WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Huawei stellte auf dem Net5.5G Intelligent IP Network Summit die NG-WAN-Lösung als nächste Stufe der NG-WAN-Kommerzialisierung vor. John Cai, Vice President für die Produktlinie Datenkommunikation, positionierte Künstliche Intelligenz als Hebel für Netzsicherheit, Resilienz und höhere Effizienz. Im Mittelpunkt stehen mehrschichtige Schutzmechanismen von der Geräte- bis zur Dienstebene sowie Ansätze für „verlustfreie“ Rechnerleistung über das Netz hinweg. Zudem beschreibt Huawei eine autonome Netzwerkarchitektur, die Änderungen, Optimierung und Sicherheitsreaktionen bis auf ein hohes Autonomie-Niveau orchestrieren soll.

Huawei NG-WAN: KI-gestützte Sicherheit und verlustfreie Effizienz für Netze
Huawei NG-WAN: KI-gestützte Sicherheit und verlustfreie Effizienz für Netze (Foto: IT BOLTWISE)
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Huawei verknüpft mit seiner NG-WAN-Lösung gleich mehrere technische Baustellen, die in IP-Netzen in der Praxis oft gegeneinander arbeiten: Sicherheit gegen immer schnellere Angriffe, stabile Datenpfade für KI-Workloads und ein Grad an Automatisierung, der Betriebsaufwand reduziert. Der angekündigte Kontext ist ein Summit im Rahmen der UBBF 2026, bei dem John Cai, Vice President der Produktlinie Datenkommunikation, Künstliche Intelligenz als entscheidende Chance für eine „ungewisse Zukunft“ herausstellt. Entscheidend ist dabei nicht nur der große strategische Rahmen, sondern der konkrete Anspruch, Sicherheits- und Performanceparameter so zu koppeln, dass Netze nicht nur „mehr Bandbreite“ liefern, sondern Angriffe schneller abwehren und die Effizienz in Rechenumgebungen verbessern.

Beim Sicherheitskonzept setzt Huawei auf ein mehrschichtiges Modell, das laut Mitteilung Geräte-, Verbindungs- und Diensteebene zusammenbindet. Auf der Geräteebene sollen die Threat Protection Units (TPUs) in Kombination mit einer RDR-Lösung und einem multimodalen Algorithmus zur Verhaltensanalyse vom Router-Betriebssystem isoliert laufen. Huawei nennt als Ziel, über 95 % der Bedrohungen zu erkennen und APTs innerhalb weniger Minuten aufzuspüren. Auf der Datenebene wird das über eine firmeneigene NP-Technologie plus Algorithmus zur Flussidentifizierung adressiert: Das System soll eine 1:1-Verkehrsprüfung ermöglichen, Angriffe innerhalb von Sekunden detektieren und DDoS-Risiken um 90 % senken. Als belastbarer Betriebsbezug nennt Huawei einen mehr als dreimonatigen Einsatz bei einem führenden chinesischen Netzbetreiber, bei dem TPUs 324 Angriffe aus acht Ländern abgewehrt haben.

Ergänzend wird die Absicherung auf kryptografischer Ebene über Post-Quantum-Cryptography (PQC) und Quantenschlüssel-Verteilung adressiert. Auf der Verbindungsschicht heißt es, dass der PQC-Algorithmus auf allen Huawei-Geräten in allen Anwendungsszenarien unterstützt werde und die Verschlüsselungsleistung um 40 % steigern soll. Besonders markant ist die erwähnte integrierte QKD-Lösung (Quantum Key Distribution) als branchenweit erste integrierte Variante: Huawei beschreibt eine Dreikanal-Integration, die laut Angaben die Kosten für den Netzausbau um 60 % senken und die bisherige Übertragungsreichweitengrenze von 80 km überwinden soll. Für den Dienstebereich nennt Huawei ein „1+4“-Mehrschichtschutzkonzept, das Reaktionszeiten bei DDoS-Angriffen von einer Größenordnung um 1 Minute auf unter 5 Sekunden drücken und die Erkennung unbekannter Bedrohungen um 15 % verbessern soll; außerdem wird eine Erkennungsrate von 100 % bei Ransomware genannt sowie eine Bearbeitungszeit über das CT-SOC auf unter 30 Minuten.

