MÜNCHEN/WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – In Österreich nutzt deutlich weniger Bevölkerung KI im Job als in anderen Vergleichsländern. Die Allianz-Umfrage „Allianz Pulse“ zeigt wöchentlichen KI-Einsatz bei 43% der Menschen, am Arbeitsplatz jedoch nur 44% zumindest teilweise für Arbeit oder Ausbildung. Gleichzeitig berichten nur 11% von einer KI-Schulung im Job, während Sorgen vor Arbeitsplatzverlust und Ungleichheit den Ruf nach strengerer Regulierung verstärken. Für Unternehmen wird damit klar: KI-Einführung ohne Qualifizierung bleibt hinter dem Produktivitätspotenzial zurück.

Österreich steht im aktuellen Vergleich zur KI-Nutzung nicht nur auf der Nachzüglerseite, sondern zeigt auch eine auffällige Lücke zwischen privater Anwendung und produktivem Einsatz im Arbeitsalltag. Laut der achten Ausgabe des „Allianz Pulse“ wurden für die repräsentative Erhebung jeweils 1.000 Personen in Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, Großbritannien und den USA befragt. Für Österreich ergibt sich dabei ein recht klares Bild: 43% nutzen KI mindestens einmal pro Woche, während der Durchschnitt der acht Länder bei 48% liegt. Spitzenreiter sind die USA und Spanien mit jeweils rund 55%, Deutschland und Frankreich liegen knapp über 40%.
Bemerkenswert ist außerdem, wie stark die Nutzung über die Generationen auseinandergeht. Von der Generation Z verwenden in Österreich 74% wöchentlich KI; der entsprechende Durchschnitt über die befragten Länder liegt bei 77%. Umgekehrt nutzen die Babyboomer in Österreich nur zu 23% KI wöchentlich – ein Wert, der exakt dem Länder-Durchschnitt entspricht. Diese Spanne ist aus Unternehmenssicht relevant, weil sie schon vor dem ersten Pilotprojekt beeinflusst, wie schnell sich KI-Kompetenzen aufbauen lassen, welche Rollen als Erstanwender funktionieren und wie groß die Notwendigkeit für begleitende Enablement-Programme wird.
Auf dem Arbeitsplatz bleibt das Potenzial dagegen spürbar ungenutzt. Während 56% der Österreicher: innen KI überwiegend privat nutzen (Durchschnitt: 53%), greifen nur 44% zumindest teilweise für Arbeit oder Ausbildung auf KI zu (Durchschnitt: 47%). Das Muster passt zu einer zweiten, in der Studie ebenfalls stark herausgearbeiteten Spannung: Einer wachsenden Alltagsnutzung steht in Österreich eine besonders negative Grundstimmung gegenüber. Der Stimmungssaldo zur Technologie insgesamt liegt bei -51% und damit deutlich unter dem Durchschnitt von -34%. Besonders stark fallen die Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen aus (-59% vs. -43% im Durchschnitt), wobei die Einschätzung der Beschäftigungsfolgen mit -81% den negativsten Wert aller beteiligten Länder markiert.
Gleichzeitig erwartet ein Teil der Befragten für die eigene Produktivität Vorteile, auch wenn die gesellschaftliche Wirkung deutlich skeptischer bewertet wird. Trotz der Skepsis rechnen viele Befragte per Saldo mit Vorteilen (+23%, Durchschnitt: +30%). 41% erwarten wenig oder gar keine Auswirkungen (Durchschnitt: 35%). Die Studie zeigt damit ein differenziertes Meinungsbild: Die Technologie wird nicht pauschal als „Jobkiller“ gesehen, sondern eher als Faktor, der Tätigkeiten verändert. Nur 6% erwarten, dass der Arbeitsplatz ganz wegfällt (Durchschnitt: 7%); 18% gehen davon aus, dass KI wesentliche Teile der Arbeit übernimmt (21%). Weitere 31% erwarten Unterstützung bei ihren Aufgaben – einer der höchsten Werte in der Umfrage. Wer KI bereits im Beruf nutzt, sieht deutlich häufiger Chancen: 50% dieser Beschäftigten erwarten Unterstützung bei den eigenen Aufgaben, gegenüber nur 12% bei Nicht-Nutzer: innen.
