LONDON (IT BOLTWISE) – Die Europäische Zentralbank bereitet den digitalen Euro mit einem internen Pilottest vor, der ab dem zweiten Halbjahr 2027 starten soll. Vorgesehen ist zunächst ein zwölfmonatiger Versuch ohne öffentliche Teilnahme von Verbrauchern. Für den Start ist entscheidend, dass die EU die entsprechende Verordnung bis Ende 2026 verabschiedet. Technisch setzt das Eurosystem dabei auf den Zugang über Banken und regulierte Dienstleister statt auf eine öffentliche Blockchain.

Digitaler Euro: EZB plant zwölfmonatigen internen Pilottest ab Mitte 2027
Digitaler Euro: EZB plant zwölfmonatigen internen Pilottest ab Mitte 2027 (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Umsetzung des digitalen Euro bekommt einen konkreteren Zeitrahmen, gleichzeitig bleibt er politisch abhängig. Wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Kontext der Jahrestagung des Internationalen Währungs- und Finanzausschusses (IMFC) darlegte, plant das Eurosystem einen zwölfmonatigen internen Pilottest ab dem zweiten Halbjahr 2027. Der Versuch ist aber kein Selbstläufer: Der Start soll laut den Aussagen erst erfolgen, wenn die Europäische Union die dafür notwendige Verordnung bis Ende 2026 annimmt. Lagarde machte damit deutlich, dass sich die technische und organisatorische Vorbereitung nicht beliebig strecken lässt, weil der gesetzliche Rahmen den Takt vorgibt.

Im Kern handelt es sich um eine Betaversion ohne öffentliche Verbraucherbeteiligung. Für die Testphase wählte die Notenbank aus mehr als 50 Bewerbern 36 Zahlungsdienstleister aus, die als wichtige Schnittstelle zu den späteren Nutzungsprozessen fungieren sollen. Hinzu kommen ausgewählte Händler sowie Mitarbeiter der EZB und von 19 nationalen Zentralbanken, während es weder einen öffentlichen Start noch Anmeldemöglichkeiten für Privatpersonen gibt. Das zielt auf einen kontrollierten Feldtest ab: P2P-Zahlungen zwischen Privatpersonen und P2B-Zahlungen zwischen Kunden und Unternehmen stehen im Fokus, also genau die Zahlungsflüsse, die in der Praxis meist unterschiedliche Abrechnungs- und Compliance-Anforderungen mit sich bringen.

Technisch beschreibt die EZB das Vorhaben eher als kontrolliertes Systemumfeld denn als neue öffentliche Kassenwelt. Das Eurosystem setzt demnach nicht auf eine öffentliche Blockchain; der Zugang soll über Banken und regulierte Dienstleister erfolgen, während das Geld durch das Eurosystem gedeckt bleibt. EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone verwies zudem darauf, dass der Pilot im Jahr 2027 mit strikten Haltegrenzen beginnen soll. Solche Limits sind in frühen Testphasen häufig entscheidend, um Missbrauchsräume zu begrenzen, die Nutzerströme zu dosieren und zugleich die Auswirkungen auf Abrechnung, Liquiditätssteuerung und Sicherheitsarchitektur messbar zu machen.

Der rechtliche Rahmen ist dabei mindestens so relevant wie die Technik. Während des Piloten erhält der digitale Euro keinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel; ein konkreter Termin für einen regulären Markteintritt steht derzeit nicht fest. Die EZB will die Ausgabe erst nach Vorliegen der EU-Verordnung endgültig entscheiden. Als Ziel für die Umsetzungsreife wird bei rechtzeitigem Gesetzgebungsverlauf eine erste öffentliche Bereitstellung im Jahr 2029 genannt – ein Zeitfenster, das in der europäischen Gesetzgebungspraxis eng ist, weil mehrere Institutionen parallel an der finalen Rechtsgrundlage arbeiten müssen.

Hinter der Initiative stehen wirtschafts- und finanzpolitische Gründe, die sich besonders an der europäischen Abhängigkeit im Zahlungsverkehr verdeutlichen. Die EZB nennt die Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Anbietern und die strategische Autonomie im Massenzahlungsverkehr als zentrale Motive. Der Rat der EU hebt in diesem Zusammenhang hervor, dass 13 von 20 Mitgliedern des Euroraums bei Kartenzahlungen weitgehend auf internationale Systeme angewiesen sind; diese strukturelle Kopplung wirkt sich auch auf die Kosten im Handel aus. Eine Untersuchung der Deutschen Bundesbank zu Gebühren im Einzelhandel zeigt dem Bericht zufolge deutliche Unterschiede: Eine Girocard-Zahlung kostet durchschnittlich 18 Cent beziehungsweise 0,2 Prozent des Umsatzes, während Debitkarten internationaler Anbieter bei 28 Cent oder 0,8 Prozent liegen.

Auch für den Handel und damit für die gesamte Wertschöpfungskette ist die Kostenfrage nicht trivial, weil unterschiedliche Zahlungsschienen unterschiedliche Preisbestandteile tragen. Bei Kreditkarten steigen die Kosten im Schnitt auf 48 Cent beziehungsweise 1,1 Prozent; die Bundesbank verweist dabei darauf, dass internationale Debit- und Kreditkarten im Vorjahr zu Mehrkosten von rund einer Milliarde Euro für den Handel geführt hätten. Für Endkunden soll der digitale Euro gebührenfrei sein, während die Infrastrukturkosten vom Eurosystem getragen würden; für Händler hingegen sollen Dienstleistergebühren weiterhin relevant bleiben. Die Frage, wie hoch diese Gebühren ausfallen sollen, wird dem Text zufolge in Brüssel verhandelt: Handelsverbände wie EuroCommerce und der Handelsverband Deutschland (HDE) sehen eine Begrenzung auf 0,1 Prozent bis 40 Euro sowie 4 Cent je Zahlung ab 40 Euro vor, während die Deutsche Kreditwirtschaft diese Ansätze als zu niedrig bewertet. Eine Einigung über das rechtliche Rahmenwerk soll bis zum Jahresende angestrebt werden.

Für Unternehmen, die den Zahlungsverkehr aktiv betreiben oder in ihren Prozessen absichern müssen, ergibt sich daraus vor allem Handlungsdruck zur Vorbereitung auf mehrere Szenarien. Selbst wenn der digitale Euro im Pilotzeitraum nicht öffentlich verfügbar ist, testen Zahlungsdienstleister und ausgewählte Händler bereits Abläufe, die später in reale Rollouts übertragen werden müssen: Wie Transaktionen technisch angebunden werden, wie Haltegrenzen praktisch durchgesetzt werden und wie die Abwicklung im Zusammenspiel der beteiligten Institutionen funktioniert. Gleichzeitig sollten Verantwortliche die politischen Verhandlungen eng beobachten, weil die Entscheidung zur Ausgabe und damit die spätere Marktrolle an eine konkrete EU-Verordnung gekoppelt ist. Wer Zahlungs- und Sicherheitssysteme heute plant, kann den digitalen Euro damit als nächsten Baustein begreifen, der vor allem dann gut funktioniert, wenn Schnittstellen, Gebührenlogik und Risikoabsicherung früh genug abgestimmt werden.


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