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LONDON (IT BOLTWISE) – Steve Forbes stellt die Inflationslogik der US-Notenbank infrage. Er argumentiert, die Fed bekämpfe nicht die wichtigste Quelle der Teuerung, weil sie zu stark auf Zinserhöhungen setze. Stattdessen fordert er eine stärkere Dollar-Politik und ein schnelleres Schrumpfen der Fed-Bilanz. Als Hinweis auf das Argument gelten überraschend robuste Einzelhandelsergebnisse.

Steve Forbes kritisiert die Fed: Dollar stärken statt nur Zinsen erhöhen
Steve Forbes kritisiert die Fed: Dollar stärken statt nur Zinsen erhöhen (Foto: IT BOLTWISE)
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Steve Forbes nutzt ungewöhnlich klare Worte, um ein strukturelles Problem der bisherigen Geldpolitik zu benennen: Nicht der „richtige“ Zinssatz sei das Hauptwerkzeug gegen die aktuelle Inflationslage, sondern der falsche Übertragungsweg. Seine Kernthese lautet, dass die hartnäckige Preissteigerung vor allem durch teurere Importe getrieben werde. In dieser Sichtweise wird Inflation weniger durch eine überhitzte Inlandsnachfrage erklärt, sondern durch Wechselkurs- und Einfuhrkanäle, die sich in den Verbraucherpreisen niederschlagen. Für die Fed verschiebt sich damit die Frage: Welche Stellschraube senkt tatsächlich die Endpreise – und welche bremst vor allem die Kreditvergabe, ohne den Preisdruck an der Quelle zu treffen?

Forbes’ Argumentation setzt bei der Wirkungskette an, die in Zinsschritten traditionell erwartet wird. Steigt der Leitzins, ziehen sich Kreditbedingungen typischerweise zusammen; Unternehmen und Haushalte reagieren mit Zurückhaltung, die Nachfrage sinkt, und Inflationsraten sollten nachlassen. Genau dieser Mechanismus wird jedoch laut Forbes an einem zentralen Punkt „blind“: Wenn eingeführte Güter den Inflationskern prägen, dann bleibt diese Importkomponente trotz straffer Kreditpolitik zunächst bestehen. Ein festerer Dollar würde dagegen Importe relativ verbilligen. Dadurch könnten sich Preissteigerungen schneller zurückdrehen, weil der Kostendruck in der Lieferkette bereits beim Einkauf wirkt – statt erst am Ende der Preisbildung in den Ladenregalen.

Besonders aufmerksam macht in der aktuellen Debatte der Hinweis auf überraschend starke Einzelhandelsergebnisse. Wenn selbst unter geldpolitisch ungünstigeren Bedingungen Nachfrage und Umsatz in Teilen des Retail-Sektors robust bleiben, wirkt das auf den ersten Blick wie ein Widerspruch zu einer rein nachfragegetriebenen Inflationsstory. Forbes nutzt diese Beobachtung, um zu plausibilisieren, dass die Probleme stärker auf der Angebots- und Importseite liegen als auf dem privaten Konsum. Für Unternehmen kann das kurzfristig bedeuten: Margen und Preisstrategien hängen weniger ausschließlich an Finanzierungskosten als an der Dynamik der Importpreise, die wiederum eng mit dem Währungsniveau verknüpft ist.

Ein weiterer Aspekt seiner Forderung zielt auf die Fed-Bilanz. Forbes verlangt, das Bilanzschrumpfen stärker zu beschleunigen, statt es nur graduell fortzusetzen. Der Mechanismus ist dabei weniger intuitiv als eine Zinserhöhung, aber nicht weniger relevant: Eine schnellere Reduktion von Fed-Beständen verknappt tendenziell Liquidität und kann die Zinsstruktur über längere Laufzeiten beeinflussen. Theoretisch ließe sich so die Zinskurve straffen, ohne die Breite der Kreditvergabe in gleicher Härte über den kurzfristigen Refinanzierungskanal zu drücken, wie es hohe Leitzinsen oft indirekt verstärken. Das ist auch der Grund, warum die Debatte um Quantitative Tightening (QT) immer wieder als Ergänzung zu klassischen Zinsschritten diskutiert wird: Nicht nur das Tempo der Straffung, sondern auch die Art der Transmission steht im Zentrum.

Historisch berührt Forbes damit einen anderen geldpolitischen Ansatz, der häufig mit Paul Volcker verbunden wird: In den 1980er Jahren setzte man weniger auf eine fein dosierte Bilanzsteuerung, sondern stärker auf kräftige Zinsimpulse, um die Inflationsdynamik zu brechen. Allerdings verweist Forbes implizit darauf, dass sich die Rahmenbedingungen verändert haben. Kapitalmärkte und Handelsströme sind heute globaler, Lieferketten sind komplexer und Importabhängigkeiten prägen je nach Branche die Kostenbasis deutlich stärker als früher. In einer solchen Umgebung könnte eine modernisierte Strategie tatsächlich andere Prioritäten rechtfertigen: Wechselkursrelevante Effekte und Importpreis-Stabilität würden stärker gewichtet als die reine Eindämmung der Nachfrage über Kreditkanäle.

Damit wird auch die politische Dimension klar: Ein stärkerer Dollar ist keineswegs „für alle“ automatisch vorteilhaft. Exporteure treffen höhere Wechselkurse häufig härter, und Schwellenländer können unter einem global festeren Dollarumfeld Druck spüren, weil Schuldendienst und Finanzierungskosten steigen. Für die Fed würde das die Neutralitätsfrage besonders scharf stellen: Soll die Notenbank Wechselkurse nur als Randfaktor betrachten, oder dürfen geldpolitische Maßnahmen gezielt so ausgerichtet werden, dass Importpreise priorisiert werden? Forbes’ Vorschlag wirkt in dieser Hinsicht weniger wie eine technische Feinjustierung und mehr wie eine Einladung, das Zielsystem der Geldpolitik neu zu ordnen. Unabhängig davon, ob die Fed seinen konkreten Vorschlägen folgt, könnte die Debatte den Fokus der Märkte verschieben – weg von der reinen Zinsprojektion hin zur Frage, wie stark der Importkanal aktuell den Preisauftrieb dominiert.

In der Praxis entscheidet sich die Plausibilität seiner Diagnose an Datenpunkten, die zeitnah sichtbar werden: vor allem an den kommenden Quartalsresultaten im Retail und an der Frage, ob sich die Kosten- und Preisentwicklung tatsächlich schneller entspannt, wenn Wechselkurse stabiler wirken. Gleichzeitig bleibt die Gegenprüfung wichtig: Starke Umsätze können auch andere Ursachen haben, etwa Sortimentsanpassungen, Preisaktionen oder Verschiebungen innerhalb des Konsumkorbs. Für Entscheider heißt das: Forbes’ These ist weniger eine fertige „Alternative“ als ein Perspektivwechsel. Wenn er recht behält, wird die Fed weniger über den Kreditzyklus als über die Importpreisbildung diskutieren müssen.

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