LONDON (IT BOLTWISE) – XRP-Wal-Adressen halten inzwischen 68,5% der Token – der höchste Wert seit November 2022. Gleichzeitig fällt der Kurs weiter: Die Kryptowährung notiert bei 1,32 US-Dollar, seit Jahresbeginn um 28,9% niedriger. Entscheidend wird nun, ob frisches Kapital über Spot-XRP-ETFs nachzieht oder ob es sich vor allem um Wallet- und Verwahrverschiebungen handelt. Für einen Sprung zurück über 2 US-Dollar müssten mehrere technische Marken deutlich zurückerobert werden.

Die Zahl klingt zunächst wie ein Stimmungswechsel: Laut On-Chain-Auswertungen entfallen auf Wallets mit mindestens 10 Millionen XRP inzwischen rund 68,5% des Gesamtangebots. Dass dieser Anteil so hoch ist wie zuletzt im November 2022, könnte man intuitiv als Bullensignal lesen, doch genau hier beginnt der Knackpunkt. XRP bleibt trotz der Konzentration in großen Beständen in der Schwäche – und der Markt beantwortet damit die Frage, ob „Horten“ bereits „Nachfrage“ bedeutet, bislang eher mit Nein.
Im aktuellen Kursbild spiegelt sich die anhaltende Abwärtsphase deutlich. XRP wird bei 1,32 US-Dollar gehandelt; für den Monat liegt das Minus bei 13,8%, seit Jahresbeginn bei 28,9%. Um wieder die Marke von 2 US-Dollar zu erreichen, müsste XRP rechnerisch um 51,5% zulegen. Interessant ist auch die zeitliche Einordnung: Zuletzt lag der Kurs über 2 US-Dollar am 19. Januar 2026. Damit wird klar, dass es sich nicht um eine kurzfristige Schwankung handelt, sondern um eine Phase, in der Vertrauen in Kursunterstützung und Kapitalzufluss noch nicht stabil genug ist.
Der vermeintlich positive Teil der Nachricht stammt aus der Struktur der On-Chain-Daten: Segmentiert wird nach Wallet-Größen, und die Messung bezieht sich auf Adressen, die 10 Millionen XRP oder mehr halten. In der Praxis kann ein steigender Anteil großer Wallets zwar häufig bedeuten, dass „starke Hände“ Käufe absorbieren und weniger Liquidität zum Verkauf bereitsteht. Gleichzeitig zeigt die Datenlogik aber auch eine Schwäche: Die Kategorie „Wale“ unterscheidet nicht zwingend zwischen neuen Käufen und organisatorischen Verschiebungen. In der gleichen Gruppe landen laut Quelle nicht nur vermögende Einzelpersonen, sondern auch Exchange-Cold-Wallets, ETF-Custodians sowie Treuhand- bzw. Treasury-Adressen von Ripple – alles Adressen, die schnell die Schwelle von 10 Millionen erreichen.
Genau deshalb kann die 68,5%-Kennzahl beim Timing der Marktstimmung täuschen. Wenn etwa eine Börse Bestände aus vielen kleineren Nutzerablagen in wenige Cold-Wallets konsolidiert, verschiebt sich die Zählung nach Wallet-Größen, ohne dass real „neues Geld“ in den Markt strömt. Gleiches gilt, wenn Verwahrstellen ETF-Positionen innerhalb ihres Adress-Sets reorganisieren. Ohne zusätzliche Information lässt sich daher nicht eindeutig zuordnen, ob die gestiegene Wal-Quote auf „echtes“ Akkumulieren neuer Käufer zurückgeht oder eher auf buchhalterische bzw. operative Migrationen von Token zwischen Adresskontexten. Das macht die Kennzahl zwar nicht wertlos, aber interpretatorisch riskant.
