CAPE CANAVERAL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Mission SpaceX CRS-35 startete am 13. Oktober um 6:33 Uhr Ortszeit von Florida Richtung ISS. Kurz nach dem Abheben war am Himmel ein bläulicher „Space Jellyfish“ zu sehen, der wie eine Qualle wirkt. Ursache sind Raketenabgase in höheren Luftschichten, die erst durch die passende Beleuchtung sichtbar werden. Ob die Startzeit gezielt für genau diesen Effekt gewählt wurde, ist nicht belegt.

Der Start der SpaceX-Mission CRS-35 am 13. Oktober um 6:33 Uhr Ortszeit von der Cape Canaveral Space Force Station in Florida hat nicht nur Nachschub für die ISS geliefert, sondern auch einen Effekt ausgelöst, der auf vielen Handyvideos plötzlich wie ein UFO wirkt. Über dem Startverlauf zeichnete sich ein bläulicher Schimmer ab, der in Form und Ausdehnung an eine Qualle erinnert. Solche Beobachtungen sorgen regelmäßig für Diskussionen, weil sie „möglichst realistisch“ aussehen, obwohl sie im Kern eher ein Licht- und Atmosphärenphänomen als ein unerklärliches Objekt sind.
Technisch betrachtet entsteht der „Space Jellyfish“ dadurch, dass die Abgase der Rakete sich in der oberen Atmosphäre sammeln und dort zunächst sichtbar „stehen bleiben“. Das Entscheidende ist nicht, dass ein einzelnes, dauerhaftes Objekt erscheint, sondern dass die Wolke aus heißen Partikeln und Gasen über einen kurzen Zeitraum die passenden Bedingungen für Beleuchtung und Sichtbarkeit erfüllt. Genau diese Sichtbarkeit koppelt sich an die Geometrie zwischen Sonne, Himmel und Beobachter: In den frühen Morgenstunden oder am späten Abend steht die Sonne tiefer, während über weite Strecken noch Resthelligkeit im Himmel vorhanden ist. Dadurch trifft das Licht die Emissions- und Streuungsprozesse der Abgaswolke so, dass sie für Menschen am Boden als klar umrissener Schimmer wahrnehmbar wird.
Dass es dabei wie ein „Jellyfish Ufo“ oder „Rocket Jellyfish“ wirkt, hat mehrere nachvollziehbare Gründe. Zum einen liegen die Abgase in Höhen, in denen der Wind die Strukturen länger auseinanderziehen kann, bevor sie sich vollständig verwischen. Zum anderen reicht die passende Beleuchtung aus, um bestimmte Bereiche der Abgaswolke stärker hervorzuheben als andere. Das Ergebnis kann auf Videoaufnahmen schnell den Eindruck einer flächigen, organisch geformten „Bewegung“ machen – obwohl die Form letztlich aus dem Zusammenspiel von Abgasnachstrom, Temperaturgradienten und Luftbewegungen folgt. Gerade weil die Videos zeitnah nach dem Start geteilt werden, wirkt das Phänomen für viele wie ein neues, KI-generiertes Bild, tatsächlich ist es aber ein beobachtbares Naturereignis, das sich wiederholt.
Historisch ist der Effekt keineswegs auf einen einzelnen Flug beschränkt. Bereits seit den 1970er-Jahren wurden bei Raketenstarts ähnliche leuchtende „Qualllen“-Strukturen gesehen, allerdings waren die Sichtungen früher deutlich seltener ein Thema in der breiten Öffentlichkeit. In dieser Phase wurden solche Beobachtungen vielfach als UFO interpretiert oder mit ganz anderen, spektakulären Szenarien in Verbindung gebracht. Dass daraus heute eher die typische Bezeichnung „Space Jellyfish“ geworden ist, liegt weniger an neuer Physik als an der Verfügbarkeit von Kameras, sozialen Medien und dem schnelleren Abgleich, welche Startfenster ähnliche Effekte auslösen.
Für den konkreten CRS-35-Start stellt sich zudem die Frage, wie stark die Uhrzeit beeinflusst war. Laut dem Kontext des Berichts wurde die Mission bereits zweimal verschoben: Ursprünglich war der Flug im November 2026 geplant, bevor er auf August vorgezogen wurde, um Schäden an einem russischen Launch-Pad zu berücksichtigen. Später wurde der Start wieder nach hinten geschoben, nachdem Reparaturen am Pad schneller als erwartet voranschritten. Ob SpaceX die Tageszeit also gezielt so gelegt hat, dass die Wahrscheinlichkeit für einen „Jellyfish“-Effekt steigt, lässt sich aus den genannten Informationen nicht sicher ableiten – möglich ist es, aber ein belastbarer Beleg fehlt.
Für Unternehmen und Entwickler ist diese Art von Ereignis auch deshalb interessant, weil sie zeigt, wie stark „sichtbare“ Effekte von sensorischer Auswertung abhängen. Schon einfache Faktoren wie Belichtungszeit, Perspektive und Bildstabilisierung verändern, wie die Abgaswolke auf dem Display wirkt. Gleichzeitig können solche Beobachtungen als gutes Anschauungsmaterial dienen, um Prozesse aus den Bereichen Atmosphärenoptik und Strahlungsstreuung greifbar zu machen – also warum Licht nicht nur „an und aus“ ist, sondern entlang von Winkeln, Partikelgrößen und Höhenverteilungen bewertet wird. Wer im Umfeld von Erdbeobachtung, Simulationen oder Datenanalyse arbeitet, kann aus solchen Fällen Hinweise ableiten, welche Randbedingungen in der Praxis entscheidend sind.
Unterm Strich bleibt der „Space Jellyfish“ vor allem eine Mischung aus Raketenabgasen, die in größeren Höhen Zeit gewinnen, und einer Beleuchtung, die diese Emissionen für Beobachter am Boden sichtbar macht. Der Effekt tritt nicht bei jedem Start auf, sondern vor allem dann, wenn die Sonne so steht, dass Himmelsschatten und Restlicht die Wolke „durchzeichnen“. Dass CRS-35 genau in diese beobachtungsfreundliche Zeitfenster fiel, erklärt die schnelle Verbreitung der Videos – und liefert zugleich einen selten anschaulichen Beleg dafür, wie eng Technik, Timing und Atmosphäre zusammenwirken, ohne dabei mysteriöse zusätzliche Ursachen zu benötigen.
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