LONDON (IT BOLTWISE) – Analogue bringt mit Super Nt+ und Mega Sg+ zwei lange vergriffene Replikate für SNES und Mega Drive zurück auf den Markt. Beide Geräte setzen weiterhin auf FPGA-Technik und lesen originale Spielmodule, statt sie per klassischer Software-Emulation wiederzugeben. Neu sind unter anderem integriertes Bluetooth, USB-C statt Micro-USB und ein vereinfachter Modulwechsel ohne komplettes Ausschalten. Gleichzeitig bleibt es bei Full-HD-Ausgabe über HDMI, während Funktionen wie 4K, Save States und openFPGA fehlen.

Wer Mitte der 90er zuhause Konsole spielte, kennt das Gefühl von „so fühlt es sich richtig an“. Genau darauf zielt Analogue mit dem Comeback von Super Nt+ und Mega Sg+ ab: Beides sind Replikat-Konsolen, die weiterhin originale Spielmodule aufnehmen, aber die technische Peripherie und Handhabung an heutige Erwartungen anpassen. Statt die Spiele in einer klassischen Emulationssoftware laufen zu lassen, bildet ein FPGA die Funktionen der ursprünglichen Konsolenlogik nach. Das wirkt nach außen wie ein Hardware-Upgrade, ist aber konzeptionell eher eine Rückbesinnung auf die Eigenschaft „Originalmodul rein, Bild raus“ – nur eben mit modernerer Verbindungstechnik.
Der Super Nt+ deckt SNES- und Super-Famicom-Module ab, der Mega Sg+ ist für Mega-Drive- beziehungsweise Genesis-Titel ausgelegt. Beide Systeme sollen Module unabhängig von deren Ursprungsland unterstützen, also sowohl PAL- als auch NTSC-Varianten. Damit adressiert Analogue eine typische Stolperfalle der Retro-Szene: Sammler besitzen oft gemischte Region-„Kassetten“, und ein reiner Regionstrenner macht das Zusammenspiel schnell kompliziert. Beim Mega Sg+ liegt außerdem ein Zwischenstück für Master-System-Module im Lieferumfang, und über separat erhältliche Adapter lassen sich zusätzlich etwa Game-Gear- und SG-1000-Titel nutzen. Auch vorhandene Mega-CD-Einheiten sollen sich anschließen lassen, was vor allem dann relevant ist, wenn man bereits in eine komplette Sega-Ökosystem-Vielfalt investiert hat.
Technisch bleibt ein Kernpunkt gegenüber den Vorgängern erhalten: In beiden Plus-Modellen arbeitet ein Altera Cyclone V. Der FPGA-Ansatz ist damit zentraler Bestandteil des Qualitätsversprechens, weil er die Konsolenfunktionen nachbildet, statt „nur“ das Spielprogramm zu emulieren. Diese Unterscheidung ist in der Praxis spürbar, denn sie beeinflusst unter anderem Latenzpfade, Timing und die Art, wie sich die Hardware-Interpretation an die Originale annähert. Vergleichbar ist das Ziel bei anderen Modellen, die Originalmodule nutzen, etwa beim RetroN 5, der Spiele stattdessen per Software-Emulation wiedergibt. Wer also nicht nur Sammlung, sondern auch ein „hardware-nahes“ Timing sucht, sieht hier den Unterschied in der Architektur.
Was Analogue bei den Plus-Versionen sichtbar verändert, betrifft vor allem die Bedienung und Anschlüsse. Bluetooth und 2,4-GHz-Funk sind nun direkt integriert. Das soll den Alltag vereinfachen, weil sich kompatible kabellose Gamepads ohne zusätzlichen Dongle verbinden lassen. Kabelgebundene Controller behalten natürlich ihren Platz – die klassischen Controller-Anschlüsse bleiben erhalten. Außerdem wechselt die Stromversorgung von Micro-USB auf USB-C, und dazu kommt ein USB-A-Anschluss. Der ist für das Laden von Controllern gedacht oder für den Anschluss eines separat erhältlichen Analogue DAC. Gleichzeitig gilt: „normale“ USB-Controller lassen sich darüber nicht verwenden. Beim Tausch der Spielmodule gibt es ebenfalls einen Komfortgewinn: Musste man die Vorgänger-Konsolen dafür meist ausschalten, genügt bei den Plus-Modellen das Beenden des laufenden Spiels über das Optionsmenü; danach kann das Modul bei eingeschalteter Konsole getauscht werden. Selbst das Ein- und Ausschalten soll über einen angeschlossenen Controller möglich sein.
