LONDON (IT BOLTWISE) – Goldman Sachs hat das Kursziel für Usiminas auf 8,60 Real gesenkt und die Kaufempfehlung bekräftigt. Gleichzeitig drücken die Bankannahmen den Ausblick: Die EBITDA-Schätzungen für 2026 und 2027 wurden reduziert, während für das dritte Quartal ein EBITDA von 629 Millionen Real erwartet wird. Für Anleger rückt damit der nächste Quartalsbericht am 30.10.2026 vor Handelsbeginn in den Fokus. Entscheidend wird, ob sich die im zweiten Quartal verbesserte Rentabilität trotz schwächerer Umsätze fortsetzt.

Die Usiminas-Aktie steht nach einer weiteren Analysten-Iteration erneut unter besonderer Beobachtung, weil eine Zielsenkung nicht mit einer Abkehr vom positiven Grundton einhergeht. Am 16.10.2026 reduzierte Goldman Sachs das Kursziel von 10,00 auf 8,60 Real und bestätigte die Kaufempfehlung. Damit verschiebt sich für Marktteilnehmer der Bewertungsrahmen kurz vor dem nächsten Datenkatalysator: dem Quartalsreport zum dritten Quartal, der für den 30.10.2026 vor Handelsbeginn angekündigt ist.
Technisch-analytisch beginnt die Diskussion an der Gewinn- und Ergebnislogik, nicht am Kurs selbst. Goldman Sachs begründete die Anpassung unter anderem mit Kostendruck und senkte die EBITDA-Schätzungen für 2026 um 12 Prozent sowie für 2027 um 34 Prozent. Für das dritte Quartal erwartet die Bank 629 Millionen Real EBITDA, das wären 9 Prozent weniger als im zweiten Quartal. Als Treiber nennt sie niedrigere Stahlpreise sowie höhere Rohstoffkosten – eine Kombination, die typischerweise die Margen im Stahl- und Bergbauumfeld belastet, selbst wenn die Absatz- oder Volumendynamik stabil bleibt.
Um die Tragfähigkeit dieser Annahmen einzuordnen, lohnt der Blick auf die jüngsten veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal 2026. Dort meldete das Unternehmen einen Umsatz von 6,13 Milliarden BRL nach 6,63 Milliarden BRL im Vorjahresquartal. Trotz der rückläufigen Erlöse stieg der Nettogewinn auf 428,18 Millionen BRL gegenüber 127,62 Millionen BRL im Vorjahr deutlich an. Noch auffälliger ist der Sprung beim bereinigten EBITDA auf 761,31 Millionen BRL nach 408,43 Millionen BRL zuvor. Genau diese Diskrepanz – weniger Umsatz, aber spürbar bessere Ergebniskennzahlen – ist der Kern der nächsten Investorendebatte.
Aus Marktsicht ist die Frage deshalb nicht, ob Analysten ihre Erwartungen anpassen, sondern welche Signalqualität diese Anpassungen haben. Im zweiten Quartal 2026 hatte Usiminas bereits Kennzahlen geliefert, die mit einem Gewinn je Aktie von 0,06 US-Dollar gegenüber 0,02 US-Dollar Konsens in Verbindung gebracht wurden. Für das dritte Quartal verdichteten sich parallel mehrere Target-Updates: Am 14.10.2026 senkte Citi das Kursziel von 10,00 auf 9,00 Real und schätzte für das dritte Quartal ein EBITDA von 588 Millionen Real. Goldman Sachs liegt mit 8,60 Real und 629 Millionen Real EBITDA in Reichweite, aber nicht identisch – ein Hinweis darauf, dass unterschiedliche Annahmen bei Preisen, Kosten oder zeitlicher Verschiebung von Inputkosten die Bandbreite bestimmen.
Die Bewertung bleibt damit uneinheitlich, was sich in den Kurszielen ebenso zeigt wie in der internen Begründungslogik. Citi hält laut den genannten Angaben an der Kaufempfehlung fest, während Goldman Sachs trotz eines niedrigeren Ziels die Kaufempfehlung bestätigt. Für Anleger bedeutet das: Der Marktpreis reagiert nicht nur auf die Richtung, sondern auf die erwartete Geschwindigkeit der Ergebniserholung. Genau hier liegt der mögliche Knackpunkt für den 30.10.2026: Muss Usiminas die im zweiten Quartal sichtbar gewordene Rentabilitätsverbesserung in ein weiteres Quartal überführen, oder war ein Teil der Effekte eher temporär?
Für deutsche Anleger ist das Setup zudem praktisch relevant, weil es um eine brasilianische Handelsspezifik geht. Usiminas wird als Vorzugsaktie unter dem Kürzel USIM5 an der brasilianischen B3 in BRL gehandelt, während im Hintergrund die ISIN BRUSIMACNOR3 geführt wird. Der Fokus liegt vor dem nächsten Report auf dem Zusammenspiel zwischen Stahlpreisen, Rohstoffkosten und der Ergebnisentwicklung im Segment Bergbau. In solchen Zyklen entscheidet häufig die Frage, wie gut sich Kostendruck in der Ergebnisrechnung abfedern lässt – etwa durch Einkaufsbedingungen, Produktionsmix und die zeitliche Weitergabe von Preisänderungen. Selbst wenn die Umsatzseite schwächer ist, kann ein effizienteres Kostenprofil oder ein besserer Mix kurzfristig das bereinigte EBITDA stabilisieren; umgekehrt können höhere Inputkosten den Hebel in der Folgerunde schnell umdrehen.
Historisch ist dieses Spannungsfeld für Stahl- und Rohstoffwerte typisch: Preise für Endprodukte bewegen sich oft phasenweise schneller als die Kostenbasis, und Rohstoffkosten können in einzelnen Quartalen stark ausschlagen, bevor sich die Bilanzkennzahlen sichtbar verändern. Deshalb ist die EBITDA-Schätzung für 2026 und 2027 bei Goldman Sachs ein so wichtiger Rahmen, auch wenn sie selbst keine unmittelbare Handlungsanweisung für den nächsten Tag liefert. Interessant wird, ob das Unternehmen im dritten Quartal genügend Gegenmaßnahmen zeigt, um die Annahmen zum Kostendruck zumindest teilweise zu relativieren, und ob der Umsatzrückgang – der im zweiten Quartal bei 6,13 Milliarden BRL begann – in eine Stabilisierung mündet oder weiter Druck erzeugt.
Für die kurzfristige Entscheidungslogik an den Märkten steht damit vor allem ein Ereignis: die Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal am 30.10.2026 vor Handelsbeginn. Erwartet werden laut den Angaben ein Umsatz von 1,23 Milliarden US-Dollar und ein Gewinn je Aktie von 0,04 US-Dollar. Diese Erwartungen sind weniger eine Prognose des „richtigen“ Kurses, sondern ein Prüfstein für die Richtung der Ergebnisentwicklung. Wenn Usiminas die Profitabilität des zweiten Quartals nicht nur bestätigt, sondern plausibel erklären kann, warum sie trotz niedrigerer Stahlpreise und höherer Rohstoffkosten entsteht, könnte die Bandbreite der Kursziele enger werden. Bleibt hingegen die Rentabilität hinter der Erwartung, wird die Abwärtskorrektur der EBITDA-Schätzungen schnell an Relevanz gewinnen – unabhängig davon, ob einzelne Banken formal bei der Kaufempfehlung bleiben.
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