GARBSEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Laserspezialist LPKF ist in den ersten neun Monaten weiter in die Verlustzone gerutscht. Der Umsatz fiel um 28 Prozent auf 60,3 Millionen Euro, während das bereinigte Ebit auf minus 8,9 Millionen Euro kippte. Besonders das Solargeschäft leidet unter aufgeschobenen Investitionen im Zuge des Technologiewechsels zu Perowskit-Solarzellen. Parallel treibt das Unternehmen sein Sparprogramm „North Star“ sowie einen Umbau der Organisation bis 2027 voran.

LPKF liefert mit den Zahlen für die ersten neun Monate ein klares Signal: Das schwache Solargeschäft und Verzögerungen aus der Halbleiterindustrie reichen derzeit nicht aus, um die Ergebnisbremse zu lösen. In Garbsen bestätigte Vorstandschef Klaus Fiedler die bereits gesenkte Jahresprognose; gleichzeitig läuft ein Umbau mit Sparprogramm und Stellenanpassungen auf Hochtouren. An der Börse wurde die Lage am Vormittag sichtbar, als die Aktie im SDAX-Kosmos mehr als sieben Prozent verlor und damit zum Schlusslicht wurde. Dass im dritten Quartal trotz Umsatzrückgang ein positives Ergebnis erzielt werden konnte, wirkt eher wie ein Lichtstreifen als wie eine Trendwende.
Die finanzielle Ausgangsbasis bleibt anspruchsvoll. Der Umsatz sank im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 60,3 Millionen Euro. Besonders spürbar ist die operative Belastung: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verschlechterte sich auf minus 8,9 Millionen Euro, nach minus 0,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich steht ein Verlust von 13,7 Millionen Euro, nachdem im Vergleichszeitraum noch gut 5 Millionen Euro erwirtschaftet worden waren. Aus technischer und kaufmännischer Sicht ist das Muster nachvollziehbar: Wenn Volumina in einzelnen Endmärkten wegbrechen und sich gleichzeitig Bestellungen im Halbleiterumfeld nach hinten schieben, trifft das nicht nur den Umsatz, sondern auch die Fixkostenhebel in Entwicklung, Produktion und Service.
In den einzelnen Geschäftsbereichen zeigt sich gleichzeitig, wo LPKF Tempo machen kann. Der Bereich Electronics konnte zulegen; als Treiber wird vor allem die Nachfrage nach der Tensor-Technologie für die Laserbearbeitung genannt. Dabei ist wichtig, dass Laserbearbeitung in vielen Fertigungsschritten nicht nur „ein Prozess“ ist, sondern oft den Engpass für Qualität, Ausbeute und Durchlaufzeit. Sobald Kunden ihre Prozessfenster stabilisieren, entstehen damit auch wieder planbare Investitionszyklen. Umgekehrt trifft das Solargeschäft derzeit besonders hart: Kunden schieben Investitionen im Blick auf den Technologiewechsel zu Perowskit-Solarzellen auf. Das deutet darauf hin, dass sich für LPKF kurzfristig weniger Projekte realisieren lassen, während die Industrie gleichzeitig die nächste Material- und Prozessgeneration absichert.
Auch auf der Halbleiterseite zeichnet sich ein differenziertes Bild ab. Bei LPKF werden Verzögerungen vor allem im Bereich Advanced Packaging erwartet; dort geht es um neue Verfahren zur Chipfertigung mit Glas. Die LIDE-Technologie soll dabei Glas für die Halbleiterproduktion strukturieren. Das Unternehmen sieht darin zwar langfristig „großes Potenzial“, aber der Übergang von Entwicklungsprojekten zur Serienfertigung dauert laut Management länger als geplant. Genau an dieser Stelle prallen in der Praxis zwei Realitäten aufeinander: Entwicklung braucht Zeit, während Serienfertigung zusätzlich Prozessqualifizierung, Linienintegration und qualitätsgesicherte Wiederholbarkeit voraussetzt. Wenn sich diese Schritte verlängern, verschiebt sich der Umsatzhebel oft um Quartale oder gar ein ganzes Jahr.
