LONDON (IT BOLTWISE) – In vielen Büros werden Mehrfachsteckdosen noch immer als „praktische Verlängerung“ genutzt, dabei können schon alltägliche Kombis die Belastungsgrenzen reißen. Der gleichzeitige Betrieb von Wasserkocher und Kaffeemaschine kann nach den genannten Wattwerten auf 3.650 Watt kommen und damit selbst eine 3.500-Watt-Leiste überlasten. Dazu addieren sich Heizlüfter oder Heiße-Luft-Fritteusen, die Leitungen und Kontakte schleichend erwärmen. Für IT- und Sicherheitsverantwortliche wird damit ein klares Regeln- und Schulungsthema daraus.

Mehrfachsteckdosen sind im Büro längst Infrastruktur. Genau deshalb wirkt es im Alltag oft unspektakulär, wenn irgendwo noch schnell ein Heizlüfter, eine Kaffeemaschine oder der Wasserkocher „dazugesteckt“ wird. Technisch gefährlich daran ist weniger ein einzelner Ausrutscher als die Summe aus mehreren Verbrauchern, die gleichzeitig laufen und die in vielen Setups direkt an dieselben Kontakte und Leitungen gehen. In den vorliegenden Fach- und Branchenhinweisen wird als besonders kritisches Szenario eine Kombination genannt, die bereits bei typischen Leistungsgrenzen kippt: Viele Steckdosenleisten seien für etwa 3.000 bis 3.500 Watt ausgelegt, während in einigen europäischen Nachbarländern Standards eher im Bereich 3.500 bis 3.680 Watt liegen. Sobald mehrere energieintensive Geräte an einer Leiste betrieben werden, entsteht damit rasch ein Überlastungszustand.
Konkreter wird es, wenn man die typischen Wattzahlen nebeneinanderstellt. Ein Wasserkocher benötigt in der Regel 2.000 bis 2.400 Watt, Kaffeemaschinen beziehungsweise Vollautomaten schlagen laut den Angaben mit oft rund 1.450 Watt zu Buche. Addiert man beide Verbraucher, landet man bei 3.650 Watt. Das ist ein Wert, der eine Steckdosenleiste, die nur für 3.500 Watt vorgesehen ist, bereits überlastet. Im Hintergrund ist dabei auch wichtig, wie die Überlast wirkt: Anders als beim unmittelbaren Kurzschluss passiert die Überhitzung schrittweise. Leitungen und Bauteile erwärmen sich über Zeit, bleiben zunächst unauffällig und können erst später – etwa durch Zersetzung der Isolierung, Kriechströme und anschließende Brandausbruchsketten – gefährlich werden.
Damit verschiebt sich das Risiko auch vom „Stromschlag“-Klischee hin zum Brand- und Folgeschaden-Szenario. Weitere typische Wärmequellen, die in Büros gern dauerhaft oder wiederholt genutzt werden, können die Situation zusätzlich verschärfen. Heizlüfter liegen je nach Gerät grob zwischen 1.500 und 3.000 Watt, Heiße-Luft-Fritteusen bewegen sich laut den genannten Spannweiten oft zwischen 1.400 und 2.100 Watt. Das heißt: Schon ein zusätzlich eingeschalteter Wärmeerzeuger kann die Leistungsaufnahme weiter in Richtung eines Zustands treiben, den die Leiste konstruktiv nicht mehr abfangen kann. Gerade in einer Umgebung, in der Geräte häufig unbeaufsichtigt laufen – Stichwort Kaffeepause am Vormittag, danach „nur kurz“ verschwinden – steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine schleichende Erwärmung unbemerkt bleibt.
