LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Marktprognose sieht Bitcoin innerhalb des nächsten Jahrzehnts in Reichweite von Gold bei der Marktkapitalisierung. Ausgangspunkt ist ein Vergleich von rund 1,6 Billionen US-Dollar für Bitcoin gegenüber 28 Billionen US-Dollar für Gold. Gleichzeitig wird das Modell mit dem festen Angebot, der algorithmisch gesteuerten Emission und den alle vier Jahre halbierten Zuwächsen begründet. Für die reale Chance auf „digitales Gold“ wird jedoch vor allem weniger Volatilität gefordert.

Der Gedanke, Bitcoin als „digitales Gold“ zu führen, klingt seit Jahren plausibel – und ist doch in der Praxis nie ganz auf den Punkt gekommen. Der zentrale Engpass ist weniger die Ideologie, sondern die Bewertung: Laut der vorliegenden Analyse liegt die Marktkapitalisierung von Bitcoin bei rund 1,6 Billionen US-Dollar, während Gold auf etwa 28 Billionen US-Dollar kommt. Damit ist Bitcoin im Größenvergleich derzeit nur ein Siebtel von Gold. Die eigentliche These lautet jedoch, dass sich diese Lücke innerhalb eines Jahrzehnts schließen könnte, sofern Bitcoin weiterhin in der Größenordnung wächst, die sich aus den bisherigen Wachstumsraten ableiten lässt.
Technisch wird der „Digital-Gold“-Ansatz vor allem über zwei Mechanismen begründet: die feste Obergrenze der Coins und die planbare Emissionslogik. Bitcoin hat demnach einen harten Cap von 21 Millionen Coins; bereits heute sind etwas mehr als 20 Millionen im Umlauf, wodurch die verbleibende Menge immer knapper wird. Diese Knappheit soll den Charakter als Werterhalt stärken, weil die umlaufende Menge demnahen Ende der möglichen Gesamtversorgung zustrebt. Ergänzend steuert ein Protokoll-Algorithmus die Neuzuführung der letzten rund 1 Million Coins, ohne dass eine Notenbank, ein Staat oder eine Finanzinstitution diese Regeln „nachjustieren“ könnte – im Ergebnis wird die Angebotsentwicklung über die Zeit sogar als disinflationär beschrieben: Durch das Bitcoin Halving halbiert sich etwa alle vier Jahre die Rate neuer Bitcoin-Erzeugung.
Für den Markt ist das vor allem dann relevant, wenn Bitcoin tatsächlich als Hedge gegen Inflation oder als Alternative zu Fiat-Geldsystemen wahrgenommen wird. In der Analyse wird dabei auch eine politische Anschlussfähigkeit betont: Jerome Powell, ehemaliger Vorsitzender der US-Notenbank, wird mit den Worten zitiert, Bitcoin sei „wie Gold – nur virtuell und digital“. Gleichzeitig wird eingeräumt, dass die Attraktivität dieser Erzählung in Wellen kommt. Der aktuelle Rückenwind wird mit wachsenden Sorgen über die fiskalische Entwicklung in den USA verknüpft, inklusive der Annahme, dass eine sehr hohe Staatsverschuldung höhere Inflationsraten begünstigen könnte, falls die Finanzierung vermehrt über Geldschöpfung laufen sollte.
Damit Bitcoin diese Rolle aber wirklich ausfüllen kann, reicht das Angebotsskript allein nicht: Die Analyse setzt explizit bei einem zweiten Problem an – der Volatilität. Wenn der Kurs von Bitcoin kurzfristig stark schwankt, wird die Idee als „Medium of Exchange“ schwer vermittelbar; wer beispielsweise eine Reise plant, kalkuliert nicht gern mit wechselnden Wechselkursen, bei denen sich die Kaufkraft von Tag zu Tag verändert. Genau in diese Lücke hinein sind Stablecoins in den vergangenen Jahren besonders stark gewachsen. Die Quelle nennt sie als „Lunch-Räuber“ für Bitcoin: Stablecoins seien inzwischen zu einer rund 300 Milliarden US-Dollar großen Industrie geworden und blieben typischerweise wertstabil, weil viele an den US-Dollar im Verhältnis 1:1 gekoppelt seien. Diese Eigenschaft macht sie aus Sicht des Zahlungsverkehrs attraktiver, weil sie Transaktionen im Alltag weniger kursabhängig machen.
Die Marktperspektive wird dadurch anspruchsvoller: Wenn Stablecoins einen Teil des Transaktionsvolumens abziehen, müssen Bitcoin-Befürworter ihre zukünftigen Preisannahmen anpassen. Als Beispiel führt die Analyse Cathie Wood von Ark Invest an, die ihr Bitcoin-Ziel für 2030 von 1,5 Millionen US-Dollar auf 1,2 Millionen US-Dollar gesenkt habe. Begründet wird die Reduktion damit, dass dollar-pegged Stablecoins schneller skalieren als ursprünglich angenommen und damit Marktaktivität aus Bereichen abziehen, die zuvor eher Bitcoin zugeordnet wurden. Entscheidend ist aber die Konsequenz: Auch ein Ziel von 1,2 Millionen US-Dollar wäre rechnerisch mit einer Bitcoin-Marktkapitalisierung im Bereich von 25 Billionen US-Dollar bis 2030 kompatibel – also mit einer Konstellation, in der Bitcoin Gold bei der Marktkapitalisierung „nahe genug“ rückt.
Im Kern hängt die Argumentation damit an zwei Bedingungen, die sich gegenseitig verstärken müssen. Erstens soll Bitcoin im weiteren Verlauf weiterhin in der Größenordnung von 37 % pro Jahr wachsen, damit der Sprung von etwa 80.000 US-Dollar auf rund 1,2 Millionen US-Dollar innerhalb von etwa 8,6 Jahren erreichbar bleibt. Zweitens muss die Volatilität so gut kontrolliert oder über Zeit „wegmeditiert“ werden, dass die „digitales Gold“-Story nicht nur als Wette auf Knappheit funktioniert, sondern auch als glaubwürdiger Werterhalt im Alltag von Investoren bestehen kann. Gelingt das, könnte die Diskussion in weniger als einem Jahrzehnt tatsächlich von „ob“ zu „wann“ wechseln – nicht als Zusage, aber als datenbasierte Erwartung, dass die Größenordnung stimmen könnte.
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