LONDON (IT BOLTWISE) – Der My Nextring Sky setzt auf Vitaldaten rund um die Uhr: Puls, SpO2 und Schlaf-Tracking ohne Abo. Der Ring ist mit 2,2 mm Bauhöhe auffällig dünn und hält im Test etwa 6 bis 7 Tage durch. In der App koppelt er sich per Bluetooth schnell und liefert unter iOS eine direkte Weitergabe an Apple Health. Kritischer Punkt: Bei der Schlafanalyse rechnet er laut Vergleichsmessungen teils zu lange Liegephasen als Schlaf an.

Smart Rings sind längst aus der Nische herausgekommen: Sie sollen Vitalwerte und Alltagsaktivität erfassen, ohne die typische Smartwatch-Optik am Handgelenk. Der My Nextring Sky spielt dabei vor allem eine Karte aus, die viele Nutzer besonders im Alltag suchen: weniger Aufwändigkeit durch ein Abo-freies Modell. Mit rund 280 Euro zielt der Ring auf Käufer, die Schlaf- und Herzdaten kontinuierlich erfassen wollen, aber nicht dauerhaft für Premium-Features zahlen möchten. Gleichzeitig bleibt die Frage, ob eine solche Preis- und Lizenzstrategie auch an den Messdaten spürbar ist oder ob der Ring die erwartete Präzision liefert.
Beim Design geht der Sky bewusst auf Minimalismus. Der Ring wirkt schlicht und funktional, kreisrund und vergleichsweise kantig, ohne verspielte Elemente. Interessant ist dabei die praktische Nutzerführung: Eine Markierung, die zeigt, wo die Sensoren sitzen, fehlt. Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, macht aber im Alltag einen Unterschied, weil sich der Ring dadurch schwerer exakt ausrichten lässt. Mit 2,2 mm Dicke und etwa 3 g Gewicht gehört der Sky zu den leichteren und unaufdringlicheren Varianten; dennoch ist er mit rund 8 mm Breite spürbar breiter als manche aktuellen Wettbewerber. Wer die Finger eng zusammenhält, nimmt den Ring deshalb trotzdem wahr. Nachts kann außerdem ein Helligkeitseffekt stören: Die Sensoren leuchten sichtbar auf, und im Testablauf berichtete der Autor, dass die Partnerin dadurch mehrfach aufgewacht sei.
Technisch setzt der Sky auf das typische Smart-Ring-Setup aus Sensorik, App und Datenübertragung. Die App ist kostenlos für Android und iOS verfügbar; Gebühren für ein Abo fallen laut Quelle nicht an. Nach dem Laden des Rings koppelt man ihn per Bluetooth mit dem Smartphone. Die Synchronisierung dauert im Test spürbar nicht so lange wie bei einem bekannten Vergleichsprodukt. Auffällig ist die Oberfläche: Unten liegen vier Reiter (Startseite, Gesundheit, Sport, Profil), in der Mitte ein KI-Button, über den der Chatbot „Nexi“ aufgerufen wird. In der Praxis bedeutet das, dass Nutzer Datenfragen stellen oder Auswertungen abfragen können. Auf iOS werden die Messwerte direkt an Apple Health übergeben. Android-Nutzer stoßen dagegen an eine Hürde, weil bisher keine direkte Anbindung an Health Connect vorgesehen ist; wer die Daten dort haben will, benötigt zusätzlich eine „Health Sync“-App.
