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LONDON (IT BOLTWISE) – Datavault AI verliert offenbar den Zugriff auf einen Teil von Bitcoin, der im Rahmen eines 150-Millionen-Deals verknüpft wurde. Die Aktie von Datavault AI (DVLT) stürzte am Dienstag um 49,6% auf nahe 0,067 US-Dollar ab. Laut Unternehmensangaben kann das Unternehmen einen Bitcoin-Abzug von einem Wallet, das bei einer Drittbörse geführt wird, aktuell nicht abschließen. Zusätzlich rechnet das Management mit einer notwendigen Neufassung mehrerer Quartalsabschlüsse wegen eines Buchhaltungsfehlers.

Datavault AI verliert Bitcoinzugang: Aktie bricht nach 150-Millionen-Deal um 50% ein
Datavault AI verliert Bitcoinzugang: Aktie bricht nach 150-Millionen-Deal um 50% ein (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Kurssturz trifft nicht einfach eine einzelne Kennzahl, sondern rührt an der Kernfrage, wie liquide Kryptowährungsbestände in der Bilanz eines börsennotierten Unternehmens überhaupt funktionieren. Datavault AI (DVLT) meldete per Form 8-K bei der US-Börsenaufsicht, dass es einen „significant amount“ an Bitcoin aus einem Wallet, das von einer Drittplattform (Bitconomy) verwaltet wird, derzeit nicht zurückziehen kann. In der Folge sank die Aktie am Dienstag um 49,6% auf nahezu 0,067 US-Dollar, während zugleich knapp 250 Millionen Aktien umgesetzt wurden – ein Vielfaches des vorherigen Handelstages. Für Investorinnen und Investoren wirkt das wie ein plötzlicher Liquiditätsknick, obwohl die Ursache zunächst „nur“ die fehlende Auszahlbarkeit betrifft.

Technisch liegt dem Konflikt ein mehrstufiges Zahlungs- und Buchungsmodell zugrunde: Im September 2025 schloss Datavault AI eine Securities Purchase Agreement mit Scilex Holding Co. Danach sollten 15 Millionen Datavault-AI-Aktien im Volumen von 150 Millionen US-Dollar über Bitcoin bezahlt werden. Zusätzlich sah die Vereinbarung einen pre-funded warrant vor, der mehr als 263,9 Millionen Aktien abdeckt; auch hier sollte die Zahlung in Bitcoin erfolgen. Im Text der Meldung wird ein Umrechnungsschema genannt: etwa 1.328,43 BTC zu einem Preis von 112.915,52 US-Dollar pro Bitcoin. Entscheidend ist aber, dass die Kryptowährung zunächst einem firmeneigenen digitalen Wallet gutgeschrieben wurde, während die eigentliche Übertragung als Offchain-Transfer beschrieben wird – ein Modell, bei dem die Abgrenzung zwischen „Blockchain-Zahlung“ und „Wallet- bzw. Exchange-Kontrolle“ in der Praxis die entscheidende Stelle bleibt.

Zwischen September 2025 und Januar 2026 verkaufte Datavault AI einen Teil des gutgeschriebenen Bitcoins an Scilex zurück und erzielte daraus etwa 40,5 Millionen US-Dollar in bar. Damit wurde die Verfügbarkeit der Bestände zumindest in dieser Phase praktisch nachgewiesen. Doch im Juni 2026 stellte das Unternehmen den Antrag, den Bitcoin aus dem Biconomy-Wallet auf ein externes Konto zu verschieben – und genau dieser Abzug gelingt bis zur 8-K-Meldung offenbar nicht. Die Unternehmensangabe bleibt dabei bewusst knapp: Es wird nur festgehalten, dass die Auszahlung nicht abgeschlossen werden konnte, ohne weitere technische oder prozessuale Erklärung zu liefern. Für den Markt ist das besonders schwer einzuordnen, weil die wirtschaftliche Substanz zwar im Bitcoin steckt, die Realisierbarkeit aber an die Funktionalität, Policies oder Abwicklungsbedingungen des Drittanbieters gekoppelt ist.

