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PARMA / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Psychologiestudie zeigt einen Zusammenhang zwischen intensiver Angst vor Ablehnung in nahen Beziehungen und stärkerer Furcht vor dem Tod. Diese Sterblichkeitsangst hängt wiederum mit mehr Symptomen von Angst, Depression, zwanghaften Tendenzen und körperlichem Unwohlsein zusammen. Entscheidend ist dabei, wie Teilnehmende Tod deuten: als endgültige Auslöschung oder als Übergang in einen anderen Zustand. Unklar bleibt, wie sich die Beziehungen zwischen Bindungsmustern und Symptomen über die Zeit entwickeln.

Angst vor Ablehnung verstärkt Sterblichkeitsfurcht und psychische Symptome
Angst vor Ablehnung verstärkt Sterblichkeitsfurcht und psychische Symptome (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer besonders stark befürchtet, in einer engen Beziehung zurückgewiesen zu werden, berichtet in einer neuen Studie auch häufiger von einer ausgeprägteren Angst vor dem Tod. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Scientific Reports, verknüpfen Sterblichkeitsfurcht mit Symptomen, die Psychologen unter dem Sammelbegriff „internalisierende“ Belastungen fassen: Dazu gehören unter anderem depressive Verstimmung, Angstsymptome, obsessive Gedanken sowie körperliche Beschwerden ohne klare medizinische Erklärung. Damit rückt eine scheinbar „existenziell“ wirkende Emotion in den Fokus, die in der Praxis von Therapieplanung und Früherkennung oft unterschätzt wird.

„Death anxiety“ beschreibt dabei die Sorge, das Unbehagen oder die Furcht, die daraus entsteht, dass das menschliche Leben absehbar endet. Auch wenn viele Menschen von Zeit zu Zeit über Sterblichkeit nachdenken, gilt anhaltende oder schlecht regulierte Todesangst in der psychologischen Forschung zunehmend als gemeinsamer Faktor, der verschiedene psychische Störungsbilder mit beeinflussen kann. Die Studie knüpft an genau diese Sicht an und fragt zugleich, warum manche Menschen stärker reagieren als andere – nicht nur wegen ihres emotionalen Stils, sondern auch wegen ihrer zentralen Vorstellung davon, was nach dem Tod mit dem eigenen Selbst passiert.

Der theoretische Rahmen verbindet dazu Bindungspsychologie mit existenzieller Perspektive. In der Bindungstheorie werden Erwachsene häufig vier Mustern zugeordnet: sicher, überaus besorgt (preoccupied), abweisend (dismissing) und ängstlich (fearful). Für den Abgleich im Datensatz nahmen Forschende 640 italienische „emerging adults“ im Alter von 18 bis 22 Jahren unter die Lupe, mit einem Durchschnitt von etwa 20,5 Jahren; die Stichprobe bestand überwiegend aus Frauen (83,4 %) und bestand größtenteils aus Studierenden (62,7 %) oder arbeitenden Studierenden (28,8 %). Über mehrere Online-Fragebögen erfassten die Teilnehmenden ihr Bindungsmuster, ihre Sterblichkeitsangst und verschiedene Arten internalisierender Symptome innerhalb der vergangenen zwei Wochen.

Technisch besonders interessant ist die Art, wie der Zusammenhang „Bindung → Todesangst → Symptome“ modelliert wurde: Die Forschenden nutzten eine „conditional process analysis“, um zu testen, ob die indirekte Wirkung von Bindungsmustern über die Todesangst hinweg je nach einer dritten Variable unterschiedlich ausfällt. Als Moderationsfaktor dienten Vorstellungen darüber, ob Tod als vollständige Auslöschung des Selbst („total annihilation“) oder als Übergang bzw. Kontinuität („passage“) verstanden wird. In einer ersten Auswertung lag der Durchschnitt auf der Todesangst-Skala bei 9,31 von 15 Punkten. Höhere Werte bei überaus besorgter Bindung gingen dabei mit größerer Todesangst einher, während abweisende Bindung eher mit weniger berichteter Sterblichkeitsfurcht zusammenhing.