Beim Umgang mit Daten zeigt der Anbieter einen Schwerpunkt auf Datenschutz und Speicherort. Die Quelle beschreibt, dass die Daten in die Cloud übertragen werden und verschlüsselt sowie DSGVO-konform auf Servern in der EU gespeichert sind. Offline speichert der Ring Aktivitäten bis zu 14 Tage lokal. Inhaltlich deckt die Sensorik mehrere Kennzahlen ab: Puls, SpO2, HRV und Schlaf, ergänzt um Alltagsbewegung. Der Sky zählt Schritte, schätzt Distanz und Kalorienverbrauch. Gerade beim Kalorienwert gilt wie bei vielen Wearables: eher als grober Richtwert. Einen VO2max-Wert ermittelt der Ring nicht; Funktionen dieser Art finden sich laut Quelle in anderen Modellen des Herstellers, im hier betrachteten Sky aber nicht. Für die sportliche Nutzung gibt es im „Sport“-Reiter die Möglichkeit, Trainingseinheiten gezielt aufzuzeichnen; beim Laufen nutzt der Ring das GPS des gekoppelten Smartphones. Über 40 Sportarten sollen unterstützt werden, vom Radfahren bis zum Wandern.
Im Vergleich zur Sportuhr zeigt sich die typische Grenze von Ring-Tracking: Der Puls wird „ordentlich“ erfasst, ist aber nicht auf das Niveau eines dedizierten Outdoor- oder Performance-Geräts ausgelegt. Für Spaziergänge, Wanderungen oder lockeres Ausdauertraining liefert das eine brauchbare Orientierung. Bei intensiven Intervallen oder Krafttraining mit stark wechselnder Belastung werden Brustgurt oder Sportuhr als genaue Referenz empfohlen. Außerdem kommt ein physikalischer Faktor hinzu: Wer mit Hanteln trainiert, sollte den Ring besser ablegen, weil die Passform und Position schnell variieren kann. Genau hier wird deutlich, dass Smart Rings nicht zwangsläufig „alles besser“ machen, sondern eine sehr gezielte Balance anstreben: bequem tragen, rund um die Uhr messen, aber bei maximalen Belastungssituationen die Grenzen der Formfaktoren akzeptieren.
Der größte Praxishebel liegt beim Schlaf-Tracking. Der Sky teilt den Schlaf in vier Phasen ein: wach, Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM. Laut Quelle wirken die Ergebnisse insgesamt plausibel. In einem Vergleich mit dem Oura Ring 5 und dem EEG-Stirnband Muse S Athena war die gemessene Schlafdauer jedoch meist zu lang. Der Grund ist nachvollziehbar: Der Ring bewertet oft auch ruhiges Liegen im Bett als Schlaf. Wachphasen erkennt er offenbar erst dann zuverlässig, wenn stärker bewegt oder aufgestanden wird. Im Schnitt summierte sich so eine Abweichung von etwa einer Stunde „zu viel“ Schlaf. Wichtig ist zudem die Einordnung der Messwerte: Der My Nextring Sky ist kein zertifiziertes Medizinprodukt, die Werte dienen laut Quelle nur als grobe Orientierung und ersetzen keine ärztliche Abklärung. Wer also Schlafqualität diskutieren will, kann auf die Trends schauen; wer medizinisch relevante Entscheidungen daraus ableiten möchte, sollte das nicht tun.
Auch bei der Ausdauer geht der Sky den Mittelweg. Laut Test hält der Ring etwa 6 bis 7 Tage, also rund eine Woche. Damit landet er im soliden Mittelfeld: Ein Vergleichsmodell aus der Quelle hält knapp zwei Tage länger, das „N1X Ultra“ fast doppelt so lange. Dennoch ist der Alltagseffekt positiv, weil ein wöchentliches Aufladen zumutbar bleibt. Zum Laden wird der Ring auf eine magnetische Ladestation gesetzt, die per USB-C angeschlossen wird; ein Netzteil liegt nicht bei, zudem gibt es kein separates Ladeetui mit eigener Akkupufferung. Preislich bleibt der Sky bei etwa 280 Euro und kommt ohne Abo aus, bei Ringgrößen von 6 bis 13 und drei Farben (Schwarz, Silber, Gold). Als Gesamtergebnis ergibt sich ein stimmiges Bild: komfortable Passform und Datenschutz-Story funktionieren, die Pulsmessung reicht für Alltag und lockeres Ausdauertraining, die Schlafanalyse liefert brauchbare Hinweise, aber mit systematischer Tendenz zur Überbewertung der Schlafdauer.
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