LONDON (IT BOLTWISE) – Das Vivo X500 Pro Max zielt klar auf Foto-Enthusiasten: Das 200-Megapixel-Periskop-Tele liefert Porträts und lange Brennweiten auf sehr hohem Niveau. In der Praxis überzeugt zudem die Hauptkamera mit verbesserter Stabilisierung und hoher Detailtreue. Gleichzeitig bleibt die Software im Test nicht durchgängig glatt, etwa durch Abstürze in der Kamera-App und Unschärfen in der Bedienung. Dazu kommen ein schweres, kopflastiges Gehäuse und spürbares Thermal-Throttling unter Dauerlast.

Das Vivo X500 Pro Max positioniert sich mit dem Versprechen einer Kamera, die nicht nur beeindruckende Zahlen auf dem Datenblatt liefert, sondern auch in typischen Aufnahmesituationen nach „echter“ Fotografie aussieht. Im Test wird vor allem die Kombination aus einem 200-Megapixel-Periskop-Tele und einer Hauptkamera als Kern argumentiert: Anders als viele Hersteller, die hohe Auflösung vor allem in der Hauptkamera bündeln, liegt die maximale Detailtiefe hier im Tele – und damit genau dort, wo Nutzer lange Brennweiten für Porträts, komprimierte Perspektiven oder Details aus Distanz erwarten.
Das Design fällt im Alltag deutlich auf. Mit 163,3 × 76,8 × 8,1 mm und 229 g (Glückseite) ist das Pro Max spürbar größer als der Vorgänger X300 Pro, der mit 161,2 × 75,5 × 8 mm angegeben wird. Vivo setzt auf einen Aluminiumrahmen und Schutz gegen Staub und Wasser nach IP68 und IP69. Gleichzeitig ist die Gewichtsverteilung kopflastig: Wer nicht sehr große Hände hat, greift schnell etwas „unbequem“, und durch den Kamerabuckel liegt das Gerät nicht ganz plan auf dem Tisch. Für eine Personalisierung gibt es zudem eine frei belegbare zusätzliche Taste, in Europa startet das Smartphone in Grau und Schwarz.
Beim Display zeigt sich, warum Vivo die Premium-Ausrichtung auch jenseits der Kamera konsequent verfolgt. Das 6,85-Zoll-LTPO-AMOLED-Panel löst mit 3168 × 1440 Pixeln auf und erreicht damit 507 PPI. Die Bildwiederholrate skaliert zwischen 1 und 144 Hz; im Vergleich zum X300 Pro fällt die Obergrenze höher aus, während im Test betont wird, dass die Helligkeitsautomatik im Alltag nicht die spritzigste ist. Vivo nennt eine Spitzenhelligkeit von 4400 cd/m² (und 2000 cd/m² für Vollfläche), das Panel unterstützt HDR10+ und Dolby Vision und wurde gemeinsam mit Zeiss als „Zeiss Master Color Display“ kalibriert. Dass es auch bei starker Sonne gut ablesbar bleibt, wird ebenso hervorgehoben wie der Hinweis, dass die Automatik in völliger Dunkelheit nicht immer konsequent auf die minimale Helligkeit herunterregelt.
Technisch betrachtet ist das Kamera-Setup das Herzstück: Das Periskop-Tele nutzt einen 200-Megapixel-Sensor von Samsung (HP0, 1/1,4 Zoll) mit f/2,67 und 85 mm Brennweite und bietet optische Stabilisierung, was im System als 3,5-facher optischer Zoom übersetzt wird. Digital sind laut Beschreibung bis zu 100-fach möglich; ab etwa 3,5-fach übernimmt das Tele, während 2-fach (50 mm) und Zwischenstufen aus der Hauptkamera zugeschnitten werden. Im Test klingt das Ergebnis so, als würde das Tele eher wie eine Systemkamera funktionieren: Porträts profitieren von der 85-mm-Eigenschaft für schmeichelnde Proportionen, Hauttöne geraten warm, Gesichter wirken leicht weichgezeichnet. Auch bei etwa 10-fach (240 mm) bleiben Aufnahmen knackig, und jenseits davon wird das Tele „zur Spielerei“ – bis hin zu 40-facher Vergrößerung, wo Details zwar noch erkennbar sind, die Bildwirkung aber stärker in Richtung KI-Bearbeitung und „Glitzer“-Look kippt. In der Praxis gibt es dabei einen klaren Grenzfall: Bei nahen Objekten kann es gelegentlich zu Fokusproblemen kommen, dann hilft der Wechsel auf die Hauptkamera.