Das Management bleibt deshalb auf Spar- und Umbaukurs. Ende September hatte das Unternehmen wegen der Schwierigkeiten eine Gewinnwarnung veröffentlicht und seine Umsatz- und Margenprognosen gedämpft. Für 2026 rechnet LPKF noch mit einem Umsatz von 93 bis 100 Millionen Euro, nach gut 115 Millionen Euro im Vorjahr. Die bereinigte Marge (Ebit) soll von 0,0 Prozent im Vorjahr auf minus 7,0 bis minus 2,5 Prozent fallen. Um die Abwärtsspirale zu stoppen, wurde im vergangenen Jahr das Sparprogramm „North Star“ gestartet: Bis 2028 soll eine zweistellige operative Marge erreicht werden, außerdem sind jährliche Einsparungen von gut 8 Millionen Euro vorgesehen. Der Konzern betont, dass die Einsparwirkungen schrittweise eintreten, weil einzelne Maßnahmen unterschiedlich schnell hochlaufen.
Der zweite Teil ist dabei besonders entscheidend: eine Reform der Organisationsstruktur ab 2027 inklusive weiteren Stellenabbaus. Laut Angaben werden die erforderlichen Maßnahmen derzeit mit dem Betriebsrat beraten; die neue Struktur soll dann zu Jahresbeginn 2027 implementiert werden. Geplant sind zentrale Funktionen, etwa für Entwicklung, Produktion, Lieferketten und Vertrieb. Schon jetzt zeigt die Personalentwicklung die Richtung: Ende September beschäftigte LPKF noch 651 Menschen, 85 weniger als ein Jahr zuvor. Für Unternehmen und Zulieferer ist das ein Hinweis, dass LPKF intern Ressourcen neu bündelt, statt auf schnelle Außenimpulse zu warten. In einem Marktumfeld, in dem Projektphasen und Kundenfahrpläne häufig schwanken, ist diese Anpassungsfähigkeit ein Wettbewerbsvorteil – allerdings nur, wenn die Cash-Effekte der Maßnahmen früh genug greifen.
Für die nächste Bewertungsrunde dürfte vor allem die Kombination aus Auftragseingang und Umsetzungstempo entscheidend sein. LPKF nennt als Maßstab einen möglichen Übergang von Entwicklungsprojekten in die Serienproduktion sowie das Eintreffen größerer Kundenaufträge, etwa im Kontext eines Solarauftrags aus China, der bislang ausblieb. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie stark das vierte Quartal tatsächlich belastet wird, nachdem die ersten neun Monate bereits unter dem Vorjahr lagen. Insgesamt zeigt die Lage: Der Turnaround ist weniger ein einzelnes Ereignis als ein koordinierter Umbau aus Technologiepfaden (Tensor und LIDE), Kapazitätssteuerung und Organisationsdesign. Wenn das gelingt, kann der Konzern mittelfristig wieder stärker auf die Bereiche setzen, in denen bereits nachfrageseitig positive Signale erkennbar sind.
Der strategische Kern liegt damit bei der Frage, welche Technologieschritte die Nachfrage in stabile Umsatzbeiträge übersetzen. Während das Solargeschäft kurzfristig durch den Technologiewechsel gebremst wird, könnte das Electronics-Segment mit der Laserbearbeitung die Ergebnisbasis stabilisieren. Parallel muss sich zeigen, ob sich Advanced Packaging mit Glas künftig schneller in Serienprozesse überführen lässt. Für das Marktvertrauen zählt am Ende weniger die Richtung der Maßnahmen, sondern der Nachweis, dass Prognosen in konkreten Bestellungen münden. Mit Blick auf 2026 ist damit weniger „ob“ der Umbau läuft, sondern „wann“ der operative Effekt spürbar wird.
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