FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach der ersten Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahlen bleibt das Interesse an Halbleiter-ETFs hoch. Gleichzeitig zieht der Sprung des São-Paulo-Index den Blick stärker auf Lateinamerika. Im ETF-Handel auf Xetra dominieren breit gestreute Welt- und Euro-Indizes, während ETFs auf Gold sowie gehebelte Produkte deutliche Volumen zeigen. Bei Branchen-ETFs berichten Händler sowohl Kauf- als auch Abgabesignale – je nach Segment.

Halbleiter-ETFs bleiben gefragt: Brasilien treibt den ETF-Blick Richtung Lateinamerika
Halbleiter-ETFs bleiben gefragt: Brasilien treibt den ETF-Blick Richtung Lateinamerika (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Diskussion um KI hat an der Börse ihren festen Platz, und genau deshalb bleiben Halbleiter-ETFs im Blick vieler Privatanleger und aktiver Trader. Laut Händlerstimmen von Lang & Schwarz zeigt sich die Nachfrage nach solchen Fonds weiterhin umsatzstark: Es wird sowohl gekauft als auch verkauft, aber die Bewegung bleibt sichtbar – gerade in einem Marktumfeld, in dem Tech-Themen nach den jüngsten Impulsen schnell wieder Kapital anziehen. Dass in Deutschland parallel auch andere “klassische” Bausteine wie Öl, Gold und – in der nächsten Stufe – Kryptowährungen stark gehandelt werden, passt ins Bild: ETFs funktionieren hier als schnelle Zugriffsschicht, ohne dass Anleger sofort einzelne Einzelaktien aufbauen müssen.

Ein zusätzlicher Auslöser kommt aus Brasilien, wo die Präsidentschaftswahlen die regionale Risikowahrnehmung kurzfristig verschoben haben. Der Index der Börse in São Paulo war nach dem guten Abschneiden von Flavio Bolsonaro, der als wirtschaftsfreundlich gilt, innerhalb kurzer Zeit um fast 8 Prozent auf ein neues Rekordhoch gesprungen. Händler ordnen das vor allem als “Kaufimpuls” ein: In der unmittelbaren Reaktion seien vornehmlich Positionen aufgebaut worden. Als konkrete Beispiele nennt die Quelle den iShares MSCI Brazil (DE000A0Q4R85, IE00B0M63516) sowie den Xtrackers MSCI EM Latin America (LU0292108619), der stärker auf Lateinamerika insgesamt setzt und damit die regionale Story breiter abdeckt.

Technisch betrachtet spielt dabei die Konstruktion der börsengehandelten Produkte eine zentrale Rolle: Viele Anleger springen nicht nur zwischen Themen, sondern auch zwischen Indexebenen. Im “Alltagsgeschäft” des ETF-Handels werden laut Bericht vor allem globale, US- und europäische Indizes umgesetzt – mit laufenden Zu- und Abflüssen, die sich eher wie ein stetiger Kapitalstrom als wie ein einzelner Ereignis-Trend lesen. Für den Deka DAX (DE000ETFL011) wird allerdings eine auffällige Tendenz genannt: Im Umfeld des Marktrücksetzers unter die 25.000 Punkte-Marke vergangene Woche habe es sich laut ICF Bank bei den Nettoflüssen eher um Verkäufe gehandelt. Auch wenn sich der DAX bis Dienstagmittag wieder auf 25.440 Punkte erholt hat, zeigt die Differenz zwischen Indexbewegung und ETF-Flow, dass kurzfristige Kursroutinen nicht automatisch zu gleichgerichteten Kapitalflüssen führen.

Besonders sichtbar sind die Ströme wiederum bei der Produktgattung, die im Bericht als umsatzstark hervorsticht: Auf Xetra lagen im September mehrere große Standard-ETFs vorn, darunter der iShares Core Euro Stoxx (DE0005933956), der Vanguard FTSE All-World (IE00BK5BQT80), der iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983) sowie der Amundi Core Stoxx Europe 600 (LU0908500753). Branchenbezogen kommt der VanEck Semiconductor auf die Liste, genannt als erster Branchen-ETF auf Platz sieben. Diese Mischung wirkt wie ein Gradmesser: Einerseits laufen breit diversifizierende “Core”-Engines, andererseits findet ein klarer Themen-Thread wie Halbleiter den Weg in die Umsatzspitzen – ein Muster, das sich häufig dann verstärkt, wenn KI-Optimismus auf Hardware-Fantasie trifft.

