schneller geschlossen werden.

Der ETF-Markt wirkt auf den ersten Blick demokratisch: Ein MSCI-World-ETF oder ein S&P-500-Produkt deckt breite Marktsegmente ab, bleibt transparent und kommt mit niedrigen laufenden Kosten daher. Doch die Kategorie der Themen-ETFs verschiebt das Profil. Sie knüpft an klar beschriebene Zukunftsideen wie KI, Rüstung, Wasserstoff oder Quantentechnologie an und verspricht damit oft einen direkten Zugang zu „dem großen Trend“. Eine Auswertung mit 230 Themen-ETFs und -ETPs macht allerdings sichtbar, dass das Mehr an Story bei vielen Produkten nicht in eine bessere Performance übersetzt wird. Der Kernpunkt ist dabei nicht, dass ein Thema grundsätzlich schlecht wäre – sondern dass sich die Preisbildung an Börsen häufig schneller durchsetzt als der Investitionshorizont der Anleger.
Im direkten Vergleich gegen Standard-ETFs wirkt die Asymmetrie deutlich. Für die 129 Produkte mit mindestens drei vollen Jahren Historie liegt die durchschnittliche Rendite bei 9,3 Prozent pro Jahr, während der MSCI World im selben Zeitraum 15,3 Prozent pro Jahr erzielt. Noch enger wird die Lücke, wenn man schaut, wie oft Themen-ETFs den jeweiligen Maßstab schlagen: Nur 29 Prozent schaffen es gegen den Weltindex, nur 12 Prozent gegen den Nasdaq 100. Diese „Trefferquote“ fällt zusätzlich mit der Haltedauer auseinander: Bei Themen-ETFs mit ein bis zwei vollen Jahren liegen noch 46 Prozent vor dem MSCI World, bei acht bis elf Jahren nur noch ein Viertel. Der Grund dafür ist weniger in der einzelnen Konstruktion zu suchen als in der Kombination aus Zykluslogik, Indexregeln und dem typischen Launch-Fenster neuer Produkte.
Analystisch wird es besonders aufschlussreich, wenn die Auswertung die Themen-ETFs zusätzlich nicht nur gegen den Weltindex, sondern gegen passende Morningstar-Kategorie-Indizes prüft. Über drei Jahre liegen Themen-ETFs im Schnitt 3,5 Prozentpunkte pro Jahr zurück, über fünf Jahre sogar 10,2 Prozentpunkte. Innerhalb dieser Einordnung ist die Lage für Technologiethemen noch ungünstiger: Bei Technologie-Themen-ETFs erreicht über fünf Jahre keiner von 22 Produkten den Vorsprung gegenüber dem jeweiligen Kategorie-Index. Das Morningstar-Sterne-Rating, das die risikoadjustierte Rendite innerhalb einer Vergleichsgruppe bewertet, vergibt dabei in vielen Fällen nur ein oder zwei Sterne: 45 Prozent der bewerteten Themen-ETFs landen in dieser unteren Bandbreite. Gleichzeitig erreichen laut der Auswertung drei von vier Standard-ETFs das bestmögliche Rating von fünf Sternen – ein Hinweis darauf, dass robuste, breite Faktor-Exponierung offenbar öfter „mit dem Markt“ statt gegen ihn läuft.
Das eigentliche Timing-Problem lässt sich laut der Analyse als Zyklus zwischen „Aufmerksamkeit“ und „Kurslauf“ beschreiben. Ein Thema wird dann zum Börsenthema, wenn alle es erkannt haben – aber dann sind die Kurse häufig schon weit vorausgelaufen. Besonders nach dem Boomjahr 2020 wurden 2021 und 2022 insgesamt 69 Themenprodukte aufgelegt, viele davon in Feldern wie Metaverse, Blockchain oder Wasserstoff. Der Jahrgang 2021 liegt seither 11,3 Prozentpunkte pro Jahr hinter dem MSCI World. Ein Gegenbeispiel ist Rüstung: Als Unterrichtsstoff des Börsenalltags fand das Thema laut der Auswertung offenbar später als andere Konjunkturstories seinen Platz – der VanEck Defense ETF (Auflage März 2023) erzielte seitdem 33,9 Prozent pro Jahr. Die Kehrseite kommt mit der Breite der Neuauflagen: Im Jahr 2025 folgten 14 neue Rüstungsprodukte, und einige davon verloren in den vergangenen zwölf Monaten deutlich, während der MSCI World im gleichen Zeitraum zulegte. Genau diese Konstellation – viele neue Produkte bei gleichzeitigem Kursanlauf – erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein ETF die Trendenergie erst zu spät einkauft.
