LONDON (IT BOLTWISE) – VanEck knüpft seine Bitcoin-Bewertung eng an die Entwicklung des Goldpreises. In einem Interview begründet Matthew Sigel die Logik: Das Verhältnis Bitcoin zu Gold lasse Raum für eine Verdopplung, wenn Bitcoin künftig stärker zulegt als das Edelmetall. Als „North Star“ nutzt VanEck dabei die Hälfte der Gold-Marktkapitalisierung und leitet daraus ein Kursziel von etwa 500.000 US-Dollar ab. Zugleich hält Sigel quantenrechnerische Risiken für relevant, aber nicht für ein Verkaufssignal.

VanEck setzt bei seiner Bitcoin-Einschätzung auf eine ungewöhnlich direkte Verknüpfung mit einem klassischen Anlageanker: Gold. Der entscheidende Punkt in der Argumentation von Matthew Sigel, Head of Blockchain Research bei VanEck, ist das Verhältnis „Bitcoin zu Gold“, das im Kern misst, wie viele Unzen Gold eine Einheit Bitcoin kaufen kann. Sigel ordnet die aktuelle Lage als frühe Phase einer Erholung ein und verknüpft den jüngsten Anstieg zugleich mit dem Verhalten am Markt: Er beschreibt die Bewegung als eine Art „short covering, sellers exhaustion rally“, also als Rally, die durch das Eindecken von Short-Positionen und zunehmende Erschöpfung auf der Verkäuferseite verstärkt wird.
Damit rückt weniger eine einzelne News in den Fokus als die Mechanik der Nachfrage über börsengehandelte Produkte. Sigel argumentiert, dass der jüngste Schub durch „real money“ unterstützt werde, konkret durch Zuflüsse in Bitcoin-Exchange-Traded-Funds. In diesem Kontext wird auch erklärt, warum der Gold-Benchmark für VanEck so wichtig bleibt: Sigel spricht davon, dass die Korrelation zwischen Bitcoin und Gold inzwischen auf ein Mehrjahreshoch gestiegen sei. Für Investoren bedeutet das praktisch, dass beide Anlageklassen zeitweise wieder stärker gemeinsam reagieren – was das Bewertungsmodell deutlich stützt, weil es eben genau diese Kopplung als Grundlage nutzt.
Technisch wird das Modell über einen einfachen, aber wirkungsvollen Hebel übersetzt: den Bitcoin-to-gold-Ratio. Sigel verweist darauf, dass der Wert dieses Verhältnisses im Sommer auf etwa 16 bis 17 gefallen sei, nahe Mehrjahrestiefs, während frühere Hochs rund bei 40 gelegen hätten. Daraus leitet er die theoretische Konsequenz ab, dass Bitcoin gegenüber Gold „verdoppeln“ könnte. VanEck operationalisiert das langfristige Upside-Szenario dann über eine „North Star“-Logik, bei der das Unternehmen die Hälfte der Gold-Marktkapitalisierung als Referenzgröße verwendet. In der Übersetzung auf Bitcoin ergibt sich daraus das genannte Kursziel von etwa 500.000 US-Dollar – ein Szenario, das laut Sigel entweder innerhalb dieses oder im nächsten Zyklus eintreten könnte.
Wichtig ist dabei die praktische Portfolioebene: Sigel stellt den Vergleich nicht als 1:1-Substitution dar, sondern betont unterschiedliche Risikoprofile. Bitcoin sei etwa dreimal so volatil wie Gold, deshalb sollten Investoren die Positionen in Größe und Gewichtung getrennt steuern. VanEck liefert als Beispiel zudem einen Blick auf die eigene Allokation: Das Unternehmen hält demnach rund 2% seiner Vermögenswerte in Digital-Asset-Strategien und etwa 13% in Gold sowie Goldminen. Dieser Ansatz signalisiert, dass VanEck nicht nur auf Theorie setzt, sondern die Gold-Komponente als Stabilitäts- und Bewertungsanker im Portfolio betrachtet.
Auch andere Vermögensverwalter verfolgen eine Relationen-Story, nur mit anderer Interpretation. In der gleichen Debattenlage verweist Sigel auf die Position von Cathie Wood von ARK Invest: Sie ordnet ebenfalls einen „Turn“ für Bitcoin gegenüber Gold an, liest das Verhältnis jedoch anders. Woods Studie habe laut den Angaben den Zusammenhang zwischen den beiden Assets seit 2019 als gering bis nicht vorhanden eingestuft; zugleich habe sich die Beziehung jüngst in den negativen Bereich gedreht. Für Unternehmen und Investoren ist das ein Hinweis darauf, dass nicht allein die Korrelation zählt, sondern auch, welches Regime man erwartet und wie man die Zeitdimension bewertet.
Beim Risiko-Teil bleibt Sigel differenziert: Er verwirft den Gedanken „Quantensysteme als Verkaufsgrund“ nicht, sondern stellt ihn in einen Kontext. Quant Computing bezeichnet er als reales Risiko – allerdings argumentiert er, dass Bitcoin kein zentrales Management hat, das im Krisenfall schnell Code-Änderungen anordnen könnte. Trotzdem sieht er keinen unmittelbaren Anlass, deshalb aus dem Asset auszusteigen. Parallel benennt Sigel makroökonomische Kernrisiken: Hohe US-Staatsanleiherenditen könnten „etwas kaputtmachen“ und die Märkte destabilisieren. Interessant ist dabei die Gegenrichtung, die er beschreibt: Falls Kapital aus dem KI-Boom abgezogen wird, könne es – „tatsächlich kontraintuitiv“ – teilweise wieder in Bitcoin fließen, auch weil ein Teil der Finanzierung für den KI-Ausbau über Schulden organisiert gewesen sei.
Für die Einordnung ist zudem relevant, wie Sigel die Rolle regulierter Infrastruktur bewertet. Er erwartet bei einer Finanzmarktkrise zwar Belastungen über alle Märkte hinweg, rechnet aber mit einer Gegensteuerung durch politische Maßnahmen, die er mit „money printing“ umschreibt. Gleichzeitig sieht er Bitcoin heute in einer besseren Position als im letzten Abschwung: ETFs hätten frühere Probleme rund um Verwahrung („custody“) weitgehend gelöst, und ein Großteil des Leverage sei inzwischen in reguliertere Umfelder verlagert worden. Am Markt selbst lag der Bitcoin-Kurs nach der beschriebenen Momentaufnahme über 85.000 US-Dollar; zudem verweist Sigel auf die Stimmung im Retail-Lager, die zuletzt eher bearish gewesen sein soll. Für Strategen ergibt sich daraus eine typische Spannungslage: Während das Modell auf Gold als Bewertungsanker setzt, entscheidet die Umsetzung im Portfolio über Risikogewichtung, Liquidität und die Frage, wie stark Korrelationen in zukünftigen Marktphasen wirklich stabil bleiben.
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