Die Hauptkamera spielt ebenfalls auf sehr hohem Niveau mit und bekommt gegenüber dem X300 Pro eine verbesserte Stabilisierung spendiert. Als Sensor arbeitet hier der Sony Lytia L910 mit 50 Megapixeln (1/1,28 Zoll, f/1,57, 24 mm) und einem LOFIC-Ansatz. Besonders konkret wird es bei der Stabilisierung: Eine 3-Grad-Gimbal-Stabilisierung soll nach CIPA 7 h durchhalten – und damit genau die Eigenschaft liefern, die für scharfe Ergebnisse bei längeren Verschlusszeiten oder in schwierigen Situationen nötig ist. Beim Zoom-Funktionsmuster wird zudem erwähnt, dass die App in der Dunkelheit bei 3,5-fach nicht immer sauber zwischen Tele und Hauptsensor trennt; für bewegte Motive entstehen dann eher Geisterbilder, während statische Szenen im Nachtbetrieb gut funktionieren. Für Videos nennt der Test 8K mit 30 FPS sowie 4K mit bis zu 240 FPS auf Basis der Hauptkamera; AF-Tracking arbeitet dabei mit 60 FPS und die Videostabilisierung gilt als stark, ohne deutliche Verzerrungen an den Ecken.
Weniger rund läuft es in mehreren Randbereichen, die für echte Kaufentscheidungen häufig entscheidender sind als einzelne Kamerafeatures. An Bord arbeitet der Mediatek Dimensity 9600 Pro (2 nm), in der Konfiguration mit 12 GB LPDDR5X und 1 TB UFS 4.1 ohne Kartenslot. Unter Dauerlast drosselt das System spürbar, sobald es warm wird: Im 3DMark Wild Life Extreme sinkt die Punktzahl vom ersten Durchlauf (7449) nach dem vierten (4641) und bis zum zwanzigsten Durchlauf (3764). Als Ursache wird die Temperatur herausgestellt; mit aktivem Ventilator verbessert sich die Stabilität deutlich, was im Test als Argument für einen optionalen aufsteckbaren Lüfter bei Vielspielern herangezogen wird. Für die Konnektivität nennt das Gerät unter anderem Wi‑Fi 7, Bluetooth 6.0 inkl. gängiger Codecs, NFC, einen Infrarot-Port sowie USB‑C 3.2 mit DisplayPort-Ausgabe. Die Akkukapazität liegt bei 6750 mAh, der Test verweist auf etwa 23,5 Stunden im PCMark-Battery-Test und damit auf starke Ausdauer; laden kann das Gerät mit bis zu 90 W, allerdings nur mit dem Vivo-Netzteil, das nicht im Lieferumfang liegt. In der Software schließlich zeigen sich die sichtbarsten Schwächen: Die Kamera-App stürzt im Test zweimal ab, Menüs werden als teils überladen beschrieben und die deutsche Übersetzung holpert stellenweise. Dazu kommt, dass das Always-On-Display bei sinkender Akkuladung unter 25 % zeitweise abschaltet und nach dem Laden nicht automatisch wieder angeht.
Für den Markt bedeutet das: Wer ein Smartphone vor allem wegen Zoom, Porträts und feineren Details über längere Brennweiten sucht, bekommt mit dem Vivo X500 Pro Max ein besonders starkes Kameragesamtpaket, das in der Bewertung als „Bestes, das man derzeit kaufen kann“ beschrieben wird. Wer dagegen maximale Software-Politur erwartet, muss Kompromisse akzeptieren: Stabilität in der Kamera-App, Klarheit der Menüs und die Lieferumfangs-Details beim Laden sind Punkte, die im Alltag schnell spürbar werden. Unterm Strich bleibt das Pro Max ein Gerät, dessen Kaufargument vor allem im Sensor- und Stabilisierungskonzept des Tele-Setups liegt – während Software-Reifegrad und Thermik unter Dauerlast noch Luft nach oben lassen.
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