BASEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Novartis meldet für das dritte Quartal 2026 einen Nettoumsatzanstieg um 4% und eine deutliche Verbesserung des operativen Kernergebnisses um 10%. Die operative Kerngewinnmarge klettert auf 41,6%. Gleichzeitig sinken das operative Ergebnis um 61% und der Free Cashflow auf 5,1 Milliarden USD. Das Unternehmen hebt die Prognose für das operative Kernergebnis im Geschäftsjahr 2026 an und verweist auf Fortschritte in mehreren Studienprogrammen.

Novartis hat die Zahlen zum dritten Quartal 2026 vorgelegt und damit ein gemischtes, aber in der Logik des Konzerns stimmiges Bild gezeichnet: Der Nettoumsatz wächst, die Kernprofitabilität legt spürbar zu, während die ausgewiesenen Ergebnisgrößen deutlich unter Druck stehen. Der Nettoumsatz stieg im Quartal um +4% (auf +4% in konstanten Wechselkursen) auf 14,522 Milliarden USD. Gleichzeitig verbesserte sich das operative Kernergebnis um +10% (kWk +11%) auf 6,036 Milliarden USD, und die operative Kerngewinnmarge stieg um 2 Prozentpunkte auf 41,6% des Nettoumsatzes.
Dass das operative Ergebnis dennoch um -61% (in kWk -59%) auf 1,843 Milliarden USD zurückging, wird in der Mitteilung vor allem mit Sonderaufwendungen erklärt. Im Quartal seien höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung angefallen, darunter eine teilweise Wertminderung (In-Process Research & Development) in Höhe von 1,9 Milliarden USD für den Produktkandidaten Del-Desiran. Zusätzlich wirkten höhere sonstige Aufwendungen, die einen Teil der verbesserten Umsatzbasis überdeckten. Auch beim Reingewinn zeigt sich die Diskrepanz: Er fiel um -71% auf 1,196 Milliarden USD, während das Ergebnis je Aktie bei 0,63 USD lag.
Ein zweites, stark beachtetes Signal liefert der Blick auf den Free Cashflow. Im dritten Quartal lag er bei 5,1 Milliarden USD und damit -18% unter dem Vorjahr; als Ursache nennt das Unternehmen einen geringeren Nettogeldfluss aus der operativen Tätigkeit. Über die ersten neun Monate summiert sich der Free Cashflow auf 14,0 Milliarden USD (-12%). In der Gesamtbetrachtung bleibt das jedoch nicht ohne Kontext: Novartis weist gleichzeitig auf eine solide Entwicklung bei den Kernkennzahlen hin und kombiniert das mit Kapitalmaßnahmen, die die Kapitalstruktur aktiv steuern sollen.
Unternehmensseitig wird die Ergebnisentwicklung durch die Produkt-Pipeline und das Portfolio begründet. Im Quartal trieben vor allem priorisierte Marken das Wachstum: Kisqali legte um +37% (kWk) zu, Kesimpta um +22%, Scemblix um +67%, Leqvio um +63% und Cosentyx um +9%. Auch Pluvicto stieg um +20% und profitierte laut Mitteilung von einer anhaltend starken Nachfrage. Ergänzt wird diese Dynamik durch weitere Umsatzbeiträge wie Zolgensma Gruppe (+35%), während Rhapsido nach der Neueinführung in den USA eine starke Akzeptanz zeigt; die Umsätze außerhalb der USA profitierten besonders von der frühen Marktaufnahme in Deutschland und China.
