SANTO DOMINGO / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine asymmetrisch-biphasische Pulsed-Field-Ablation zeigt in einer chinesischen Multicenter-Studie nach zwölf Monaten 69,5 Prozent Rezidivfreiheit bei paroxysmalem Vorhofflimmern. In der Wartephase von 20 Minuten gab es keine Rekonnektion und es wurden 100 Prozent akute Pulmonalvenen-Isolationen erreicht. Parallel bringen Herz-Zwillinge aus MRT, elektrischen Messungen und Leitungsdaten mehr und andere Ablationsziele in 3D-Planungen zusammen. Für Kliniken wird damit nicht nur die Energieform, sondern auch die Zielauswahl zum zentralen Qualitätshebel.

Pulsed-Field-Ablation bei Vorhofflimmern: 69,5 % nach 12 Monaten rezidivfrei
Pulsed-Field-Ablation bei Vorhofflimmern: 69,5 % nach 12 Monaten rezidivfrei (Foto: IT BOLTWISE)
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Vorhofflimmern bleibt für Gesundheitssysteme eine Daueraufgabe, weil sich aus einer häufig paroxysmal beginnenden Rhythmusstörung mit der Zeit ein Problem aus wiederkehrenden Episoden und erhöhtem Schlaganfallrisiko entwickeln kann. Entscheidend ist dabei, dass moderne Ablationskonzepte nicht nur nach „ob“ sie durchdringen, sondern nach „wie selektiv“ sie wirken: Während thermische Verfahren Hitze in das Gewebe bringen, arbeitet die Pulsed-Field-Ablation (PFA) mit gezielten elektrischen Impulsen. Das Ziel ist, pathologisches Herzgewebe funktionell zu treffen, ohne das Umfeld in gleichem Maß thermisch zu belasten. Genau an diesem Punkt setzt die aktuelle Datenlage an, die gleich mehrere Stränge zusammenführt: eine verfeinerte Pulsform, datengestützte Herz-Zwillinge und erste kombinierte Prozeduren in der Praxis.

Technisch besonders interessant ist die in einer chinesischen prospektiven Multicenter-Studie untersuchte Wellenform: Die Energie wird als asymmetrisch biphasischer Puls appliziert, mit einer positiven Phase von 7 µs, einer negativen Phase von 3 µs sowie einem Intervall von 5 µs; als Spannung werden 1.000 V verwendet. Eingesetzt wurde dabei ein Katheter mit 10,5 French, sechs Splines und einem maximalen Durchmesser von 32 mm. In die Auswertung gingen 120 Patienten aus zehn Zentren ein, nach 15 Abbrüchen verblieben 105 Ablationen. Das mittlere Alter lag bei 63,7 Jahren, der Männeranteil bei 60 Prozent; der mittlere CHA2DS2-VASc-Score belief sich auf 1,54. Für die klinische Einordnung zählt außerdem, wie konsistent die Prozedur während des Ablationsablaufs funktioniert: Insgesamt konnten 420 Pulmonalvenen akut isoliert werden, entsprechend 100 Prozent, und während einer 20-minütigen Wartezeit trat keine Rekonnektion auf. Die mittlere Ablationszeit lag bei 219 Sekunden, die mittlere Prozedurzeit bei 102 Minuten.

Nach zwölf Monaten zeigt die Studie dann das, was für viele Zentren am Ende „zählt“: 69,5 Prozent der Patienten blieben frei von einem Arrhythmie-Rezidiv, angegeben als 69,5 Prozent (95%-KI 60,1–77,5). Ergänzend gibt die Sicherheits- und Bildgebungsschiene Hinweise darauf, welche Risiken bei PFA auftreten können und wie stabil sich Effekte über die Zeit zurückbilden. Ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis in Form eines transienten Koronarspasmus trat bei einem Patienten auf (0,95 Prozent) – zeitlich an Tag 3. Stille zerebrale Läsionen wurden bei zwei Patienten (1,9 Prozent) festgestellt; die Besonderheit: Sie bildeten sich nach drei beziehungsweise sechs Monaten wieder vollständig zurück. Eine Hämmolyse trat bei 87,6 Prozent auf, führte jedoch laut Bericht in keinem Fall zu einer Niereninsuffizienz. Als Limitationen werden einarmiges Design, fehlendes kontinuierliches Monitoring sowie die begrenzte Stichprobengröße genannt; das ist wichtig, weil es die Übertragbarkeit auf unterschiedliche Patientengruppen und klinische Routinen begrenzt.

