LONDON (IT BOLTWISE) – Peter Schiff rät Anlegern erneut, Bitcoin zu verkaufen und stattdessen Gold zu kaufen. Seine jüngste Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, in dem Bitcoin rund 35% unter dem Allzeithoch liegt und zuletzt in Richtung 80.000 US-Dollar schwankte. Technisch betrachtet liefert das Argument zum „besseren Abschneiden“ von Gold im laufenden Jahr zwar einen Punkt, die Richtung für den nächsten großen Move wirkt jedoch aus der bisherigen Trefferquote heraus unsicher. Entscheidend wird nun, ob Bitcoin Unterstützungen wie 57.717 US-Dollar nachhaltig verteidigt oder darunter fällt.

Peter Schiff ist zurück in der Debatte um Krypto: Er fordert Bitcoin-Investoren auf, Bestände abzustoßen und Gold zu kaufen. Der Kern seines aktuellen Arguments ist weniger ein neues Modell als eine bekannte Leitidee – Gold als „krisenresistenter“ Hafen, Bitcoin als Asset mit zu hohem Abwärtsrisiko. Der Zeitpunkt ist dabei nicht zufällig: Bitcoin notiert laut dem Stand vom 16. Oktober 2026 bei 81.548 US-Dollar, also zwar +6,8% im Monatsvergleich, aber -1,7% gegenüber der Vorwoche. Gleichzeitig liegt der Kurs 35,3% unter dem Allzeithoch von 126.080 US-Dollar, das am 6. Oktober 2025 erreicht wurde.
Aus historischer Sicht ist Schiffs Sichtweise vor allem wegen der wiederkehrenden „Sell“-Signale interessant – und zugleich angreifbar. In mehreren früheren Durchläufen traf er zwar einzelne Zeiträume oder Preiszonen im Nachhinein „gefühlt“, verfehlte aber den größeren Bewegungsimpuls. Am 18. Juni 2022 warnte er, der Crash habe gerade erst begonnen und Bitcoin werde nicht zurückkommen; tatsächlich erreichte Bitcoin später ein Allzeithoch von 126.080 US-Dollar am 6. Oktober 2025. Am 9. Februar 2026 bezeichnete er 126K als möglicherweise letztes Allzeithoch; aktuell liegt der Kurs jedoch weiterhin 35,3% unter diesem Niveau. Auch bei der kurzfristigen Prognose „Support bei 58.000“ am 30. Juni 2026 folgte eine Stabilisierung: Bitcoin rutschte kurz bis 57.717 US-Dollar und sprang anschließend wieder an.
Gleichzeitig ist Schiffs heutiger Vergleich zwischen Gold und Bitcoin nicht völlig aus der Luft gegriffen. Für 2026 lässt sich tatsächlich beobachten, dass Gold in dem betrachteten Zeitraum weniger nachgibt als Bitcoin: Gold verlor von rund 4.354 US-Dollar zum Jahresende 2025 bis etwa 4.155 US-Dollar am 16. Oktober, was einem Rückgang von 4,6% entspricht. Bitcoin dagegen schloss das Vorjahr bei ungefähr 87.498 US-Dollar und fiel seit Jahresbeginn um 6,8%. Der Haken liegt jedoch in der Preisbiografie innerhalb des Jahres: Gold erreichte bereits früher im Verlauf markante Höchststände und notierte laut den Angaben ab einem Februar-Startwert von rund 5.279 US-Dollar inzwischen 21,3% tiefer. Damit wird aus „Gold hält besser durch“ schnell „Gold fällt von höherem Ausgangsniveau stärker aus“ – eine Feinheit, die für die Bewertung der relativen Stärke entscheidend ist.
