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WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Erste Group steigert nach neun Monaten 2026 das Kreditjahresziel auf über 290 Milliarden Euro. Getrieben wird das Wachstum durch organische Zuwächse sowie die Konsolidierung der Erste Bank Polska. Zudem läuft die Integration in Polen planmäßig, während die Aufsicht den Start eines freiwilligen Übernahmeangebots für weitere Anteile genehmigt hat. Offen bleibt, wie sich die Kapital- und Kostenentwicklung nach Abschluss der Transaktion weiter einpendelt.

Erste Group: Kredit- und Einlagenwachstum treibt Jahresziel über 290 Mrd. Euro
Erste Group: Kredit- und Einlagenwachstum treibt Jahresziel über 290 Mrd. Euro (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Erste Group baut ihr Wachstum im Kundengeschäft weiter aus und liefert damit eine konkrete Grundlage für die Anpassung des Jahresziels: Für 2026 hebt die Bank das Ziel für Kundenkredite inklusive der Erste Bank Polska auf mehr als 290 Milliarden Euro an. Im Berichtzeitraum bis Ende September lag das Kreditvolumen unter Einbeziehung der polnischen Tochter bereits bei 287 Milliarden Euro nach einem Plus von 24 % seit Jahresbeginn. Diese Zahl ist deshalb mehr als nur ein Zwischenwert, weil die Gruppe zugleich die Integration in Polen als planmäßig beschreibt und damit die Annahme stützt, dass das zusätzliche Volumen nicht nur statistisch „mitgezogen“ wird, sondern operativ in den Konzernablauf hineinwächst.

Technisch und organisatorisch zeigt sich die Integration vor allem in der Backoffice- und Asset-Management-Ebene. Eine lokale Backoffice-Einheit, Erste Operations, wurde in Polen erfolgreich in Betrieb genommen; sie übernimmt Support- und Backoffice-Funktionen für die Erste Bank Polska. Parallel wurde der polnische Vermögensverwalter Erste TFI in die Erste Asset Management überführt. Laut Mitteilung ist Erste TFI dabei zum Stand Ende des dritten Quartals mit 8,0 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen eingebracht worden, wodurch das gesamte verwaltete Vermögen der Erste Asset Management auf 120,3 Milliarden Euro steigt. Gerade bei Banken ist das relevant, weil die Kostentransparenz und die Qualität der Prozesse im Hintergrund oft darüber entscheiden, ob sich Wachstum nachhaltig in Ertragskraft und Risikofähigkeit übersetzen lässt.

Für das operative Bild liefert die Bank eine Mischung aus Volumendaten und Ertragshebeln. Exklusive Polen wuchs das Kreditvolumen seit Jahresbeginn um 5,8 %, mit besonders starkem Plus in Österreich, Tschechien und Ungarn. Im Privatkundengeschäft stützt sich das Wachstum laut Bericht auf rund 85.000 neu vergebene Wohnbaukredite in den ersten neun Monaten 2026. Im Firmenkundengeschäft machte das Neugeschäft insbesondere Investitionsfinanzierungen aus; zudem verzeichnete die Gruppe (ohne Polen) mehr als 28.500 Investitionskredite an Unternehmen. Auf der Einlageseite wies die Erste Group vergleichbar (ohne Polen) ein Plus von 4,5 % aus, und auch hier nennen die Zahlen Tschechien, Österreich und Ungarn als wichtigste Treiber. Insgesamt stieg das Einlagenvolumen inklusive Erste Bank Polska um 28,1 % auf 324,1 Milliarden Euro, nachdem es in den Vergleichszahlen per Dezember 2025 bei 253,0 Milliarden Euro gelegen hatte.

Die Ertrags- und Ergebniskennzahlen sollen erklären, warum die Bank trotz wachsender Bilanzsumme und Integration nicht nur Volumen, sondern auch Qualität liefert. Der Zinsüberschuss erhöhte sich auf vergleichbarer Basis (ohne Polen) um 7,0 %. Mit Polen lag der Zinsüberschuss bei 8,3 Milliarden Euro und damit 43,4 % über dem Vorjahreswert. Auch der Provisionsüberschuss entwickelte sich positiv: vergleichbar um 9,5 % und inklusive Erste Bank Polska um 24,0 % auf 2,9 Milliarden Euro. Auffällig ist, dass die Bank den Anstieg nicht nur dem polnischen Beitrag zuschreibt, sondern auch dem Wertpapiergeschäft: Das verwaltete Vermögen stieg auf 120,3 Milliarden Euro, die Zahl der Wertpapiersparpläne auf 2,3 Millionen Stück, und die durchschnittliche monatliche Veranlagungssumme von 66 auf 76 Euro. Damit wird eine typische Logik für Banken sichtbar: Ein stärkeres Kundenwachstum im Retail und im Vermögensmanagement kann die Ertragsbasis verbreitern und so die Empfindlichkeit gegenüber reinen Zins- oder Kreditzyklusbewegungen reduzieren.