Parallel nimmt die Nachfrage nach stärkerem Beta zu, also nach Produkten, die nicht nur abbilden, sondern den Hebel als aktives Werkzeug einsetzen. Händler berichten, dass ETNs mit Hebel bei der Lang-& -Schwarz-Kundschaft zunehmend populär sind, vor allem für Tech-Indizes und einzelne Tech-Aktien. Als Beispiel wird der Leverage Shares 4x Long Semiconductors (XS2779861082) genannt, außerdem stechen bei Einzelaktien laut Bericht Namen wie NVIDIA, Micron und Tesla heraus. Dass im Vorfeld anstehender Quartalszahlen zusätzliches Interesse erwartet wird, passt zum typischen Handelsverhalten: Hebelprodukte werden oft kurzfristig als “Event-Wette” genutzt, während klassische ETFs eher für längerfristige Allokationen dienen.

Dass sich der Gesamtmarkt dabei nicht nur um Aktien dreht, zeigt der Blick auf den europäischen ETF-Markt: Für das dritte Quartal wird von Mittelzuflüssen in Höhe von 127 Milliarden Euro berichtet, nachdem im Vorjahr bereits ein Rekordjahr verzeichnet worden war. Laut Emittent Amundi flossen in Aktien-ETFs fast 100 Milliarden Euro, angeführt von ETFs auf All-Country- und klassische Industrieländer-Welt-Indizes mit 29 bzw. 26 Milliarden Euro. Besonders auffällig sind daneben Gold-ETCs, für die Nettozuflüsse von über 10 Milliarden Euro genannt werden; dabei wird zugleich betont, dass diese Werte die besten Jahreszuflüsse aus 2022 (7,6 Milliarden Euro) übertreffen. Genau dieses Nebeneinander aus “Risk-on”-Aktienstory und “Risk-hedge”-Rohstoffnachfrage ist für viele Portfolios aktuell ein Kernmotiv: KI-getriebene Renditechancen treffen auf Absicherungsbedürfnisse.

Im Segment der Branchen-ETFs bleibt die Richtung selektiv: Maurice Mohnfeld nennt Halbleiteraktien weiterhin als klaren Fokus, etwa mit dem iShares MSCI Global Semiconductors (IE000I8KRLL9). Eher anders fällt die Rückmeldung bei einzelnen neueren Produkten aus: Für den erst im Juni aufgelegten ETF Defiance Memory von HANetf (IE000CEUZ052) werden Verkäufe gemeldet. Auch der VanEck Defense, der laut Bericht seit seinem Allzeithoch im Januar etwa 20 Prozent an Wert verloren habe, sei bei der Kundschaft weniger gefragt. Neben Halbleitern setzen Trader laut Bericht außerdem auf Öl- und Währungs- bzw. Rohstoffstrukturen; besonders erwähnt werden hohe Umsätze beim dreifach gehebelten WisdomTree Brent Crude Oil 3x Daily Short (XS3306517098) sowie die Beliebtheit von Invesco Physical Gold EUR Hedged (XS2183935274) und WisdomTree Physical Silver (JE00B1VS3333), während der WisdomTree Physical Swiss Gold (JE00B588CD74) “fast nur verkauft” werde. Im Krypto-ETN-Handel wiederum wird beobachtet, dass sich der Blick vermehrt auf die zweite und dritte Reihe verlagert: Der Bitcoin koste aktuell knapp 84.000 US-Dollar, zuvor hätten die Sommermonate teils um 63.000 US-Dollar gelegen, und als konkretes Beispiel wird der Bitwise NEAR Staking (DE000A4A5GV2) genannt.


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