MANCHESTER / LONDON (IT BOLTWISE) – Uber, Pony.ai und Verne haben Robotaxi-Tests in Manchester gestartet. In dieser Phase fahren die Fahrzeuge ohne Fahrgäste und werden zunächst mit Sicherheitsfahrern auf dem Steuerplatz überwacht. Konkrete Angaben zu Testgebiet und Fahrzeugzahl fehlen ebenso wie ein Termin für öffentliche Fahrten. Während Uber damit seine autonomen Aktivitäten über London hinaus ausweitet, sind Genehmigungen und die künftige Wirtschaftlichkeit weiterhin die offenen Punkte.

Uber erweitert sein Robotaxi-Programm außerhalb der britischen Hauptstadt und setzt dafür auf einen zweiten Teststandort in der Region. Gemeinsam mit Pony.ai und Verne laufen die neuen Erprobungen in Manchester an, mit autonomen Fahrzeugen der siebten Generation von Pony.ai. Wichtig ist dabei die klare Trennung zwischen Testbetrieb und kommerzieller Nutzung: Während der Pilotphase werden keine Fahrgäste befördert, und die Fahrzeuge kartieren zunächst Straßen in einem realen Umfeld – gesteuert von Sicherheitsfahrern, die die Verantwortung für den Moment übernehmen, in dem das System sich noch nicht vollständig selbst tragen muss.
Technisch betrachtet liegt der Fokus in der Anfangsphase weniger auf dem „Ride-hailing“-Erlebnis, sondern auf dem Aufbau von Fahr- und Navigationssicherheit unter echten Randbedingungen. Die Fahrzeuge arbeiten dafür zunächst mit Sicherheitsfahrzeugen im Vordergrund, während die autonome Komponente Routen, Umgebung und mögliche Szenarien lernt und validiert. Dass weder ein öffentlicher Starttermin noch die Fahrzeugzahl oder das konkrete Testgebiet kommuniziert wurden, passt zu einem typischen Muster: Unternehmen sammeln erst belastbare Daten zur Performance, bevor sie die Logistik für Skalierung, Kommunikation und den späteren Regelbetrieb vorbereiten.
Für die Einordnung aus Unternehmens- und Investorensicht ist außerdem die Frage entscheidend, ob aus der Erprobung zeitnah ein buchbares Angebot wird. Nach Angaben von Transport for Greater Manchester liegen bislang keine Anträge für den Betrieb fahrerloser Taxis im Großraum Manchester vor. Zuständig für Genehmigungen ist in diesem Kontext die britische Regierung, und das nationale Pilotverfahren für Taxi- und Busdienste ohne Sicherheitsfahrer wurde erst im Mai für Anträge geöffnet. Uber und Pony.ai haben bislang nicht angekündigt, dieses Pilotverfahren für Manchester aktiv zu nutzen – dadurch bleibt der nächste Schritt nicht nur technisch, sondern auch regulatorisch eng an die jeweilige Zulassungsspur gebunden.
Dass der Standort Manchester zunächst vor allem die Zahl der Teststandorte erhöht, macht die Meldung strategisch verständlich. Uber macht damit deutlich, dass es seine europäische Robotaxi-Erprobung ausbaut, ohne bereits einen zusätzlichen kommerziellen Betrieb zu belegen. Genau an dieser Stelle trennt sich bei autonomen Mobilitätsprojekten „Marketing-Erfolg“ von operativem Fortschritt: Ein Standort-Launch kann technologisch und datengetrieben sein, sagt aber allein noch nichts über einen späteren Fahrgaststart, die Stabilität im Alltagsverkehr oder die Kostenstruktur pro gefahrenem Kilometer aus.
Ein Blick auf die europäische Zusammenarbeit zeigt zugleich, wie Uber das Thema Robotaxi bislang auf mehreren Ebenen gleichzeitig vorantreibt. Im August hatten Uber und Pony.ai den Einsatz von mehr als 2.000 Robotaxis in fünf europäischen Städten vereinbart, wobei die komplette Liste der Standorte nicht veröffentlicht wurde. Zagreb dient dabei bereits als praktischer Ausgangspunkt: Fahrgäste können dort autonome Fahrten über Uber oder Verne buchen, und die Aufnahme des Dienstes in die Uber-App erfolgte im August. Manchester wird damit als weiteres städtisches Umfeld geplant, um die Erprobung unter anderen Verkehrs- und Infrastrukturbedingungen zu validieren – ein wichtiger Hebel, um die Systeme über einzelne Städte hinaus robust zu bekommen.
Auch London bleibt in den Ausbauplänen präsent. Am 8. Oktober kündigten Uber und Pony.ai dort Straßentests für die kommenden Wochen an, und das Projekt in Manchester fügt sich damit in eine Roadmap ein, die zunächst auf Validierung und Datensammlung setzt. Uber nennt zudem ein übergeordnetes Ziel: Bis Ende 2026 sollen autonome Fahrten in bis zu 15 Städten weltweit angeboten werden. An dieser Stelle lohnt sich für die Bewertung jedoch die Unterscheidung zwischen Planung und Betriebsergebnis: Ein Zielwert ist keine Bestätigung, dass jeweils zu definierten Zeitpunkten tatsächlich kommerzielle Fahrten starten. Für den Markt ist deshalb vor allem relevant, welche Teilkriterien als Nächstes erfüllt werden, etwa Genehmigungen für fahrerlosen Betrieb oder ein belastbarer Nachweis, dass die Systeme im Tagesgeschäft zuverlässig funktionieren.
Die zentrale Frage bleibt damit wirtschaftlich. Uber betont selbst, dass die bestehenden autonomen Angebote mit Fahrzeugen derzeit unrentabel sind, und will den weiteren Ausbau zumindest teilweise aus den Margen von Premiumdiensten finanzieren. Das skizziert den Charakter eines hybriden Ansatzes: Uber setzt weiterhin auf menschliche Fahrer und ergänzt diese kurzfristig nicht durch eine vollständige Ablösung, denn die Robotaxi-Flotten bleiben gegenüber den Millionen menschlichen Fahrern klein. Für die konkrete Bewertung von Manchester bedeutet das: Entscheidend sind die operativen Schritte nach dem Start der Tests – also erst Genehmigungen, dann ein bestätigter Fahrgaststart und schließlich eine Tragfähigkeit der Kostenstruktur. Solange das nicht belegt ist, zeigt der Teststart vor allem eines: Uber testet autonomes Fahren breiter in Europa, aber ein zusätzlicher kommerzieller Betrieb ist damit noch nicht nachgewiesen.
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