Auf der ETF-Seite liefert die Quelle ein Gegenstück, das für viele Anleger als Indikator für frisches Kapital gilt. Am 26. Oktober wurden bei Spot-XRP-ETFs netto etwa 3,6 Millionen US-Dollar abgezogen; kumuliert liegt der Net-Inflow laut Angaben bei rund 1,80 Milliarden US-Dollar und damit knapp unter einem früheren Peak von 1,804 Milliarden US-Dollar (verzeichnet am 22. und 23. Oktober). Seit Ende September hätten mehrere Sitzungen wenig bis keinen Netto-Zufluss gezeigt. Diese Mischung deutet darauf hin, dass der jüngste Anstieg der Wal-Quote entweder durch Umstrukturierungen in Exchange-Wallets entstanden ist oder durch größere Marktteilnehmer, deren Zuflüsse nicht unmittelbar als ETF-Zufluss sichtbar sind. Für die Kursfrage ist damit entscheidend, ob sich die Marktmechanik in den nächsten Sessions in Richtung „nachgelagerter Nachfrage“ dreht.
Auch das technische Bild bremst die Story noch. XRP liegt unter dem 20-Tage-Durchschnitt (1,34 US-Dollar) und unter dem 50-Tage-Durchschnitt (1,40 US-Dollar); als nächstes physisches Auffangniveau wird der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,28 US-Dollar genannt. In den vergangenen 30 Tagen lag das höchste Closing-Level bei etwa 1,52 US-Dollar (4. Oktober), über den 90 Tagen bei rund 1,57 US-Dollar (22. September). Dabei ist XRP in den Peer-Vergleichen ebenfalls zurückgeblieben: Seit Jahresbeginn 2026 steht Bitcoin bei minus 8,4%, Ethereum bei minus 21,7% und Solana bei minus 19,1%, während XRP mit minus 28,9% am schwächsten abschneidet. Zwar zeigt sich kurzfristig etwas Stabilität – nach 24 Stunden liegt XRP mit +2,3% vorn, während Bitcoin bei +1,1% notiert –, doch davon ist noch kein belastbarer Trendwechsel ablesbar.
Historisch zeigt die Quelle zudem, dass Wal-Höchststände allein selten den finalen Auslöser liefern. Das Peak-Niveau der Wal-Bestände im November 2022 fiel zwar nahe an ein zyklisches Tief, die große Rally kam aber erst Jahre später und wurde durch zusätzliche Faktoren verstärkt, unter anderem durch Gerichtsurteile und eine günstigere regulatorische Lage. Für das heutige Szenario gilt daher: Die 68,5% wirken eher wie ein möglicher Hintergrundwind als wie ein fertiger Katalysator. Um rechnerisch zu den 2 US-Dollar zurückzukehren, skizziert die Quelle eine „sequenzielle“ Erholungslogik: erst zurück über den 20-Tage-Durchschnitt bei 1,34 US-Dollar, dann über den 50-Tage-Durchschnitt bei 1,40 US-Dollar, anschließend die 30-Tage-Schlussmarke nahe 1,52 US-Dollar zurückerobern. Erst danach bliebe noch der Kraftakt, den restlichen prozentualen Abstand von 51,5% aufzuholen.
Für Anleger ergeben sich daraus zwei klare Trigger, die die Wal-Story entweder bestätigen oder entkräften. Der „Flow-Trigger“ wäre eine Phase positiver täglicher ETF-Zuflüsse, die den Gesamt-Nettozufluss wieder über den in der Quelle genannten Peak von 1,804 Milliarden US-Dollar hebt. Der „Preis-Trigger“ wäre ein entscheidender Close über dem 50-Tage-Durchschnitt bei 1,40 US-Dollar – ein Signal, dass die Nachfrage nicht nur in Wallet-Statistiken, sondern auch im Kursverhalten sichtbar wird. Umgekehrt würde ein Rückfall unter den 200-Tage-Durchschnitt bei 1,28 US-Dollar die Wal-Quote eher als Zeichen von Exchange- oder Verwahr-„Buchführung“ erscheinen lassen und damit weniger als Bodenbildung. Bis einer dieser Pfade dominiert, bleibt das 68,5%-Signal zwar beobachtenswert, aber noch nicht ausreichend, um das Comeback über 2 US-Dollar belastbar zu untermauern.
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