Der Makro-Mechanismus, der hinter der gleichzeitigen Belastung von Gold und Bitcoin steckt, ist zudem plausibel und erklärt, warum „nur Gold statt Bitcoin“ nicht automatisch als Sicherheitsgewinn funktioniert. In den USA stieg die Inflation im September laut den genannten Daten auf 3,7% nach 3,4% im August, und die Federal Reserve erhöhte am 16. September die Zinsen. Weil weder Gold noch Bitcoin einen laufenden Zins auszahlen, geraten sie in Phasen steigender oder stabil hoher Realrenditen in einen relativen Nachteil gegenüber zinstragenden Anlagen. Besonders bei Bitcoin kommt ein zweiter Hebel hinzu: Die Kursbewegungen werden häufig über Leverage verstärkt, weil viele Positionen mit geliehenem Kapital arbeiten und Stopps oder Liquidationsschwellen existieren.
Genau diese „Hebel-Kaskade“ wird im aktuellen Kontext greifbar. Als Bitcoin am 15. Oktober unter die 80.000-US-Dollar-Marke gerutscht ist, sollen etwa 972 Millionen US-Dollar an Positionen liquidiert worden sein. Dabei entfielen 91,7% der Liquidationen auf Long-Positionen – ein typisches Muster, wenn der Markt nicht nur gering nach unten korrigiert, sondern Momentum und Sicherheitsanker gleichzeitig verliert. Solche Liquidationen sind nicht nur „Folgen“, sondern treiben kurzfristig Liquidität und Marktmechanik an: Wer Collateral verliert, wird zwangsgeschlossen, dadurch beschleunigt sich der Abwärtsdruck oft in einer Phase niedrigerer Käuferpräsenz. Dazu passt auch die Einordnung, dass Bitcoin seit fast einem Jahr in einem Abwärtstrend steckt: Erst am 13. November 2025 fiel der Schlusskurs erstmals unter 100.000 US-Dollar; seitdem wurde dieses Niveau nicht mehr erreicht. Der 2026er Hochpunkt lag laut den Angaben am 14. Januar bei etwa 97.964 US-Dollar – also nur wenige Wochen vor dem Zeitpunkt, an dem Schiffs Argumente auf ein „letztes Allzeithoch“ hinausliefen.
Die Frage, ob er „diesmal“ richtig liegt, hängt deshalb weniger an der Metapher Gold vs. Bitcoin und mehr an konkreten Preisniveaus und deren Bestätigung. Schiffs aktuelle Logik, Bitcoin werde weiter abrutschen, setzt im Artikel-Setup darauf, dass der Markt nicht bei 57.717 US-Dollar Halt macht. Seine frühere Prognose geht in eine Richtung: Wenn Bitcoin unter dem späten-Juni-Tief von 57.717 US-Dollar schließt und anschließend auch die Zone unter 50.000 US-Dollar durchbrechen kann, würde sich der strategische Kern seiner These realisieren. Bleibt der Kurs dagegen über 57.717 US-Dollar in den kommenden Monaten stabil, würde das wie bereits zuvor gegen eine lineare „Sell“-These sprechen. Interessanterweise zeigt der Vergleich seiner jüngsten Aussagen ein Muster: Bei der 58.000-US-Dollar-Unterstützung zweifelte er und Bitcoin prallte ab; bei der 65.000-US-Dollar-Resistance warnte er und der Kurs legte stattdessen um 26,1% zu.
Für Investoren und Entscheider ergibt sich daraus eine eher nüchterne Schlussfolgerung: Gold kann 2026 zwar besser performen als Bitcoin, aber der Markt ist damit nicht automatisch „entschieden“. Die Zinsrichtung wirkt bei beiden Assets, Leverage kann bei Bitcoin kurzfristig Stürze beschleunigen, und die tatsächliche Signalqualität zeigt sich am Ende an Reaktionsmustern um konkrete Schwellen. Wenn Bitcoin die genannten Marken verteidigt, werden Schiffs Warnungen erneut eher als verfrühte Absicherung erscheinen. Wenn der Abverkauf jedoch durchschlägt, wäre die Story plötzlich wieder plausibel – allerdings erst dann, wenn die Bestätigung durch Kursbewegungen tatsächlich eintritt, nicht nur durch die Existenz einer guten rückblickenden Erzählung.
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