Technisch und regulatorisch interessant sind die genannten Meilensteine, weil sie zeigen, wie Novartis die Pipeline-Abläufe in mehrere Krankheitsfelder parallel vorantreibt. Für Remibrutinib berichten die REMODEL-1- und -2-Studien über positive Phase-III-Ergebnisse bei schubförmiger multipler Sklerose (RMS), wobei das Programm laut Mitteilung den primären Endpunkt erreichte und die annualisierte Schubrate gegenüber Teriflunomid signifikant senkte. Bei Rhapsido wurde die FDA-Zulassung für Erwachsene mit symptomatischem Dermographismus erteilt, die mit H1-Antihistaminika nicht ausreichend behandelt werden können; damit erweitert sich der Einsatzbereich zusätzlich zur chronisch spontanen Urtikaria und zur chronisch induzierbaren Urtikaria. Pluvicto erhielt wiederum in den USA und in China die Zulassung in Kombination mit einem Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor (ARPI) für Patienten mit PSMA-positivem metastasierendem Androgenrezeptor-signalwegmodulations-naivem/sensitivem Prostatakarzinom.
Nicht jede Programmlinie fällt durchgehend positiv aus, und genau diese Differenz ist für die Bewertung der Prognose entscheidend. Im laufenden Kontext nennt Novartis etwa bei Del-Desiran bei myotoner Dystrophie Typ 1 (DM1) ein Ergebnis, das „nicht wie erhofft“ ausfiel; gleichzeitig gebe es Hinweise auf eine klinische Wirksamkeit, und man untersuche die weitere Entwicklung. Für Pelabresib bei Myelofibrose wurde der EU-Zulassungsantrag als eingereicht abgeschlossen und stützt sich auf MANIFEST-2-Daten, während bei Del- Zota in der DMD44-Exon-44-Skipping-Therapie eine vorrangige Prüfung der FDA bewilligt wurde. Besonders auffällig: Novartis hebt die Prognose für das operative Kernergebnis im Geschäftsjahr 2026 an, erwartet aber beim Nettoumsatz weiterhin Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich und für das operative Ergebnis eine Stagnation bis in den niedrigen einstelligen Bereich.
Auch die Kapital- und Bilanzseite wirkt in dieses Bild hinein. In den ersten neun Monaten 2026 kaufte Novartis 30,9 Millionen Aktien für 4,7 Milliarden USD über die zweite Handelslinie an der SIX Swiss Exchange zurück; darin enthalten sind 18,8 Millionen Aktien im Rahmen eines im Juli 2025 bekannt gegebenen Aktienrückkaufprogramms bis zu 10 Milliarden USD (noch bis zu 4,9 Milliarden USD verbleibend). Ergänzend wurden Aktien zurückgekauft, um den Verwässerungseffekt aus Vergütungsplänen zu kompensieren. In der Folge stieg die Nettoverschuldung von 21,9 Milliarden USD zum 31. Dezember 2025 auf 37,4 Milliarden USD per 30. September 2026, vor allem durch M&A-Aktivitäten, Transaktionen mit immateriellen Vermögenswerten und andere Akquisitionen. Für Investoren übersetzt sich das in eine klare Botschaft: Novartis versucht, Wachstumstreiber und Pipeline-Risiken durch operative Kernstärke abzufedern, während die Cash-Generierung im kurzfristigen Verlauf volatil bleibt.
Für die nächsten Quartale dürfte damit vor allem entscheidend sein, ob sich die Kernmarge von 41,6% in den kommenden Updates stabilisiert und ob die im dritten Quartal sichtbar gewordenen Sonderpositionen bei Forschung und Entwicklung nicht erneut zu einem deutlichen Auseinanderlaufen zwischen „operativem Ergebnis“ und „operativem Kernergebnis“ führen. Gleichzeitig sollten die regulatorischen Schritte bei Rhapsido und Pluvicto sowie die Phase-III-Signale bei Remibrutinib die Erwartungshaltung im Markt stützen. Unterm Strich bleibt die Story für 2026: Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich, stärkere Kernprofitabilität und eine angehobene Zielkurve für das operative Kernergebnis – bei gleichzeitiger Offenheit, dass einzelne Programme, wie Del-Desiran, nicht geradlinig verlaufen.
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