LONDON (IT BOLTWISE) – Der COROS DURA 2 SOLAR zielt auf lange Bikepacking-, MTB-, Gravel- und Rennrad-Touren mit einer Akkulaufzeit von bis zu 120 Stunden. Entscheidend ist die integrierte Solarladefunktion: Eine Stunde Sonne soll laut Hersteller realistisch bis zu zwei zusätzliche Stunden Laufzeit bringen. Im Praxistest zeigte sich bei intensiver Nutzung mit Navigation trotz anspruchsvoller Bedingungen ein sehr geringer Akkuverbrauch. Gleichzeitig setzt das Gerät auf Offline-Navigation, Routenneuberechnung sowie eine Bedienung per Touch, Tasten und (teilweise) Sprachsteuerung.

Wenn ein GPS-Bike-Computer nicht nur Geodaten anzeigt, sondern auch die Energiefrage neu ordnet, verschiebt sich der ganze Alltag von Tourenplanern und Langstreckenfahrern. Der COROS DURA 2 SOLAR positioniert sich genau dort: Für MTB-, Rennrad- und Gravel-Einsätze ebenso wie für mehrtägige Bikepacking-Abenteuer verspricht der Hersteller eine Akkulaufzeit von bis zu 120 Stunden. Hinzu kommt die integrierte Solar-Ladefunktion, die während der Fahrt oder Standzeiten zusätzlichen Strom liefern soll. Die Kernaussage lautet dabei nicht, dass jede Tour automatisch „vollgeladen“ endet, sondern dass die Laufzeit im Zeitfenster offener Sonne spürbar wächst – abhängig von Einstrahlung und den konkreten Betriebsbedingungen.
Im Alltag entscheidet selten ein einzelner Parameter, sondern die reale Mischung aus Displaynutzung, Sensorik und Routing. In einem Praxistest zeigte sich nach über zwei Stunden im Sattel bei einem Herbsttag mit ausreichend Licht (ohne Navigation, gekoppelt mit Herzfrequenzmesser und Powermeter) noch ein Ladezustand von 98 %. Eine längere vierstündige Fahrt bei bedecktem Himmel kostete trotz Navigation und wiederholter Umleitungen mit Routenneuberechnung weniger als zehn Prozent Akku. Damit wirkt die Solarfunktion nicht wie ein reines „Marketing-Extra“, sondern wie ein intelligentes Energiepolster für genau die Situationen, die im Feld häufig auftreten: kurze Foto-Stopps, Pausen an sonnigen Abschnitten oder Etappen, in denen die Route ohnehin mehrfach angepasst wird.
Technisch setzt der DURA 2 SOLAR auf Offline-Navigation und automatische Routenneuberechnung, also auf Fähigkeiten, die ohne Internetverbindung funktionieren. Das ist für abgelegene Streckenabschnitte relevant, aber auch für geplante Touren, bei denen sich Sperrungen oder private Streckenabschnitte kurzfristig ändern. Die Kopplung mit gängigen Plattformen wie komoot oder Strava ermöglicht, dass geplante Routen schnell auf den GPS-Computer übertragen werden. Die App-basierte Tourenplanung direkt am Smartphone macht die Vorbereitung dabei flexibler, während auf dem Gerät selbst dann Abbiegehinweise rechtzeitig erscheinen. In einem dichten Wald empfiehlt sich laut Test außerdem, bei den „Satellitensystemen“ die maximale Empfindlichkeit zu setzen, weil es sonst zu kleineren, schwer erklärbaren Abweichungen von der Strecke kommen kann.
Beim Routing fällt vor allem die Interaktion mit Abweichungen ins Gewicht: Weicht die Fahrerin oder der Fahrer von der geplanten Strecke ab, meldet der Computer nach etwa 50 bis 100 Metern akustisch und im Display, dass ein Wenden beziehungsweise Zurückführen auf die passende Spur erforderlich ist. Wird dieser Hinweis ignoriert, sucht das Gerät zügig eine Alternativroute, sofern eine solche verfügbar ist. Für die Konzeption solcher Mechaniken ist weniger die reine Kartenanzeige entscheidend als die Rechenlogik im Zusammenspiel mit Satellitenempfang, Sensordaten und der gespeicherten Streckenbasis. Genau hier macht sich die Kombination aus Offline-Modus und schneller Neuberechnung bemerkbar: Statt auf „Sync“-Zyklen oder neue Datenpakete zu warten, übernimmt der Bike-Computer die Navigation lokal.
Auch die Hardware trägt zum Gesamtbild bei, weil Bedienbarkeit auf dem Rad meist mehr Zeit frisst als die eigentliche Anzeige. Das 3,5-Zoll-Display arbeitet als SHARP-Memory-in-Pixel-Touchscreen und ist trotz des eher unaufgeregten Aussehens gut ablesbar. OLED-Qualitäten sind nicht identisch, aber Auflösung, Brillanz und Helligkeit reichen für die Praxis; hinzu kommt, dass das transflektive Prinzip die Lichtverhältnisse besser mitmacht: Einfallendes Licht wird reflektiert, grelles Tageslicht wird damit weniger zum Problem. Für die Bedienung im Vorbeifahren setzt COROS auf mehrere Eingabekanäle: Touchscreen, physische Tasten und zusätzlich eine Sprachsteuerung. Im Test lässt sich per langer Druckgeste auf die linke Seitentaste ein Dialog öffnen, allerdings wirkt die Erkennung in der noch nicht finalen Software nicht durchgehend treffsicher.
Interessant ist dabei auch das Zusammenspiel aus Display, Solar-Panel und Bedienelementen: Das Solarmodul enthält zwei weitere berührungssensitive Schaltflächen, die wie mechanische Tasten wirken und haptisches Feedback liefern. Dadurch sinkt der Bedarf, während der Fahrt im Menü „zu suchen“. Praktisch ist zudem die eingebaute Klingel, die nicht über eine definierte Schaltfläche in den Seitenansichten abgewickelt wird, sondern per Double Tap auf das Display reagiert. Bei Einrichtung und Nutzung zeigt sich außerdem, dass der Funktionsumfang nicht bei Navigation und Akku endet: Live-Tracking, Trainingsanalyse, Routinen für Fremdsoftware, Offline-Navigation ohne Internetverbindung und das Kopplungs-Ökosystem mit Uhr oder Sensoren sind Teil des Konzepts. In der App werden Fahrten automatisch synchronisiert und ausgewertet; neue radsportspezifische Fitnesskennzahlen sollen dabei zusätzliche Informationen zur Leistungsentwicklung liefern, während Regeneration und Training zusammengeführt werden können.
Für Markt und Kaufentscheidung zählt am Ende, wie gut sich dieses Paket in bestehende Setups einfügt. Der Verkaufsstart ist für den 3. November angesetzt, die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 499 Euro; eine Variante inklusive Halterung kostet 549 Euro. Aluminium-Standardhalterung und Aluminium-Out-Front-Halterung werden jeweils mit 79 Euro ausgewiesen. Positiv: Die Halteraufnahme ist kompatibel mit Garmin- oder Wahoo-Halterungen, sodass nicht zwingend ein kompletter Cockpit-Wechsel nötig ist. Besonders für Vielfahrer und Bikepacker ist der Mix aus langer Laufzeit, Solar-Ladeeffekt, Offline-Routing und der mehrkanaligen Bedienung relevant, weil er die typischen Abbruchpunkte vieler Touren adressiert – von leer werdenden Akkus bis zu Routing-Unsicherheiten bei fehlender Netzabdeckung.
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