Die Differenzierung zeigt sich dann besonders klar bei Angst-, zwanghaften und somatischen Symptomen. Todesangst hing statistisch mit stärkeren Symptomen zusammen, aber nur bei jenen jungen Erwachsenen, die Tod stark als endgültiges Ende betrachteten. Wer dagegen eine „passage“-Vorstellung vertrat, zeigte keinen vergleichbaren Zusammenhang zwischen Todesangst und höherer Ausprägung von Angstsymptomen, zwanghaften Symptomen oder körperlichen Beschwerden. Für Depression ergab sich ein anderes Bild: Ob Teilnehmende Tod als Auslöschung oder als Übergang definierten, veränderte den Zusammenhang zwischen Todesangst und depressiven Symptomen nicht in derselben Weise. Stattdessen spielte die überaus besorgte Bindung indirekt über Todesangst eine Rolle, während zudem direkte Effekte der Bindungsstile erkennbar waren: Sicher gebundene Teilnehmende berichteten niedrigere Werte, abweisende sowie ängstlich gebundene Muster dagegen höhere Belastungen über mehrere Kategorien hinweg.

Bemerkenswert ist außerdem der Umgang mit dem abweisenden Bindungsmuster, das in früheren Arbeiten teils anders bewertet wurde. Die Autoren ordnen die Ergebnisse so ein, dass abweisende Personen möglicherweise weniger Todesgedanken bewusst erleben, weil sie diese stärker aus der Aufmerksamkeit verdrängen, statt dass sie objektiv weniger „bedroht“ wären. Gleichzeitig zeigte sich auch außerhalb des Todesangst-Wegs eine Verbindung zwischen abweisender Bindung und stärkerem Auftreten unerklärter somatischer Symptome. Praktisch heißt das: Selbst wenn eine Person Todesangst im Selbstbericht dämpft, können die indirekten Folgen von Emotionsunterdrückung und dem Umgang mit Nähe und Bedarf möglicherweise trotzdem körperlich sichtbar werden.

Wichtig ist schließlich die Einordnung der Aussagekraft. Da die Daten zu einem Zeitpunkt erhoben wurden, kann die Studie keine Kausalität beweisen. Möglich ist sowohl, dass Bindungsunsicherheiten und existenzielle Deutungen späterer Sterblichkeitsfurcht Vorschub leisten, als auch der umgekehrte Weg: Chronische Angst oder depressive Symptome könnten dazu beitragen, sich in Beziehungen unsicherer zu fühlen oder Tod stärker zu fürchten. Zudem ist die Stichprobe überproportional von jungen italienischen Frauen geprägt, die über soziale Medien und persönliche Weiterempfehlungen rekrutiert wurden, wodurch sich die Übertragbarkeit auf Männer, ältere Erwachsene oder andere kulturelle Kontexte nur begrenzt ableiten lässt. In diese Lücke setzt der Ausblick: Künftige längsschnittliche Studien sollen klären, in welcher Reihenfolge sich Bindungsunsicherheiten, Todesangst und psychische Symptome entwickeln – und ob therapeutische Ansätze, die Beziehungsthemen mit existenziellen Ressourcen verbinden, in bestimmten Untergruppen tatsächlich wirksamer sind.

Für die klinische Praxis und die KI-gestützte Unterstützung von Beratung könnte aus den Ergebnissen vor allem eines folgen: Psychische Belastung ist nicht nur ein Fragebogen-thema, sondern hängt an Deutungsmustern. Wenn die Vorstellung vom Tod als vollständige Auslöschung die Verbindung zwischen Sterblichkeitsangst und mehreren Symptomdomänen verstärkt, wird die diagnostische Aufmerksamkeit auf Weltbilder und Selbstkonzepte relevanter. Gleichzeitig zeigt der Befund, dass Depression nicht einfach „denselben Mechanismus“ wie Angst oder Zwänge teilt. Genau diese Art der moderierten Zusammenhänge macht die Studie für Entscheider in Gesundheits- und Beratungsorganisationen anschlussfähig: Sie unterstützt differenzierte Hypothesen, statt pauschale Risikofaktoren zu bedienen.

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