Beim Videooutput setzt Analogue hingegen klare Grenzen. Full HD bleibt Standard: 1.920 × 1.080 Pixel über HDMI, inklusive einstellbarer Seitenverhältnisse und Scanline-Effekte. Eine 4K-Ausgabe, wie sie vom Nintendo-64-Replikat Analogue 3D bekannt ist, gibt es bei Super Nt+ und Mega Sg+ nicht. Dazu kommen weitere bewusste Funktionsverzichte: Save States, Screenshots und Übertaktungsoptionen fehlen. Auch die Art der „Pflege“ bleibt eingeschränkt: Spiele werden direkt von den Originalmodulen geladen, der SD-Steckplatz ist offiziell für Firmware- und Systemupdates gedacht. Parallel dazu wird die openFPGA-Unterstützung, die sich auf dem Analogue Pocket für weitere Konsolen-Nachbildungen nutzen lässt, hier nicht mitgeliefert. Das unterstreicht den Charakter der Plus-Modelle als fokussierte Premium-Hardware für die klassische Cartridge-Welt.
Preis und Lieferumfang ordnen das Produkt zudem sauber in den Markt der Enthusiasten ein. Super Nt+ und Mega Sg+ können ab Montag, dem 19. Oktober, um 17 Uhr deutscher Zeit jeweils für 219,99 US-Dollar vorbestellt werden. Das liegt laut den Angaben im Artikel 30 US-Dollar über den Kosten der ursprünglichen Geräte zum Verkaufsstart. Der Versand ist für Dezember 2026 vorgesehen. Das Super Nt+ erscheint in Classic-, SF- und Black-Varianten, während Analogue beim Mega Sg+ zwischen USA-, EU- und JP-Versionen unterscheidet. Wichtig für Käufer aus dem deutschsprachigen Raum: Anders als bei den Vorgängern liegen keine Spiele mehr bei, und auch kein Controller ist im Lieferumfang. Kabellose passende Geräte von 8BitDo kosten jeweils 29,99 US-Dollar. Enthalten sind dagegen HDMI-Kabel, ein USB-C-Kabel sowie ein 30-Watt-Netzteil. Das unterstützt zwar die hiesige Stromspannung von 230 Volt, kommt aber mit US-/Japan-Stecker, wodurch je nach Händlerpraxis zusätzliche Kosten für Adapter oder Versand entstehen können; außerdem kommen bei Bestellungen nach Deutschland gegebenenfalls Versandkosten und Zölle hinzu.
Für die Praxisentscheidung zählt am Ende, welche Art von „Retro“ man wirklich will: wer vor allem originale Module sauber betreiben möchte, bekommt mit Super Nt+ und Mega Sg+ genau diese Linie, inklusive modernen Verbindungsoptionen. Wer dagegen auf 4K-Enhancements, Save-States als Komfort-Feature oder auf eine erweiterte Plattformstrategie wie openFPGA setzt, dürfte die Lücke spüren. Analogue positioniert die Plus-Modelle damit als „Premium-Bridge“ zwischen Cartridge-Ära und heutigen Anschlussstandards – ohne sich in zu viele Zusatzfunktionen zu verästeln. Das kann gerade für Unternehmen und Entwickler interessant sein, die Retro-Hardware als reproduzierbares Test- oder Demonstrationsmedium nutzen: Die Kombination aus originalem Datenträger, FPGA-naher Nachbildung und klar definierten Ausgabegrenzen macht das Verhalten in Projekten planbarer, als es bei rein emulationsbasierten Ansätzen oft der Fall ist.
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