LONDON (IT BOLTWISE) – Galaxy Digital hält den Bitcoin-Bärenmarkt seit Juni für beendet und verweist auf eine beginnende Akkumulationsphase. Gleichzeitig zeigen Spot-Bitcoin-ETFs von Ende September bis zum 26. Oktober 254 Millionen US-Dollar Netto-Abflüsse, was eher gegen frische Käuferströme spricht. Ein täglicher Schlusskurs unterhalb der 200-Tage-Linie bei 72.990 US-Dollar würde nach dieser Logik den Bärenmarkt-Case untermauern. Im Markt bleibt damit die Spannung zwischen On-Chain-Signalen und dem aktuellen Kursverlauf bestehen.

Die Frage, ob Bitcoins Bärenmarkt bereits vorbei ist, wirkt in dieser Marktphase weniger wie eine politische Debatte als wie ein regelbasiertes Wettrennen zwischen Indikatoren. Galaxy Digital ordnet den bisherigen Verlauf seit Juni als Wendepunkt ein und spricht von einer Akkumulationsphase, in der geduldige Käufer verfügbare Coins von erschöpften Verkäufern absorbieren. Interessant ist dabei nicht nur die Aussage selbst, sondern das Spannungsfeld: Laut den genannten Marktdaten handelt Bitcoin zwar wieder von einer kurzfristig positiven Tagesbewegung, bleibt aber zugleich deutlich unter dem historischen Hoch von 126.080 US-Dollar.
Zum Zeitpunkt der Betrachtung notiert Bitcoin bei 80.543 US-Dollar, also rund 0,7 % höher innerhalb von 24 Stunden, jedoch 3,6 % tiefer im Oktober und 36,1 % unter dem Peak vom 6. Oktober 2025. Besonders beunruhigend für eine “Bärenmarkt ist vorbei”-These: Der 26. Oktober schloss laut Quelle bei 80.029 US-Dollar und damit auf dem niedrigsten Stand innerhalb eines Monats. Genau in solchen Seitwärts- und Abwärtsphasen trennt sich häufig die Interpretation dessen, was “Akkumulation” praktisch bedeutet: Sie kann sich auch dann abzeichnen, wenn der Preis kurzfristig weiter driftet – oder eben wenn der Markt die vermeintliche Bodenbildung noch nicht ernst nimmt.
Galaxy verknüpft den Stimmungswechsel daher mit drei Indikatoren, die in unterschiedlichen Zeitachsen wirken. Erstens nennt die Argumentationslinie eine 50-Wochen-Moving-Average-Grenze: Diese entspricht dem durchschnittlichen wöchentlichen Schlusskurs über etwa ein Jahr und wird von Tradern häufig genutzt, um bullishe gegen bearishe Regime abzugrenzen. Demnach gab es auf Wochenebene aufeinanderfolgende Schlusskurse oberhalb dieses Niveaus bis zum 18. Oktober. Zweitens spielt die On-Chain-Dynamik langlebiger Inhaber eine Rolle: Galaxy beobachtet bei langfristig inaktiven Wallets weniger ausgegebene Coins pro Jahr seit 2024. Drittens wird als “Risiko-Trigger” das 200-Tage-Moving Average ins Spiel gebracht: Ein Schlusskurs unter 72.990 US-Dollar wäre nach dieser Logik ein Signal dafür, dass der Bärenmarkt intakt bleibt.
Genau an dieser Stelle kollidieren jedoch die On-Chain- und die Nachfrage-Sicht. Obwohl die Analyse von einer Bodenphase ausgeht, zeigen Spot-Bitcoin-ETFs von Ende September bis zum 26. Oktober Netto-Abflüsse in Höhe von 254 Millionen US-Dollar. Netto-Abflüsse bedeuten in diesem Kontext, dass neu geschaffenes ETF-Kapital die Marktverkäufe nicht ausgleicht – zumindest in dem genannten Zeitraum. Das kann mehrere Ursachen haben: Anleger warten ab, tauschen Positionen in andere Vehikel um oder reagieren auf kurzfristige Kursunsicherheit. Für die Praxis heißt das: Selbst wenn langfristige Halter weniger verkaufen, entscheidet die unmittelbare Kaufbereitschaft oft über die Geschwindigkeit, mit der sich ein Bottom auch im Kursverlauf stabilisiert.
Zusätzlich deutet die Quelle auf ein vorsichtiges Verhalten bei US-Käufern und auf Short-Positionen großer Trader auf einer Derivate-Handelsplattform hin. Solche Positionierungen sind nicht automatisch gleichbedeutend mit “steigenden Kursen verboten”, liefern aber einen Hinweis darauf, dass zumindest ein relevanter Teil des kurzfristigen Risikomanagements weiterhin auf abwartende oder defensive Szenarien setzt. Für Unternehmen und Marktteilnehmer, die Bitcoin nicht nur als Spekulationsobjekt, sondern als Bestandteil von Treasury- oder Investment-Strategien betrachten, ergibt sich daraus eine konkrete Lesart: Die Investment-These sollte an messbare Kurs- und Trendbedingungen gekoppelt bleiben, statt sich allein auf die Interpretation einzelner Datenpunkte zu verlassen.
Der Markt beobachtet damit zwei Ebenen zugleich: ein mögliches Fundament aus On-Chain-Verhalten und eine “Marktstimmung”-Schicht, die sich über ETFs und Derivate relativ kurzfristig aktualisiert. Historisch betrachtet ist genau diese Diskrepanz ein wiederkehrendes Muster bei Krypto-Assets: Oft treten langfristige Datenzeichen früher auf als der Preis, weil sie Verkäufe antizipieren oder Kaufbereitschaft anbahnen, während der Kurs erst dann folgt, wenn genug Liquidität die neue Erwartung einpreist. Gleichzeitig zeigt der genannte Trigger beim 200-Tage-Durchschnitt, dass der Bullenfall ohne Bestätigung durch die Kursstruktur nicht als ausgemacht gelten sollte. Für Beobachter bleibt deshalb der gleiche Prüfstein wie in vielen technischen Marktregimen: Hält der Kurs oberhalb der genannten Schwellen, kann die Akkumulation die Oberseite öffnen; unterschreitet er sie, verschiebt sich der Wahrscheinlichkeitsraum wieder in Richtung “Bärenmarkt dauert an”.
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