LONDON (IT BOLTWISE) – Monero und Zcash haben Bitcoin in der jüngsten Wochenperformance überholt, allerdings aus sehr unterschiedlichen Gründen. Während Zcash um die NU7-Änderungen mit schnellerer Blockbestätigung und temporärer Gebühren-Entnahme herum Aufwind bekommt, profitiert Monero spürbar von regulatorischen Signalen. Der Blick über die Kurzfristdaten hinaus fällt dagegen gemischt aus: Zcash steckt weiterhin in einem Abwärtstrend, Monero testet mit FCMP++ neue Datenschutz-Funktionen.

Dass zwei Privacy-Coins in einer Handelswoche Bitcoin schlagen, klingt nach einem Trendbruch. Tatsächlich steckt in den Kursbewegungen aber eher ein Muster aus unterschiedlichen Katalysatoren: Zcash reagiert stärker auf technische und teilweise auch marktstrukturelle Impulse, Monero dagegen auf regulatorische Neubewertungen und die Erwartung weiterer Protokoll-Updates. In der Woche bis zum 25. Oktober 2026 legte Zcash um 7,5 % zu, Monero gewann 3,8 %, während Bitcoin um 2 % nachgab. Noch deutlicher wird der Kontrast im 14-Tage-Bild: Monero stieg in dieser Spanne um 13,6 %, Bitcoin fiel dagegen um 3,3 %. Diese Zahlen allein erklären allerdings nicht, warum Privacy-Coins überhaupt ausgerechnet jetzt Momentum bekommen.
Zcashs Aufschwung lässt sich vor allem an einer konkret angekündigten technischen Änderung festmachen. Das NU7-Upgrade, das laut Zeitplan „rund“ um den 5. November erwartet wird, soll die Zahlungsbestätigungen spürbar beschleunigen. Der Kernpunkt: Die Blockzeit soll von 75 Sekunden auf 25 Sekunden sinken. Für Nutzer bedeutet das weniger Wartezeit bis zu verlässlicheren Bestätigungsfenstern; für Investoren ist es ein greifbarer Meilenstein, weil sich damit die wahrgenommene Nutzerfreundlichkeit einer Blockchain häufig schneller in Erwartungen übersetzt als abstrakte Roadmap-Kommunikation. Zusätzlich sieht NU7 vor, dass vorübergehend etwa 60 % der Gebühren pro Block „aus dem Umlauf“ entfernt werden, bis Februar 2031. Genau solche Mechanismen werden von vielen Marktteilnehmern als potenziell unterstützend für die Angebotsdynamik interpretiert, auch wenn die tatsächliche Preiswirkung natürlich nicht allein davon abhängt.
Gleichzeitig bleibt das charttechnische Bild bei Zcash mindestens so wichtig wie die Narrative. In dem Text wird beschrieben, dass die jüngsten Gewinne innerhalb eines Abwärtstrends stattfanden, gekennzeichnet durch eine Folge tieferer Hochs und tieferer Tiefs. Nach einem Intraday-Hoch bei 1.693 US-Dollar am 26. September fiel ZEC bis zum 18. Oktober auf 1.048 US-Dollar, bevor es bis zum 21. Oktober auf 1.373 US-Dollar zurücksprang. Danach wurde die Erholung jedoch wieder gedämpft: Am 22. Oktober schloss ZEC bei 1.218 US-Dollar, am 23. Oktober bei 1.182 US-Dollar und am 24. Oktober bei 1.207 US-Dollar. Entscheidend ist zudem das Volumen: Es gab zwar eine Phase, in der das tägliche Handelsvolumen zeitweise über 100.000 ZEC lag (von etwa 20. bis 22. Oktober), aber danach nahm es ab. Wenn ein Rallye-Impuls in so einer Konstellation an Volumen verliert, deutet das oft darauf hin, dass neue Käufer nicht dauerhaft nachrücken, um die Nachfrage der ersten Phase zu stützen.
Monero liefert dagegen eine andere Geschichte, die weniger mit Geschwindigkeit und mehr mit Risikoappetit und Regulierung zu tun hat. Im Bericht wird auf eine regulatorische Kehrtwende beim US-Finanzaufsichtsbereich verwiesen: Am 5. Oktober habe das Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) einen Vorschlag zurückgenommen, der strengere Vorgaben für „Crypto Mixing“ hätte einführen können. Die Mixing-Technik dient dazu, Transaktionsursprünge zu verschleiern und wird oft mit dem Privacy-Charakter von Monero in Verbindung gebracht. Solche Signale wirken an Kapitalmärkten häufig doppelt: Zum einen sinkt das gefühlte Durchsetzungsrisiko, zum anderen erhöht sich das Vertrauen, dass bestehende Nutzungs- und Handelswege nicht kurzfristig verengt werden. Passend dazu wird Moneros 14-Tage-Anstieg mit dieser Stimmungsänderung in Verbindung gebracht.