Auch die „Reinheit“ des abgebildeten Themas spielt eine praktische Rolle, weil Indexregeln den Unterschied zwischen Investment und Marketing ausmachen. Entscheidend ist, wie streng ein Index festlegt, dass Unternehmen einen Mindestanteil ihres Umsatzes aus dem Thema erzielen müssen. Schon Unterschiede zwischen 30, 50 oder 80 Prozent Umsatzanteil verändern die Zusammensetzung und damit die zukünftige Renditewahrscheinlichkeit. Die Spannbreite zeigt sich beispielhaft bei Blockchain-ETFs mit mindestens drei Jahren Historie: Die jährlichen Renditen reichen in der Auswertung von minus 2,2 bis plus 31,7 Prozent. Gleichzeitig gilt: Das Etikett „Thema“ sagt allein wenig. Anleger müssen Indexmethodik und Wirkungsgrad der Definition lesen und dann prüfen, ob das Ergebnis zur eigenen Risikotoleranz passt. Gerade hier zeigt sich die Konstruktion als zweischneidiges Schwert: Themen-ETFs können enger fokussieren, aber sie verzichten dabei oft auf Diversifikation.
Das Risikoprofil ist laut der Auswertung entsprechend sichtbar. Themen-ETFs schwanken demnach doppelt so stark wie der MSCI World und halten im Mittel nur 49 Aktien; fast ein Viertel des Portfolios entfällt auf Neben- und Kleinstwerte. Zusätzlich kommt ein praktisches Fondsrisiko hinzu: Von 222 Produkten verwalten 108 weniger als 50 Millionen Euro. Für Anbieter sind niedrige Gebühren auf hohe Volumina angewiesen – sonst steigt das Schließungsrisiko, bevor sich das Thema „ausinvestieren“ lässt. Ein weiterer Punkt: Die Auswertung betrachtet nur bestehende ETFs und blendet gut 70 liquidierte Themen-ETFs aus. Damit könnte das tatsächliche Performancebild für die Kategorie noch pessimistischer ausfallen, als die Kennzahlen der verbleibenden Produkte vermuten lassen. Für die meisten Anleger bleibt deshalb die zentrale Frage weniger „Welches Thema ist richtig?“ als vielmehr „Wie viel Thema steckt schon in den Kursen?“, „Wie rein ist die Indexdefinition?“, „Ist der Fonds groß genug?“ und „Kann das Depot einen Rückschlag von 50 Prozent in dieser Position verkraften?“
Natürlich gibt es auch Gewinner – aber sie wirken eher wie Ausnahmen mit passenden Bedingungen. Der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data ETF bringt über sieben Jahre 23,7 Prozent pro Jahr, der MSCI World 13,3 Prozent. Positive Fünfjahresbilanzen gegen den Kategorie-Index erzielen jedoch ausnahmslos unspektakuläre Themen wie Wasser oder alternde Bevölkerung. Das unterstreicht die eigentliche Lehre für die Praxis: Themen-ETFs eignen sich häufig besser als Beimischung für spezialisierte Überzeugungen statt als Ersatz für breite, günstige Kern-ETFs. Wer dennoch in Themen geht, sollte die Mechanik hinter dem Produkt verstehen – von Indexregeln über Liquiditäts- und Größenrisiken bis zur Frage, ob der Launch-Zeitpunkt eher dem Zyklus der Aufmerksamkeit oder dem eigenen Anlagehorizont folgt.
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