Diese Chancen hängen in der Praxis stark von Qualifizierung und interner Umsetzung ab. Genau an dieser Stelle wird in Österreich laut „Allianz Pulse“ ein Engpass sichtbar: Nur 11% der Erwerbstätigen haben im Job eine KI-Schulung erhalten; im Durchschnitt sind es 17%, in den USA 30%. Nur in Polen liegt der Anteil mit 10% noch niedriger. Hinzu kommt ein strukturelles Problem beim Angebot: 52% sagen, ihr Arbeitgeber biete keine KI-Schulungen an – mehr als in jedem anderen Land (Durchschnitt: 44%). Das verstärkt ein Risiko, das in der Studie explizit als Gefahr wachsender Unterschiede bei Qualifikationen und beruflichen Chancen beschrieben wird. Unternehmen stehen damit nicht vor der Frage, ob KI „kommt“, sondern wie sie Kompetenzen in den betroffenen Teams über Trainings, Rollenwechsel und praxisnahe Use-Cases so vermittelt, dass Produktivitätsgewinne messbar werden.
In Österreich verdichtet sich diese Lage zusätzlich durch Sorgen um die Verteilungswirkung von KI. 45% erwarten, dass KI die Ungleichheit verstärkt (Durchschnitt aller befragten Länder: 37%). Die Befragten nennen dabei vor allem konkrete Risiken: Desinformation (27%), Kontrollverlust über fortgeschrittene KI (21%), Datenschutz (19%) und den Verlust von Arbeitsplätzen (14%). Dass diese Kontrollverlust-Sorge nirgendwo sonst so groß sei, zieht in der Studie eine direkte Schlussfolgerung: Eine stärkere Verbreitung reicht nicht, wenn Vertrauen fehlt – also die Erwartung, dass viele Menschen profitieren und Risiken beherrschbar bleiben. Entsprechend steigt der Wunsch nach strengerer Regulierung spürbar: Der Saldo aus Befürworter: innen und Gegner: innen klettert von +56% im Jahr 2025 auf +77% im Jahr 2026, einer der stärksten Anstiege in der Umfrage. Dazu passt auch die zugespitzte Aussage aus der Studie: „Die Angst vor Künstlicher Intelligenz ist groß“, sagt Simon Krause, Ökonom bei Allianz Research. „Fast die Hälfte der Befragten in Österreich rechnet damit, dass KI ihren Job in Teilen verändert. Sechs Prozent gehen sogar davon aus, dass KI ihren Arbeitsplatz in den nächsten fünf Jahren komplett ersetzt.“
Für Österreich und Europa folgt daraus weniger ein „Ausbremsen“ als ein deutliches Umschalten auf Umsetzung: KI soll produktiver, inklusiver und vertrauenswürdiger werden. Im Kern benennt die Studie den Bedarf an mehr Investitionen in die Anwendung am Arbeitsplatz und in Weiterbildung, ergänzt um Unterstützung für Beschäftigte, die in neue Rollen wechseln. Auch gezielte Regeln werden als Baustein genannt, um Desinformation, Datenmissbrauch und Risiken für den Arbeitsmarkt adressierbar zu machen. Ludovic Subran, Chefvolkswirt und Chief Investment Officer der Allianz, bringt das strategische Ziel ebenfalls auf den Punkt: Wenn die Lücke zwischen bereits vorhandener Nutzung und wirksamem Einsatz im Job nicht entschlossener geschlossen werde, drohten Österreich und Europa im KI-Wettlauf zurückzufallen und Chancen für künftigen Wohlstand zu verspielen.
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