Technisch bereitet Monero parallel ein Upgrade vor, das die Privacy-Argumente künftig noch konkreter machen soll: FCMP++. Es befindet sich laut Quelle noch im Test, zielt aber darauf, Datenschutzfunktionen deutlich zu verbessern. Das zentrale Versprechen: Transaktionsquellen sollen so verschleiert werden, dass sie unter einer deutlich größeren Menge möglicher Kandidaten „untergehen“. Genannt werden über 150 Millionen Kandidaten im Zielzustand, gegenüber lediglich 16 Kandidaten im aktuellen Design. Für die Sicherheit und Privatsphäre ist das ein fundamentaler Unterschied, weil größere Kandidatenmengen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine Auswertung die echte Quelle statistisch nicht mehr sauber herausdestillieren kann. Ergänzend wird als weiteres mögliches Timing-Fenster ein Short-Squeeze erwähnt: Wer leerverkauft hat, müsste Positionen bei Preisbewegungen unter Umständen teurer zurückkaufen. Gleichzeitig bleibt das hier ausdrücklich spekulativ, weil Daten zu Liquidationen für die Vorwoche nicht veröffentlicht worden seien.
Warum verhalten sich Monero und Zcash trotz ähnlicher Privacy-Zielsetzung so unterschiedlich? Der Bericht nennt zwei strukturelle Gründe. Erstens seien die Märkte bei Privacy-Coins weniger aktiv, wodurch schon kleinere Zu- oder Abflüsse stärkere prozentuale Schwankungen auslösen können. Zweitens unterscheidet sich die Investorenzugänglichkeit. Zcash profitiert laut Text von institutioneller Nachfrage über einen Grayscale-Zcash-ETF, der am 25. August gestartet ist und US-Investoren den Zugang zu ZEC über Standard-Brokerage-Konten ermöglichen soll. In der Quelle wird zudem ein Zuwachs von 136,6 % „year-to-date“ genannt. Monero hingegen handele hauptsächlich über Krypto-Börsen, und regulatorische Bedenken hätten in der Vergangenheit dazu geführt, dass mehrere Plattformen den Handel aus dem Angebot entfernt hätten. Das schafft zwar eine kleinere, häufig stärker fokussierte Community, macht die Marktmechanik aber auch „eckiger“: weniger Liquidität kann kurzfristig helfen, langfristig aber den Handlungsspielraum im Abschwung reduzieren.
Der größere makroökonomische Kontext liefert schließlich die Vergleichsfolie: Bitcoin habe in jüngster Zeit stärker mit externen Faktoren synchronisiert reagiert. In dem Text wird genannt, dass Brent-Öl am 22. Oktober über 111 US-Dollar je Barrel gestiegen sei und damit Inflationserwartungen geschürt habe, was spekulatives Kapital in Richtung Risikoassets ausbremsen kann. Zusätzlich wird erwähnt, dass asiatische und US-Aktien nach Zweifeln an KI-Ausgaben ebenfalls nachgaben. Bitcoin fiel demnach bis auf 79.107 US-Dollar am 24. Oktober. Vor diesem Hintergrund wirken die Privacy-Coins wie ein eigenes „Ökosystem“: Während Bitcoin vor allem das allgemeine Risiko- und Liquiditätsgefühl spiegelt, werden Zcash und Monero stärker von narrativen und operativen Treibern bewegt, also von Upgrade-Erwartungen, institutionellen Zugängen und regulatorischer Risikowahrnehmung.
Ob die Privacy-Coins ihren kurzfristigen Vorsprung halten können, bleibt dennoch fragil. Für Zcash deutet die Quelle darauf hin, dass die Rallye eher auslaufen könnte, insbesondere wenn NU7 nicht wie erwartet im Zeitfenster um den 5. November ankommt oder der Markt die letzten Erwartungen „vor“ dem Ereignis bereits einpreist. Ein konkreter Prüfpunkt wäre laut Bericht ein täglicher Close über 1.316 US-Dollar als Zeichen, dass Käufer die Kontrolle übernehmen; fällt ZEC dagegen unter 1.048 US-Dollar, könnte das den Abwärtstrend wieder bestätigen. Bei Monero gilt als entscheidende Schwelle der Januar-Rekord um 797,73 US-Dollar; zudem wird als Warnsignal beschrieben, wenn XMR in einer Woche stärker fällt als Bitcoin. Für Unternehmen und Portfoliomanager heißt das vor allem: Die aktuelle Outperformance ist eher ein Zusammenspiel aus technischen Fahrplänen und Marktstruktur als ein sauberer Beweis für eine dauerhafte Trendwende gegenüber Bitcoin.
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