Für die Praxis liefert die Elektrotechnik-Richtlinie nicht nur „Warnungen“, sondern auch klare Anschlusslogik. In den Hinweisen wird etwa referenziert, dass der VDE empfiehlt, Kühlschränke und große Haushaltsgeräte grundsätzlich direkt an eine fest installierte Wandsteckdose anzuschließen. Großgeräte wie Geschirrspüler, Waschmaschinen und Trockner ziehen beim Aufheizen mehrere Tausend Watt und sind demnach nicht für den Anschluss über einfache Leisten gedacht. Außerdem wird die Gefahr der sogenannten Kaskadierung betont: Sowohl der VDE als auch niederländische Brand- und Sicherheitsstellen warnen demnach ausdrücklich davor, mehrere Steckdosenleisten hintereinander zu stecken. Auch französische Organisationen wie INC, ANIL und AQC werden in den Angaben als mahnende Instanzen genannt, insbesondere mit dem Hinweis, dass mobile elektrische Heizkörper keinesfalls an überlasteten oder abgedeckten Mehrfachsteckdosen betrieben werden dürfen.
Aus Sicherheits- und Haftungssicht ist außerdem entscheidend, wie Unternehmen die Regeln im Alltag durchsetzen. In den Hinweisen wird dazu eine Reihe von praxisnahen Prüf- und Auswahlkriterien genannt: Beim Kauf von Steckdosenleisten soll auf Prüfzeichen wie GS, VDE oder TÜV geachtet werden, während das CE-Zeichen als reine Herstellererklärung eingeordnet wird und kein unabhängiges Prüfsiegel darstelle. Kommen Verteiler im Außenbereich zum Einsatz, seien passende Schutzarten wie IP44 für Spritzwasserschutz sowie IP54 beziehungsweise IP65 bei Belastung durch Regen und Staub relevant. Ebenso wird beschrieben, woran man eine kritische Betriebsbedingung erkennt: Verfärbungen an Steckern, spürbare Hitze oder verformtes Kunststoffgehäuse bedeuten, dass das Betriebsmittel nicht erneut angeschlossen werden darf und stattdessen eine Elektrofachkraft hinzuzuziehen ist. Für die IT- und Facility-Organisation heißt das: Technikregeln müssen mit einem „Was tun, wenn…“-Prozess gekoppelt werden.
Zusätzlich rückt ein zweites Thema in den Vordergrund: Lithium-Ionen-Akkus und die konkrete Ladepraxis am Arbeitsplatz. Das Umweltbundesamt wird in den Angaben so eingeordnet, dass Lithium-Ionen-Akkus bei Beschädigung, übermäßiger Hitzeeinwirkung oder fehlerhafter Handhabung Brände auslösen können. Als Empfehlung werden außerdem Ladebedingungen genannt: Akkus sollen zwischen 10 und 25 Grad Celsius geladen werden, und bei längeren Nutzungspausen wird ein Ladezustand von etwa 40 bis 50 Prozent als sinnvoll beschrieben. In der gleichen Logik spielt die Entsorgungskette eine Rolle: Der BDE wird zufolge, dass bundesweit rund 30 Brände pro Tag in Müllfahrzeugen und Verwertungsanlagen auftreten, wobei geschätzt etwa 80 Prozent auf Lithium-Ionen-Akkus zurückzuführen sind. Das macht deutlich, dass „nur privat daneben laden“ nicht automatisch außerhalb des betrieblichen Risikokosmos liegt.
Wie sehr das Thema auch im Kleinen steuerbar ist, zeigen die Hinweise aus Herstelleranleitungen: Für den alltäglichen Ladevorgang raten Smartphone-Hersteller wie Samsung, Apple und Google demnach dazu, zuerst das Ladekabel mit dem Endgerät zu verbinden und erst danach das Netzteil in die Steckdose zu stecken. Für Unternehmen folgt daraus eine einfache, aber wirksame Konsequenz: Statt auf gutes Zureden zu setzen, sollten klare Richtlinien festlegen, was Mitarbeitende mit privaten Geräten dürfen, wie unbeaufsichtigtes Laden geregelt wird und welche Abstände zu potenziell überlasteten Stromverteilern einzuhalten sind. Gleichzeitig wird in den Hinweisen betont, dass regelmäßige Schulungen unerlässlich sind, damit Sicherheitsvorgaben nicht im Papiermodus verschwinden. Genau hier verbindet sich Elektrotechnik mit Organisationsdesign: Wer Steckdosenleisten, Ladezeiten und Geräteklassen in eine nachvollziehbare Betriebspraxis übersetzt, reduziert nicht nur Überlast- und Brandrisiken, sondern macht auch die Verantwortlichkeiten im Ernstfall handhabbar.
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