LONDON (IT BOLTWISE) – Coros bringt mit dem Dura 2 Solar einen neuen Fahrradcomputer auf den Markt, der Akkulaufzeit und Solarladen konsequent kombiniert. Im ersten Kurztest zeigt sich vor allem das größere 3,5-Zoll-Display sowie eine veränderte Anordnung von Anzeige und Solarpanel. Auch die Bedienung fällt anders aus: Touch funktioniert bei Nässe, während Sprachsteuerung über eine Taste ausgelöst wird. Gleichzeitig bleibt die Frage, ob der Aufpreis im Alltag durch die Praxislaufzeit gerechtfertigt wird.

Wer beim Gravel- oder Bikepacking-Alltag immer wieder über die gleiche Hürde stolpert, merkt schnell, wie hart die Randbedingungen werden: Lampen, Handy, Radcomputer – alles will Strom, aber in vielen Situationen gibt es keine verlässliche Steckdose. Genau dort setzt Coros mit dem Dura 2 Solar an. Das Gerät baut auf der Idee des Vorgängers auf, der bereits auf bis zu 120 Stunden Akkulaufzeit kam und pro Stunde Sonne bis zu zwei Stunden Zusatzlaufzeit liefern sollte. Neu im Dura 2 Solar ist aber nicht nur „mehr Display“, sondern eine klare Überarbeitung von Design, Bedienlogik und Funktionstiefe.
Im ersten Eindruck, den ein Test über rund fünf Stunden liefert, dominiert zunächst die Sichtbarkeit: Das Display wächst von 2,7 Zoll beim ersten Dura auf 3,5 Zoll. Coros nutzt dabei ein SHARP Memory-in-Pixel-Display und kombiniert es mit Touch. Das ist in der Praxis mehr als nur ein Komfort-Upgrade, weil das Display auch bei geringer Hintergrundbeleuchtung und in längeren Outdoorsessions zuverlässig bleiben soll und der Stromverbrauch durch das Speicherprinzip tendenziell planbarer ist als bei klassischen LCD-Varianten. Die Bedienung bleibt gleichzeitig nicht bei Touch stehen: Das Gerät setzt auf Tasten an der Seite, ergänzt durch Tasten direkt im Solarpanel und eine Sprachsteuerung, die über eine Taste ausgelöst wird – im Test zeigt sich zudem, dass Touch bei Nässe erstaunlich gut funktioniert.
Spannend wird die Alltagstauglichkeit besonders dort, wo Navigation auf Trails nicht exakt „planbar“ ist. Der Dura 2 Solar synchronisiert Routen innerhalb von Sekunden und bietet Offline-Routenneuberechnung, sobald du von der Route abweichst. Im Kurztest gab es auf der ersten Tour zwei Fehlabturns; das ist bei wenigen Stunden am Gerät zwar kein belastbarer Datensatz, passt aber zur typischen Lernkurve: Wenn Bildschirmaufbau, Kartenperspektive und UI noch fremd sind, dauert es eben, bis man die Hinweise so interpretiert, wie sie das Gerät meint. Neu ist außerdem die Anstiegserkennung: Sie soll dir nicht nur entlang einer gespeicherten Strecke Informationen liefern, sondern auch ohne geladene Route anzeigen, was vor dir liegt – ein Detail, das auf Gravel-Passagen mit wechselnden Steigungen besonders nützlich sein kann.
Beim Thema Energie ist der Dura 2 Solar inhaltlich konsistent, aber die Messergebnisse im Kurztest deuten auf einen wichtigen Realitätscheck hin. Coros nennt für das Gerät bis zu 120 Stunden Laufzeit, nennt aber keinen expliziten GPS-Modus in der Angabe. Im Test wurden rund 20 Prozent Akku in fünf Stunden verbraucht – mit vier verbundenen Sensoren, einem mittleren GPS-Modus und viel „Herumprobieren“. Gerade dieses „viel testen“ ist relevant: Wer im Alltag gezielt navigiert, weniger Menüs durchklickt und Sensoren nur dann aktiviert, wenn sie wirklich gebraucht werden, kommt oft über die Laborwerte hinaus. Trotzdem bleibt die zentrale Frage bestehen, ob das größere Display, Touch und die aktive Sensorik den Vorteil im Alltag verstärken oder ihn im realen Szenario teilweise auffressen.
Preislich positioniert sich Coros deutlich ambitioniert. Der Dura 2 Solar kostet laut Angaben 499 Euro für das Gerät allein und 549 Euro inklusive Halterung; damit liegt er preislich über dem ersten Dura, der beim Launch vergleichsweise günstiger angeboten wurde. In der Praxis hängt die Kaufentscheidung deshalb stark davon ab, ob die Kombination aus größerer Anzeige, neuer Anordnung von Display und Solarpanel sowie der erweiterten Bedienung spürbar Zeit und Stress reduziert. Alternativ bekommt man bei etablierten Wettbewerbern ebenfalls Funktionsumfang rund um Sprachsteuerung und Energiemanagement – im Vergleich fällt auf, dass ein neues Edge-Modell von Garmin laut Produktangaben bis zu 60 Stunden im Energiesparmodus schafft und bei intensiver Nutzung deutlich darunter liegt. Genau hier wird der Unterschied zwischen „auf dem Papier“ und „im Ride“ sichtbar: Solarladen kann helfen, aber wie stark der Effekt ausfällt, hängt von Strecke, Wetter, Fahrposition und der tatsächlichen Sonneneinstrahlung ab.
Was für professionelle Nutzer zusätzlich zählt, ist die Kombination aus Sicherheits- und Trainingsfunktionen. Der Dura 2 Solar führt Fahrten automatisch in die Coros App über und setzt dabei auf Fitnesskennzahlen für den Radsport. Mit einer Coros-Uhr oder einem Herzfrequenzsensor lassen sich Daten zu Training, Fitness und Regeneration ergänzen. Daneben existiert Livetracking als Sicherheitsfeature: Sturzerkennung und Sicherheitsalarme sollen Notfallkontakte informieren; im Notfall soll ein kurzer Tastendruck einen Alarm auslösen, allerdings nur, wenn ein Smartphone verbunden ist und Empfang besteht. Für alle, die GPX-Routen planen und unterwegs nutzen, ist außerdem relevant, dass sich Routen direkt in der App vorbereiten oder externe GPX-Dateien importieren lassen und anschließend Offline-Neuberechnung greift.
Bis zum Verkaufsstart am 3. November 2026 bleibt daher vor allem der entscheidende Punkt offen: Wie viel von der auf dem Papier sehr langen Laufzeit tatsächlich in typischen Alltagsszenarien ankommt, wenn man nicht nur „testen“, sondern dauerhaft fahren will. Der Kurztest liefert dafür ein brauchbares Gefühl für Display, Bedienung und Navigation, zeigt aber auch, dass der Akkuverbrauch im mittleren GPS-Modus spürbar ist. Wenn Coros das Zusammenspiel aus großem Display, Touch, Sensorik und Solar-Laden im Langzeittest stabil hält, könnte der Dura 2 Solar vor allem für Bikepacking-Fans und Ultracycling-Routinen interessant werden – also für Nutzer, die lieber weniger laden und dafür ihre Energieplanung konsequent mitdenken.
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