Neben dem operativen Abzugsthema taucht in der gleichen Meldung eine zweite Ebene auf: die Bilanzierung. Datavault AI schreibt, dass der Bitcoin, der im Zusammenhang mit dem Scilex-Transaktionsblock stand, die Kriterien für die Anerkennung als „company digital asset“ nicht erfüllt habe. Stattdessen seien die Beträge als subscription receivable aus der Aktienemission zu erfassen gewesen, ausgewiesen als Reduktion des Eigenkapitals. Das ist mehr als ein buchhalterischer Detailfehler, denn das Management führt aus, dass es zuvor Bitcoin-Bestände als Quelle von Liquidität berücksichtigt habe. Wenn die Bilanzierung nachträglich korrigiert wird, verändert das nicht nur Kennzahlen wie Gesamtvermögen, sondern kann auch die Einschätzung zur Going-Concern-Situation beeinflussen – genau das wird im Text als „reassessing“ bezeichnet, während die Sammlung der ausstehenden Beträge von Scilex als unsicher gilt.

Die Konsequenzen für die Finanzberichterstattung sollen in einer Neufassung („restatement“) sichtbar werden. Datavault AI kündigt an, die betroffenen Abschlüsse zu korrigieren, nennt aber noch keinen Zeitpunkt für die Einreichungen. Gleichzeitig gibt das Unternehmen konkrete Größenordnungen an: Die Neufassungen werden voraussichtlich das Gesamtvermögen um 8,1 Millionen US-Dollar, 92,2 Millionen US-Dollar, 57,1 Millionen US-Dollar und 49 Millionen US-Dollar zu Stichtagen am 30. September 2025, 31. Dezember 2025, 31. März 2026 und 30. Juni 2026 reduzieren. Solche Zeitreihen-Effekte sind für den Markt oft „überraschungsfähig“, weil sie historische Bewertungslogiken neu justieren und dadurch Bewertungsmodelle, Risikoaufschläge und auch die Erwartung an die Kapitaldecke beeinflussen.

Für die Einordnung lohnt sich auch ein Blick darauf, was diese Episode an der Schnittstelle von Krypto-Finanzierung und klassischer Kapitalmarktberichterstattung offenlegt. Der Fall zeigt, dass selbst bei einer nominalen Zahlung in Kryptowährung die Liquidität in der Unternehmenssteuerung nicht automatisch „on-chain“ verfügbar ist, sondern an Drittprozesse gebunden sein kann: Wallet-Governance, Withdrawal-Freigaben, technische Limits oder Abwicklungsregeln. Dazu kommt die Frage, wie solche Transaktionen in US-Reporting-Systemen abgebildet werden, etwa bei der Trennung zwischen Vermögensanspruch, Finanzierungsinstrument und digitalem Asset. Dass Datavault AI zusätzlich erwähnt, die Unternehmensleitung müsse ihre Going-Concern-Einschätzung nachjustieren, unterstreicht, wie schnell operative Probleme in der Krypto-Nutzung in bilanzielle und damit auch in reputative Risiken hineinspielen.

Unklar bleibt zum aktuellen Zeitpunkt, warum der Abzug im Juni 2026 scheiterte und warum die 8-K-Meldung keine weitere Begründung nachliefert. Datavault AI nennt das Verfahren schlicht als nicht abgeschlossen und kündigt eine spätere Korrektur der Abschlüsse an. Für Stakeholder stellt sich damit eine Doppelprüfung: Erstens, ob der Rückzug des Bitcoins technisch und vertraglich doch noch möglich wird, und zweitens, welche Auswirkungen die Neubewertung der Transaktion auf die zukünftige Finanzplanung hat, insbesondere solange unklar ist, wann die restated filings eingereicht werden. Bis dahin bleibt der Kurs anfällig, weil der Markt die Lücke zwischen „gutgeschriebenem Bitcoin“ und „tatsächlich verfügbarer Liquidität“ in der Bewertung deutlich stärker gewichtet.

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