Im Risikobereich bleibt der Bericht vergleichsweise nüchtern, nennt aber die zentralen Parameter. Die Risikokosten lagen in den ersten neun Monaten bei 21 Basispunkten vom durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestand und damit auf moderatem Niveau; im Vorjahr wurden 19 Basispunkte genannt. Die NPL-Quote (Non-Performing Loans) verbesserte sich leicht auf 2,3 % inklusive Erste Bank Polska, nachdem sie im Dezember 2025 bei 2,4 % gelegen hatte. Zusätzlich weist die Mitteilung darauf hin, dass darin reguläres Kreditportfolio enthalten ist, jedoch Einmaleffekte in Höhe von 302 Millionen Euro, die im Zusammenhang mit der Integration und IFRS 9 bereits im ersten Quartal 2026 erfasst wurden. Daneben nennt die Bank die steigende Belastung durch Bankensteuern: 529 Millionen Euro in den ersten neun Monaten, ein Plus von 86,3 %, getrieben unter anderem durch höhere Abgaben in Ungarn und Rumänien sowie die erstmalige Verbuchung in Polen. Das ist insofern wichtig, als Steuern und Abgaben direkt in die Kostenstruktur wirken können, selbst wenn operative Erträge zulegen.

Dass Wachstum in Zahlen auch Kapitalpolitik bedeutet, zeigt sich in den Kapitalquoten und im Ausblick. Die Gruppe berichtet, der Nettogewinn exklusive Erste Bank Polska sei nach neun Monaten um 7,9 % gestiegen; inklusive Erste Bank Polska wuchs er um 20,6 % auf 3,1 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalverzinsung (ROTE) stieg auf 20,9 %, und die harte Kernkapitalquote (CET1, pro forma) lag zum Ende des dritten Quartals 2026 bei 15,0 %. Die Mitteilung verbindet diese Kennzahlen mit einer steigenden Flexibilität, Wachstumschancen in den Kernmärkten einschließlich Polen zu verfolgen. Parallel hebt die Bank den Finanzausblick für 2026 leicht an: Das Ziel für Kundenkredite inklusive Erste Bank Polska auf über 290 Milliarden Euro, für den Zinsüberschuss exklusive Polen auf mehr als 6 % (statt etwa 5 %), und für den Provisionsüberschuss exklusive Polen auf etwa 10 % (versus 7–9 %). Auch die Kosten-Ertrags-Relation exklusive Polen soll auf unter 46 % sinken.

Der planmäßige Übergang in Richtung höhere Beteiligung an der polnischen Bank ergänzt die operative Story um eine marktstrategische Komponente. Nach Erhalt der aufsichtsrechtlichen Genehmigung soll am 2. November 2026 das freiwillige Übernahmeangebot für Aktien der Erste Bank Polska starten; die Annahmefrist beginnt am 3. November. Geplant ist, die Beteiligung von derzeit 49 % auf mehr als 50 %, jedoch höchstens 75 % zu erhöhen, wobei ein Streubesitz von mindestens 25 % erhalten bleibt. Der Angebotspreis liegt laut Mitteilung bei rund 713 PLN je Aktie, finanziert aus eigenen Mitteln. Für die Umsetzung nennt die Gruppe außerdem: Die Angebotsfrist soll voraussichtlich 30 Tage betragen, die Abwicklung ist für Dezember 2026 vorgesehen. Damit verknüpft sich die Kapitalsteuerung direkt mit dem Transaktionsrisiko: Nach Vollzug strebt die Erste Group weiterhin eine CET1-Quote von über 14,25 % an. Für Beobachter ist das ein klassischer Trade-off aus Bilanzwachstum und Kapitalpuffer – und in einem Bankumfeld, in dem regulatorische Anforderungen und Steuerlasten zugleich wirken, ist genau diese Kopplung entscheidend.

Aus Sicht der Branche fügt die Meldung zudem eine konkrete Blaupause für europäisches Bankenwachstum in Zentral- und Osteuropa hinzu: Die Kombination aus organischem Kundenzuwachs, konsequenter Integration (Operations und Asset Management) sowie einem genehmigten Kapital- und Beteiligungsschritt zeigt, wie sich Wachstumskurven aufrechterhalten lassen, ohne die Risikoparameter aus dem Blick zu verlieren. Für Unternehmen und Vertriebspartner bedeutet das vor allem Verlässlichkeit in der Angebots- und Prozessumgebung: Wenn Backoffice- und Vermögensmanagement-Einheiten konzernintegriert sind, werden Produkte vergleichbarer, Abwicklungswege kürzer und die Schnittstellenpflege robuster. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung nach dem Übernahmeangebot ein beobachtungswürdiger Punkt, weil die Gruppe die Kennzahlen zwar solide darstellt, die endgültige Wirkung aber erst mit dem Vollzug und der erneuten Einordnung der Kapitalquoten sichtbar wird.

Für die nächste Phase wird daher weniger die Frage im Vordergrund stehen, ob die Erste Group wachsen will, sondern wie schnell sich die zusätzliche Bilanz- und Kundenbasis in stabile Margen und Kostenkennziffern übersetzt. Der Bericht liefert dafür bereits Bausteine: moderate Risikokosten, verbesserte NPL-Quote, steigende Erträge aus Zins- und Provisionsgeschäft sowie eine konkrete Zielanpassung für 2026. Der entscheidende Prüfstein kommt nun mit dem Ablauf des Angebots im November und der Abwicklung im Dezember 2026. Wenn der Streubesitz wie geplant erhalten bleibt und die Kapitalquote im Zielkorridor bleibt, dürfte das den Wachstumskurs auch strategisch absichern – genau an dieser Stelle werden Investoren, Aufsicht und Marktteilnehmer in den kommenden Wochen besonders genau hinschauen.

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