ZÜRICH / LONDON (IT BOLTWISE) – ABB hat im dritten Quartal 2026 operativ weiter zugelegt und den Auftragseingang deutlich gesteigert. Der Konzern kletterte auf 12,06 Milliarden US-Dollar und erreichte damit ein Rekordniveau. Besonders Rechenzentren sorgten für kräftige Bestellungen im dreistelligen Bereich. Gleichzeitig verbesserte sich die operative Marge auf 20,8 Prozent, während der Nettogewinn leicht unter dem Vorjahr lag.

Im dritten Quartal 2026 hat ABB nach eigenen Angaben Umsatz und Auftragseingang zweistellig gesteigert und damit die Dynamik aus den ersten beiden Quartalen fortgeschrieben. Auffällig ist vor allem der Sprung beim Auftragseingang: Auf vergleichbarer Basis legte dieser um 40 Prozent zu und erreichte mit 12,06 Milliarden US-Dollar ein neues Rekordniveau. Der Konzern verknüpft diese Entwicklung ausdrücklich mit der anhaltenden Ausbauwelle bei Rechenzentren – einer Investitionskategorie, in der nicht nur klassische Energie- und Kühltechnik nachgefragt wird, sondern auch Automatisierung, Antriebstechnik und Infrastruktur für steigende Rechenlasten durch Künstliche Intelligenz.
Beim Umsatz nennt ABB 9,7 Milliarden US-Dollar, entsprechend einem Plus von 14 Prozent. Umgerechnet auf rund 8,6 Milliarden Euro zeigt sich damit eine robuste, in den Kerngeschäften verankerte Wachstumsrate. Technisch relevant ist dabei die Verzahnung der Wertschöpfung: Rechenzentren sind komplexe Systeme, in denen elektrische Verteilung, Steuerung und Motorenantriebe zusammenwirken. Genau an dieser Schnittstelle sieht der Konzern offenbar Nachfrage, weil Projekte oft als integrierte Pakete ausgeschrieben werden – von der Elektrifizierung über die Automation bis hin zu Lösungen für effiziente Antriebsprozesse. Solche Komplettangebote reduzieren für Betreiber typischerweise Schnittstellenrisiken und beschleunigen die Inbetriebnahme, was sich wiederum in höheren Auftragseingängen niederschlägt.
Die Ergebniskennzahlen unterstreichen, dass ABB trotz des operativen Wachstums die Profitabilität im Griff behalten hat. Der operative Gewinn stieg im Vergleich zum Umsatz leicht überproportional, die operative Marge auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (Ebita) lag 1,6 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert und damit bei 20,8 Prozent. Für Unternehmen ist das vor allem deshalb relevant, weil eine Marge in dieser Größenordnung zeigt, dass Skaleneffekte und Verbesserungen in den Projektmargen bereits wirken. ABB führt den Anstieg auf Fortschritte in zwei der drei Geschäftsbereiche zurück, zudem auf geringere Verluste im E-Mobility-Geschäft und niedrigere Aufwendungen beim Konzernaufwand.
Ganz ohne Reibungsverluste ist die Entwicklung allerdings nicht: Der Nettogewinn lag bei 1,18 Milliarden US-Dollar und damit um 2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das ist ein Signal dafür, dass sich Unterschiede zwischen operativem Ergebnis und unterer Linie ergeben können – etwa durch Sondereffekte, Finanzierungsfragen oder Bewertungspositionen, die nicht direkt aus dem laufenden operativen Geschäft heraus erklärt werden. In der Praxis wird die Kennzahl dadurch für Anleger und Controller besonders wichtig, weil sie weniger vom direkten Engineering-Erfolg als von der Gesamtkapital- und Ergebnisstruktur abhängt. Für das operative Geschäft liefert ABB gleichzeitig die Botschaft, dass man im dritten Quartal „nach Plan“ gearbeitet habe und der Auftragseingang durch kräftige Zuwächse in zwei der drei Geschäftsbereiche sowie eine positive Entwicklung in den meisten Kundensegmenten getrieben worden sei.
Im Detail hebt sich das Segment Rechenzentren besonders ab: Dort schoss der Bestellungseingang im dreistelligen Bereich nach oben. Gerade diese Zahl wirkt wie ein Indikator dafür, dass der Ausbau nicht nur punktuell stattfindet, sondern in einer Größenordnung, die die Konzernquartale sichtbar beeinflusst. Damit rückt auch die strategische Logik in den Vordergrund: Wenn Rechenzentren mit wachsender IT-Last – häufig im Umfeld KI-getriebener Workloads – planen, entstehen über Jahre hinweg wiederkehrende Bedarfe nach unterbrechungsfreier Stromversorgung, effizienten Kühlkonzepten, Steuerungstechnik und passenden Antriebslösungen. Für ABB bedeutet das eine bessere Planbarkeit in der Projektpipeline, während Kunden in der Regel von standardisierten Plattformen und ausgereiften Engineering-Prozessen profitieren.
Der Ausblick fällt entsprechend vorsichtig-positiv aus. ABB hat die bisherigen Prognosen für das Gesamtjahr 2026 leicht nach oben angepasst: Für ein vergleichbares Umsatzwachstum peilt der Konzern nun den unteren Bereich von 13 bis 19 Prozent an (bisher im niedrigen zweistelligen bis unteren Bereich von 13 bis 19 Prozent). Außerdem soll sich die operative Ebita-Marge im Vergleich zum Vorjahr um mindestens 2,7 Prozentpunkte erhöhen; eine konkrete Zahl für den Marge-Anstieg nannte ABB bisher nicht. Solche Formulierungen sind für Marktteilnehmer oft ein Abgleich zwischen Kapazitätsauslastung, Kostenentwicklung und dem Mix aus Projekten unterschiedlicher Profitabilität.
Für die Branche ist die Meldung mehr als eine Quartalskennzahl: Sie zeigt, dass sich die Investitionsdynamik rund um Rechenzentren auch bei großen Industrieunternehmen in Rekordauftragseingängen übersetzt. Gleichzeitig wird deutlich, dass Investoren die Fähigkeit zur Margensteuerung eng verfolgen, denn der Nettogewinn bleibt trotz Operativstärke leicht hinter dem Vorjahr. Unterm Strich dürfte ABBs Kombination aus Elektrifizierung, Automation und Antriebstechnik genau in der Schnittmenge dessen liegen, was Betreiber für den nächsten Ausbauzyklus benötigen – besonders dann, wenn Künstliche Intelligenz weitere Rechenleistung nachfragt und daraus ein breiteres Projektportfolio entsteht.
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