Neben der Abwehrfähigkeit rückt Huawei die Frage in den Vordergrund, wie KI-Anwendungen in Rechen- und Netzwerkpfade „hineinwirken“ können. Aus der Mitteilung spricht eine klare Ursache-Wirkungs-Logik: Künstliche Intelligenz reagiert empfindlich auf Paketverluste, und bereits 0,1 % Verlust sollen die Recheneffizienz um bis zu 55 % senken. Um diesen Effekt zu reduzieren, setzt NG-WAN auf AI Fabric, vereinfacht die Multi-Plane-Architektur und will dadurch die Netzwerkskalierbarkeit vervierfachen sowie den Hardwarebedarf um 30 % reduzieren. Weiterhin wird ein netzwerkweites NPLB genannt, das eine Verbindungsauslastung von 98 % erreichen und Trainings- sowie Inferenzleistung um über 7 % steigern soll. Für Fernrechenlasten nennt Huawei außerdem den „Starnet“-Algorithmus: Bei 1.000 km Übertragungsstrecke soll der Paketverlust bei null liegen und die Fernrechenleistungseffizienz bei über 96 % liegen, sodass das Erlebnis „wie vor Ort“ möglich sein soll.

Aus Marktperspektive ist diese Kombination aus Security-Engine, Paketverlust-Handling und Automationsgrad interessant, weil sich damit klassische Rollen im Netzbetrieb verschieben: Netzbetreiber müssten weniger zwischen separaten Sicherheitslösungen, Traffic-Engineering-Mechanismen und KI-spezifischer Transportoptimierung „verkabeln“ und könnten diese Funktionen enger im Datenpfad betreiben. Huawei erwähnt in diesem Zusammenhang über 60 Netzbetreiber, die NG-WAN weltweit implementiert haben, und spricht davon, die KI-Strategien der Netzbetreiber von reiner Effizienzoptimierung hin zur Wertschöpfung zu verlagern. Ergänzend nennt die Mitteilung einen Einsatz zur Unterstützung eines Gesundheitsprojekts, bei dem Rechenkosten von Krankenhäusern um 30 % gesenkt und gleichzeitig die ARPU für Standleitungen vervielfacht worden sein sollen. Für die praktische Bewertung solcher Aussagen wird es für Unternehmen vor allem darauf ankommen, wie konsistent die behaupteten Effekte unter realen Lastprofilen, wechselnden Verkehrsstrukturen und unterschiedlichen SLA-Rahmenbedingungen auftreten.

Technisch und organisatorisch führt Huawei die Logik der Automatisierung weiter: Die autonome Netzwerkarchitektur „One Map, One Brain“ soll laut Mitteilung AN L4 in vier Bereichen erreichen, nämlich Fehlerbehandlung, Netzwerkänderungen, Netzwerkoptimierung und Sicherheitsschutz. Eine geschlossene Automatisierung für Netzwerkänderungen wird mit Konfigurationsprüfung, Simulation und Vergleich beschrieben; Sicherheitsmaßnahmen sollen Eindringversuche erkennen, Angriffe rückverfolgen sowie per Klick innerhalb weniger Minuten sperren. Als Signal für Reifegrad nennt Huawei mehrere Netzbetreiber, die bei der Erreichung von Autonomiestufe L4 unterstützt wurden, darunter ein südafrikanischer Netzbetreiber, der als weltweit erster dieses Niveau in einem IP-Netzwerk erreicht habe. Für IT- und Betriebsverantwortliche heißt das: Entscheidend ist, wie die Architektur die Balance zwischen Automatik und Kontrolle löst – also wie stark menschliche Freigaben ersetzt werden, welche Telemetriedaten in die Entscheidungen einfließen und wie robust das System gegenüber fehlerhaften Konfigurationen oder neuartigen Angriffsmustern bleibt.


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