WALLDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – SAP hat im dritten Quartal trotz schwieriger Konjunktur mehr Cloud-Verträge abgeschlossen als von Analysten erwartet. Konzernchef Christian Klein zeigte sich beim Ausblick auf die Clouderlöse etwas zuversichtlicher, weil der Vertragsbestand kräftig gewachsen ist. Beim Umsatz und beim bereinigten Ergebnis lagen die Walldorfer teils über den Erwartungen. Am Markt steht nun vor allem die Frage im Fokus, wie stark das vierte Quartal ausfällt, weil dort traditionell der größere Teil der Buchungen anfällt.

Nach den Zahlen aus dem dritten Quartal bekommt die SAP-Aktie kurzfristig Rückenwind, und zwar weniger wegen einer einzelnen Ergebniszeile als wegen der Qualität des Wachstums: Der Vertragsbestand im Cloudbereich gilt als Frühindikator dafür, wie stabil die Erlösentwicklung in den kommenden Monaten bleibt. In der Kommunikation verwies der Konzern darauf, dass das Unternehmen trotz „widriger Wirtschaftslage“ mehr Cloud-Verträge schließen konnte, als zuvor im Markt erwartet wurde. Das wirkt an der Börse meist doppelt: Erstens steigt die Sichtbarkeit zukünftiger Umsätze, zweitens sinkt die Unsicherheit darüber, ob Kunden bei Investitionen in Unternehmenssoftware aufschieben.
Technisch und geschäftlich hängt die Bewertung stark an einer Kennziffer, die SAP selbst als zukunftsweisend herausstellt: Aus bestehenden Abos für Cloudsoftware erwartete der Konzern Erlöse über die kommenden zwölf Monate. Diese Größe stieg im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro; währungsbereinigt lag das Plus bei 26 Prozent. Solche „Remaining Contract Value“-ähnlichen Kennzahlen (je nach Reporting-System) werden von Kapitalmarktakteuren besonders beobachtet, weil sie grob mit dem zukünftigen Umsatzpfad korrelieren. Im Ergebnisjahr zeigte SAP damit, dass der Cloud-Schwenk, der vor Jahren unter Christian Klein intensiviert wurde, nicht nur als Strategie funktioniert, sondern auch in die Quartalsdynamik hineinwirkt.
Auch die operative Ergebnisentwicklung passte in das positive Bild, wobei die Zahlen gleichzeitig zeigen, wie wichtig Skaleneffekte in abonnementbasierten Modellen sind. SAP berichtete, im dritten Quartal die Gesamterlöse um 13 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro gesteigert zu haben; für Cloudsoftware allein wurde sogar ein Plus von 26 Prozent genannt. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs um 18 Prozent auf 3,03 Milliarden Euro, der Gewinn stieg unter dem Strich um 11 Prozent auf 2,27 Milliarden Euro. Auffällig ist dabei die Schwelle, die SAP erstmals überschritten habe: mehr als 10 Milliarden Euro Umsatzerlöse und mehr als 3 Milliarden Euro bereinigtes Betriebsergebnis in einem Quartal. Finanzchef Dominik Asam ordnete das als Hinweis auf Stärke und Skalierbarkeit des Geschäftsmodells ein.
Für die Einordnung ist jedoch entscheidend, dass gute Quartalszahlen nicht automatisch bedeuten, dass der Rest des Jahres „glatt läuft“. Asam bremste die Anlegerstimmung mit Blick auf das vierte Quartal, das üblicherweise einen großen Teil der Buchungen des Jahres bündelt. In einem schwierigen Konjunkturumfeld könnten sich dann je nach Kundenverhalten Verzögerungen zeigen; das würde nicht nur die Zahlen im vierten Quartal belasten, sondern auch die Zielgerade für das kommende Jahr verändern. Gleichzeitig betonte der Konzern, weiterhin mit einer Beschleunigung des Umsatzwachstums gegenüber dem aktuellen Jahr zu rechnen. Genau in dieser Spannung – Ergebnisstärke jetzt, potenzielle Buchungsdynamik später – liegt das laufende Bewertungsrisiko.
Beim Ausblick wird der Markt deshalb auf den Cloudumsatz und auf die Prognosebasis achten. Klein stellte dank des robust gewachsenen Vertragsbestands in Aussicht, dass SAP im laufenden Jahr beim Wachstum der Clouderlöse etwas besser abschneiden könnte als bisher gedacht. Konkret nannte der Konzern für die Clouderlöse das obere Ende der Prognosespanne: währungsbereinigt sollen 23 bis 25 Prozent Wachstum erreicht werden. Damit würden sich auch die Umsätze aus Cloudprodukten und herkömmlichen Softwarelizenzen vorteilhafter entwickeln als bislang in der Planung. Ergänzend verwies SAP darauf, dass im dritten Quartal Umsätze aus mehreren Vorquartalen nachgeholt wurden, weil einzelne Kunden zuvor finanzielle Schwierigkeiten überwunden hätten.
Ein weiterer Baustein sind Zukäufe, die unmittelbar in den Konzernmix fließen. SAP nannte, dass die Erlöse der übernommenen Firmen Reltio, Dremio und Prior Labs hinzukamen. Das erklärt auch, warum Cloudwachstum nicht nur organisch interpretiert werden darf: Bei M&A-lastigen Phasen verstärkt sich die Sichtbarkeit der Umsatzkomponenten, während Investoren gleichzeitig prüfen, wie gut sich Produkte technologisch integrieren lassen und wie nachhaltig sich die Kundenbasis in neue Abo-Strukturen überführen lässt. In diesem Kontext spielt auch der Wettbewerbsdruck rund um Künstliche Intelligenz eine Rolle: Bei traditionellen Softwareanbietern erhöht sich die Gefahr, dass Budgets in Richtung „KI-nahe“ Plattformen umgeschichtet werden. SAP adressiert diese Sorge typischerweise über seine Cloud-Architektur und die Einbindung von KI-Funktionen in Unternehmensprozesse, doch an der Börse zählt zuletzt vor allem, ob daraus messbares Vertragswachstum und belastbare Erlöskennzahlen werden.
Für Unternehmen und IT-Entscheider ist die Botschaft der Zahlen weniger „nur“ eine Aktie-Thematik, sondern ein Signal zur Planbarkeit von Unternehmenssoftware. Wenn ein großer Anbieter wie SAP Cloud-Verträge beschleunigt und gleichzeitig ein höheres bereinigtes Ebit erzielt, verbessern sich oft die Rahmenbedingungen für Rollout-Zyklen, weil Integrations- und Migrationsprojekte weniger von „Budget-Wellen“ abhängen. Der nächste Prüfstein bleibt das vierte Quartal, weil dort die Buchungsdynamik traditionell besonders stark ausfällt. Genau diese Phase entscheidet darüber, ob der Konzern die erwartete Beschleunigung beim Umsatzwachstum untermauert oder ob sich die Konjunkturbremsen stärker zeigen als der aktuelle Vertragsbestand vermuten lässt.
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