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LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin kontrolliert aktuell 59,5% des Krypto-Markts, gemessen als Bitcoin-Dominanz. Der Wert spiegelt vor allem eine Schwäche vieler Altcoins wider, während Bitcoin selbst nur moderat fällt. Für eine Altcoin-Season müssten mehrere Signale kippen, darunter das ETH/BTC-Verhältnis und die Mittelströme in Anlageprodukte. Ob sich die Rotation tatsächlich anbahnt, hängt an konkreten ETF- und Kursindikatoren.

Bitcoin-Dominanz bei 59,5%: Lässt sich trotzdem eine Altcoin-Season starten?
Bitcoin-Dominanz bei 59,5%: Lässt sich trotzdem eine Altcoin-Season starten? (Foto: IT BOLTWISE)
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Die aktuelle Diskussion um eine mögliche Altcoin-Season beginnt nicht mit einem Hype, sondern mit einer Zahl: Bitcoin dominiert den gesamten Krypto-Markt derzeit mit 59,5%. Diese Bitcoin-Dominanz wird als Anteil der Marktkapitalisierung von Bitcoin an der gesamten Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen verstanden. Damit wird sichtbar, wie stark das Marktgeschehen in Richtung Bitcoin gebündelt ist – und genau dieses Bild beobachten Trader und Altcoin-Anleger, weil es oft als Stimmungsindikator für Kapitalflüsse taugt.

Rein rechnerisch entsteht der Wert aus Preis mal zirkulierender Supply. In der zugrunde liegenden Momentaufnahme liegt die Marktkapitalisierung von Bitcoin bei 1,62 Billionen US-Dollar, während Ethereum auf 10,5% davon kommt. Entscheidend ist jedoch die Interpretation: Steigt die Dominanz, gilt das häufig als „risk-off“-Signal, bei dem Marktteilnehmer eher in Bitcoin als vermeintlich stabileren Hafen wechseln. Sinkt sie, wird das eher als „risk-on“-Voraussetzung gelesen, weil Kapital in kleinere, volatilere Altcoins abwandert. In der Praxis kann das aber auch schlicht bedeuten, dass Altcoins schneller verlieren als Bitcoin – was gerade im Fokus steht.

In der betrachteten Zeitspanne ist genau dieses Muster zu erkennen: Bitcoin fällt im Monatsvergleich um 3,0%, während Ethereum um 12,5% nachgibt. Noch deutlicher schwächelt Solana mit -14,5%, XRP verliert -11,9%, und selbst Cardano wird mit -17,5% deutlich schlechter dargestellt. Für die Frage, ob Altcoins „schon durch“ sind oder ob die Abwärtsbewegung noch nicht abgeschlossen ist, ist das deshalb wichtiger als die Frage, ob Bitcoin selbst kurzfristig schwankt. Eine hohe Bitcoin-Dominanz kann nämlich auch dann entstehen, wenn niemand besonders Bitcoin kauft, sondern Altcoins schlicht schneller entwertet werden. Zusätzlich verändert die Messlogik das Bild: Die Dominanz-Berechnung umfasst auch Stablecoins, also dollargebundene Token. Wenn sich Marktteilnehmer zur Sicherung in Stablecoins zurückziehen, kann die Dominanz fallen – ohne dass gleichzeitig „Altcoin-Kaufkraft“ entsteht.

Das führt direkt zur nächsten Beobachtung: Die Marktstimmung wirkt in der Ausgangslage eher neutral. Der Fear & Greed Index liegt bei 48 auf einer Skala von 0 bis 100, wobei niedrige Werte eher Angst signalisieren. Gegenläufiges Handeln funktioniert statistisch besonders dann, wenn viele Verkäufer bereits ausgestiegen sind; bei 48 ist der Umschwung der Stimmung laut dieser Logik noch nicht vollständig durchgespielt. Gleichzeitig wird in der Marktdeutung ein anderer Hebel genannt: In der gleichen Quelle wird auf eine Einschätzung von Alex Thorn, Head of Research bei Galaxy, verwiesen, wonach das Bärenmarkt-Ende bereits im Juni gelegen habe. Als Tiefpunkt wird dabei ein Niveau unter 58.000 US-Dollar für Bitcoin genannt; danach habe sich eine Akkumulationsphase gebildet, die historisch häufiger Preissteigerungen vorwegnimmt. Dass Bitcoin über 90 Tage um 24,5% gestiegen ist, passt auf den ersten Blick zu dieser Argumentation.

Ob daraus tatsächlich eine Altcoin-Rotation wird, bleibt jedoch an mehrere Bedingungen gekoppelt. Erstens müsste die Bitcoin-Dominanz wieder fallen, zweitens müsste das ETH/BTC-Verhältnis zulegen – denn Ethereum gilt in vielen Marktmodellen als führender Altcoin. Drittens werden Zuflüsse in Anlageprodukte als Realitätscheck herangezogen: Am 27. Oktober werden bei Spot-Bitcoin-ETFs Zuflüsse von 176 Millionen US-Dollar genannt, nach 110 Millionen US-Dollar am 26. Oktober und einem Abfluss von 635 Millionen US-Dollar am 22. Oktober. Die kumulierten Nettomittel werden mit 57,47 Milliarden US-Dollar beziffert. Im selben Zeitraum wirkt es jedoch so, als stünden Altcoin-Fonds unter Druck: Bei US-Spot-Solana-ETFs werden Abflüsse von 19 Millionen US-Dollar am 27. Oktober und 8 Millionen US-Dollar am 26. Oktober beschrieben; die Netto-Vermögensbasis soll von 1,94 Milliarden US-Dollar am 29. September auf 1,54 Milliarden US-Dollar gesunken sein. Für XRP-ETFs wird am 27. Oktober kein Netto-Flow berichtet, nachdem am 26. Oktober 3,6 Millionen US-Dollar abgeflossen sein sollen. Genau solche Unterschiede zwischen Produktkategorien werden häufig als Hinweis darauf gewertet, ob „Breite“ in der Rotation entsteht – oder ob sich Kapital weiterhin überwiegend bei Bitcoin konzentriert.

Auch die Kurslage untermauert den ambivalenten Befund. Ethereum wird mit 2.334 US-Dollar eingeordnet, was 4,2% unter dem 20-Tage-Durchschnitt von 2.435 US-Dollar und 8,1% unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 2.540 US-Dollar liegt. Gleichzeitig bleibt Ethereum aber noch 8,1% über dem 200-Tage-Durchschnitt von 2.158 US-Dollar – ein Signal, dass die größere Trendbasis noch nicht vollständig „gekippt“ ist. Insgesamt gilt damit: Eine Altcoin-Season ist zwar grundsätzlich möglich, die Datenlage deutet zum Zeitpunkt der Momentaufnahme jedoch nicht auf eine beginnende breite Rotation hin. Die vorherrschende 59,5% Dominanz wirkt vor allem wie eine Folge von Altcoin-Schwäche statt wie ein Ausdruck starker, neuer Bitcoin-Nachfrage. Für Anleger bedeutet das: Entscheidend wird nicht nur, ob Bitcoin „hält“, sondern ob ETH/BTC, ETF-Zuflüsse und die Dominanzbewegung gleichzeitig in Richtung Altcoins drehen.

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