Während die PFA-Energie die „Antriebskraft“ darstellt, verschiebt sich der Qualitätsfokus in vielen Programmen zunehmend auf die Zielauswahl. Genau hier setzen digitale Herz-Zwillinge an, weil sie Daten aus unterschiedlichen Quellen zu einer räumlichen Entscheidungsgrundlage verdichten. Forscher der Queen Mary University of London entwickelten dafür Modelle, die MRT-Aufnahmen mit elektrischen Spannungsmessungen sowie Daten zur Erregungsleitungsgeschwindigkeit verknüpfen. Das Grundproblem dabei ist banal formuliert, technisch aber anspruchsvoll: Eine einzige Datenquelle beschreibt die Realität nur unvollständig. In den 3D-Modellen für neun Patienten zeigte sich, dass die Kombination elektrischer Daten konsistent mehr und andere Ablationsziele identifizierte als MRT-Daten allein. Laut Hauptautor Dr. Mahmoud Ehnesh ist deshalb der hybride Ansatz aus allen drei Datentypen besonders vielversprechend – insbesondere bei persistierendem Vorhofflimmern, wo die Pathophysiologie typischerweise stärker „vernetzt“ und weniger streng fokal ist als in frühen Stadien. Für Teams in der Routine heißt das: Nicht jede zusätzliche Messung bringt automatisch bessere Therapie, aber die sinnvolle Zusammenführung kann dazu führen, dass weniger Wiederholungseingriffe notwendig sind, weil die Planung näher an den tatsächlichen elektrischen Eigenschaften des Gewebes liegt.

Der dritte Strang betrifft Kombinationsinterventionen und damit die Frage, wie sich neue Ablationstechnologien in bestehende Versorgungswege einpassen lassen. Am 2. Oktober 2026 führte der Elektrophysiologe Dr. Juanico Cedano am Grupo Médico MAC Center in Santo Domingo erstmals eine Kombination aus Pulsed-Field-Ablation mit dem FARAPULSE-System und einem perkutanen Verschluss des linken Vorhofohrs mittels WATCHMAN durch. Solche Sequenzen zwingen Kliniken, Logistik, Bild- und OP-Workflow sowie die Beurteilung von Risiko- und Nutzenprofilen enger zu verzahnen. Dass in diesem Kontext weltweit bereits mehr als 500.000 Patienten mit dem FARAPULSE-System behandelt worden sein sollen, unterstreicht zugleich, wie schnell sich eine Energieform von der Entwicklung in den Routineeinsatz bewegen kann. Für die medizinische Wirksamkeit wird außerdem auf die ADVENT-Studie verwiesen: Mit 706 Patienten (davon 626 randomisiert an 30 Zentren) wird eine Wirksamkeit von 73,3 Prozent nach 12 Monaten gegenüber 71,3 Prozent bei thermischen Verfahren genannt, während für 4 Jahre 72,8 Prozent angegeben werden. Solche Vergleichsdaten sind für Investitions- und Programmentscheidungen relevant, weil sie die Frage nach dem „Therapieergebnis“ direkt in die Wirtschaftlichkeit des Behandlungswegs übersetzen.

Auch auf der Angebotsseite wird die Breite größer, was wiederum die technische Wahlfreiheit in Zentren erhöht. Abbott führt in Brasilien das System Volt PFA sowie den Katheter TactiFlex Duo ein, der einen kontinuierlichen Wechsel zwischen Radiofrequenz und PFA während derselben Prozedur ermöglichen soll. In der Praxis ist das vor allem dann spannend, wenn ein Behandlungsteam flexibel auf anatomische oder elektrische Besonderheiten reagieren muss, ohne die Prozedur in zwei logische Blöcke zu zerlegen. Parallel weitet sich das Ökosystem aus: Zusätzliche Initiativen wie das europäische Doktorandennetzwerk TrackAF unter Koordination des Karlsruher Instituts für Technologie zielen darauf ab, mechanistische und datengestützte Modelle stärker in die Behandlungsoptimierung zu integrieren. Für Entscheider in Kliniken und Hersteller bedeutet das: Die Zukunft der Ablation entsteht nicht durch Energie allein, sondern durch ein „Portfolio“ aus präziser Pulsgebung, konsistenter Katheter-Performance und einer Planung, die elektrische Realität möglichst umfassend abbildet.

Mit Blick auf den nächsten Schritt lohnt sich deshalb eine klare Priorisierung: Welche Teile der Prozesskette sind bislang Standard, welche sind variabel, und wo entstehen die größten Fehlerquellen? Die vorliegenden Daten zur asymmetrischen biphasischen PFA liefern dafür eine starke Basis, weil sie sowohl Effizienzmarker (100 Prozent akute Pulmonalvenen-Isolation, keine Rekonnektion in 20 Minuten) als auch Nachsorgedaten nach zwölf Monaten verbinden. Die Herz-Zwillinge-Ansätze zeigen zugleich, dass sich der Hebel hin zur Zielauswahl verlagern kann, weil das Zusammenspiel aus MRT, elektrischen Spannungen und Leitungsparametern in 3D-Modellen zusätzliche Ablationsziele sichtbar macht. Kombinationsprozeduren wie in Santo Domingo schließlich testen, wie gut die Technologie im echten Versorgungsalltag funktioniert, wenn mehrere therapeutische Ziele in einer Sitzung zusammenkommen. Für Betreiber bedeutet das konkret: Wer seine Ablationspfade, Datenflüsse und Entscheidungslogik entlang dieser neuen Mess- und Modelliermöglichkeiten weiterentwickelt, kann die Qualität potenziell stabilisieren – gerade dort, wo Wiederholungseingriffe bisher ein dominierender Kostentreiber und Belastungsfaktor waren.


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