LONDON (IT BOLTWISE) – Sigma bringt sieben Jahre nach dem kompakten Original die Vollformat-Kompaktkamera FP2. Die Neuerungen reichen von einem 24,5-Megapixel-24,5-Megapixel-Backside-Illuminated-Sensor mit schnellerer Auslesung über ein schwenkbares 3,2-Zoll-LCD bis zu längerer Akkulaufzeit. Zusätzlich ergänzt Sigma den Anschluss- und Datenkomfort mit einem HDMI in voller Größe sowie einem 10-GBit/s-USB-C-Port für High-Speed-Transfers. Beim Preis startet das Setup für die Gehäusevariante am 11. November, während Bundles mit EVF-21 oder dem I-Series 50mm F2 DG folgen.

Sigma positioniert die FP2 erneut im Segment der extrem kompakten Vollformat-Kameras – und argumentiert dabei diesmal stärker mit technischen Details als mit der reinen Gehäusegröße. Sieben Jahre nach der Einführung des ursprünglichen fp, das damals als „world’s smallest“ und „lightest“ für Vollformat-Mirrorless galt, legt der Hersteller mit der FP2 nach. Allerdings steigt der Körperumfang: Sigma nennt für die Gehäusevariante eine Gewichtszunahme von etwa sechs Gramm gegenüber dem Vorgänger, während gleichzeitig mehrere Funktionsblöcke modernisiert wurden. Für Anwender ist das vor allem dann relevant, wenn die Kamera mit einem längeren Objektiv betrieben wird, denn schon das Original konnte laut Beschreibung bei der Ergonomie an Grenzen stoßen.
Im Zentrum steht der neue Bildsensor: Sigma nutzt eine 24,5-Megapixel- Vollformat-CMOS-Variante mit partiell gestapelter (partially stacked) Architektur und Backside Illumination. Obwohl die Auflösung nur minimal unter dem 24,6-Megapixel-Wert des Vorgängers liegt, zielt die Architektur auf schnellere Datenraten bei der Auslese. Das hat direkte Konsequenzen für die Bildgeometrie: Bei Standbildern reduziert sich der Rolling-Shutter-Effekt spürbar, weil die Belichtungsdaten schneller „durch“ den Sensor laufen. Gleichzeitig verspricht Sigma schnellere Autofokus-Fähigkeiten, die neben Menschen und Tieren nun auch Vogel-Erkennung einschließen, und beim Serienbildtempo nennt das Unternehmen bis zu 20 Bilder pro Sekunde. Beim Video bleibt die FP2 bei einem elektronischen Shutter-Konzept und setzt dann auf hohe Auflösungs- und Framerate-Kombinationen: bis zu 6K bei 60 fps oder 4K bei 120 fps – in letzterem Fall mit einem Crop auf einen Ausschnitt des Sensors.
Ein zweiter Upgrade-Block betrifft die Bedien- und Aufnahmepraxis, insbesondere für perspektivisches Arbeiten. Das neue 3,2-Zoll-LCD mit 2,1 Millionen Bildpunkten ist nun in der Lage, nach oben und unten zu schwenken. Damit wird es für Low-Angle- oder Overhead-Aufnahmen deutlich einfacher, den Bildausschnitt zu kontrollieren, ohne jedes Mal den gesamten Standpunkt ändern zu müssen. Sigma koppelt diese Flexibilität zudem mit praktischen Verbesserungen wie besserer Luftführung und Kühlung, um längere Videoaufnahmen zu ermöglichen – ein Punkt, der bei kompakten Kameragehäusen typischerweise schnell zum limitierenden Faktor wird. Ergänzend führt Sigma mehrere Tripod-Mounts ein, die den Einsatz optionaler Griffe und des Viewfinders vereinfachen, wodurch sich das Handlichkeitsprofil der FP-Linie besser an verschiedene Aufnahme-Setups anpassen lässt.
Technisch genauso spürbar sind die Anschluss-Upgrades. Sigma spendiert der FP2 einen HDMI-Anschluss in voller Größe – gegenüber dem Mikro-HDMI des Vorgängers, der im Alltag als weniger robust gilt. Dazu kommen zwei USB-C-Ports: einer ist auf USB 2.0 begrenzt und dient primär zum Powering oder für Zubehör wie beispielsweise Kopfhörer oder den erwähnten Viewfinder. Der zweite Port bringt es dagegen auf 10 Gbps und nutzt USB 3.2 Gen 2 für schnelle Datenübertragung; alternativ lässt sich darüber auch ein externer SSD-Speicher anbinden, um Aufnahmen im Apple- ProRes-RAW-Format (über das Capture-Setup) zu sichern. Gerade in Workflows, in denen große Datenmengen direkt aus der Kamera heraus kontrolliert werden müssen, reduziert diese Option den Umweg über langsame Übertragungen und kann die Time-to-Edit im Schnitt spürbar verbessern.
Auch beim Thema Speicher und Energie zeigt Sigma eine klare Abstufung. Es gibt nur einen einzelnen SD-Kartenslot, sodass kein redundanter Backup-Mechanismus direkt im Gerät vorgesehen ist – wer das braucht, muss auf das Setup mit externer SSD ausweichen oder organisatorisch absichern. Dafür integriert die Kamera 70 GB Speicher im Gehäuse, der als Notfallpuffer dient, wenn die Speicherkarte unerwartet voll läuft. Beim Akku legt Sigma ebenfalls nach: Laut Hersteller ist das Modell mit eingesetztem Akku etwa 40 Gramm schwerer als der Vorgänger, liefert dafür jedoch rund 30 Prozent längere Laufzeit. Als Richtwerte nennt Sigma etwa 370 Fotos oder ungefähr 130 Minuten Videoaufnahme. Das ist keine reine Marketingzahl, sondern adressiert das typische Problem kompakter Gehäuse, bei denen Platz und Gewicht früher oder später mit thermischen und energiebezogenen Limits kollidieren.
Für den Markt ist außerdem der Launch-Takt interessant: Die FP2 soll am 11. November verfügbar sein. Die Gehäusevariante startet bei 2.199 US-Dollar, die Bundle-Option mit dem EVF-21 Viewfinder (mit 5,76 Millionen dot OLED-Panel und Eye-Sensor) kostet 2.749 US-Dollar; alternativ ist für denselben Preis ein Bundle mit dem I-Series 50mm F2 DG erhältlich. Damit greift Sigma den typischen Zielkonflikt im Premium-Kompaktsegment auf: Je kleiner das System, desto stärker wird der Sucher- und Bedienkomfort zum Differenzierungsmerkmal – und genau hier setzt die FP2 an. Für Fotografen und Videofilmer, die bisher bei der FP-Linie waren, könnte die Mischung aus schnellerem Sensor-Readout, schwenkbarem Display und besserer I/O-Ausgabe den Wechsel erleichtern; für neue Käufer wird dagegen vor allem entscheidend sein, ob die ergonomischen Kompromisse des kleinen Gehäuses mit Grifflösungen und Stativmontage zuverlässig kompensiert werden können.
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