LONDON (IT BOLTWISE) – Die Erste Group treibt das Kundengeschäft weiter voran und hebt ihr Jahresziel für Kundenkredite auf über 290 Milliarden Euro an. In den ersten neun Monaten 2026 stieg das Kreditvolumen inklusive Erste Bank Polska um 24 % auf 287 Milliarden Euro, während Einlagen um 28 % auf 324 Milliarden Euro zulegten. Die Bank nennt moderate Risikokosten und verbessert die NPL-Quote leicht auf 2,3 %. Zudem liegt die aufsichtsrechtliche Genehmigung für ein freiwilliges Übernahmeangebot für Erste Bank Polska vor, das am 2. November 2026 startet.

Die Erste Group setzt in der Ergebnisbetrachtung für die ersten neun Monate 2026 auf eine klare Botschaft: Wachstum im Kerngeschäft plus Integration der polnischen Tochter wirkt zusammen, statt sich gegenseitig zu bremsen. Das Kreditvolumen stieg unter Einbeziehung der Erste Bank Polska um 24 % auf 287 Milliarden Euro; daraus leitet die Bank eine weitere Anhebung des Jahresziels für Kundenkredite auf über 290 Milliarden Euro ab. Besonders wichtig ist dabei die Kombination aus organischem Zuwachs und konsolidiertem Beitrag: Exklusive Polen wuchs das Kreditvolumen seit Jahresbeginn um 5,8 %, während die Gruppe gleichzeitig Einlagen um 4,5 % (ohne Polen) steigerte.
Operativ zeigt sich das Wachstum nicht nur in den großen Summen, sondern auch in der Struktur der Neugeschäfte. Laut Bericht lag das Kreditwachstum besonders stark in Österreich, Tschechien und Ungarn; im Retailbereich wurde die Entwicklung ohne Polen vor allem durch rund 85.000 neu vergebene Wohnbaukredite in den ersten neun Monaten 2026 getragen. Im Firmenkundengeschäft wuchs das Kreditportfolio sowohl im Segment Retail-nahe Kundengruppen als auch in der breiten Breite der Unternehmensfinanzierung: Investitionsfinanzierungen machten den größten Anteil am Neugeschäft aus, und die Erste Group vergeb mehr als 28.500 Investitionskredite an Unternehmen (ohne Polen). Auf der Einlagenseite stützt ein höheres Einlagenvolumen die Entwicklung in den Kernmärkten, während die zusätzliche Konsolidierung der polnischen Kundeneinlagen (59,9 Milliarden Euro) das Einlagenvolumen der Gruppe auf 324,1 Milliarden Euro hebt.
Während Bankenwachstum in der Praxis oft mit einer höheren Risikoneigung oder steigenden Kosten kollidiert, beschreibt die Erste Group eine eher ruhige Entwicklung bei der Asset-Qualität. Die Risikokosten blieben in den ersten neun Monaten mit 21 Basispunkten vom durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestand moderat; zudem nennt die Bank einen Wert von 451 Millionen Euro, wobei Einmaleffekte im Zusammenhang mit der Integration der Erste Bank Polska nach IFRS 9 bereits im ersten Quartal 2026 erfasst wurden. Auch die NPL-Quote verbessert sich leicht auf 2,3 % (Dez. 2025: 2,4 %), und damit sinkt der Druck, Kapital besonders konservativ zu allokieren. Für das Management ist der Effekt auf die Kapitalisierung zentral: Die Eigenkapitalverzinsung (ROTE) steigt auf 20,9 %, während die harte Kernkapitalquote (CET1, pro forma) zum Ende des dritten Quartals 2026 bei 15,0 % liegt.
Ökonomisch schlägt das Kundengeschäft in mehreren Ergebnisquellen durch. Der Zinsüberschuss erhöht sich auf vergleichbarer Basis (ohne Polen) um 7,0 %, während er inklusive Erste Bank Polska mit 8,3 Milliarden Euro um 43,4 % über dem Vorjahreswert liegt. Auch der Provisionsüberschuss profitiert: Er steigt auf vergleichbarer Basis um 9,5 % und wächst unter Berücksichtigung der polnischen Einheit um 24,0 % auf 2,9 Milliarden Euro; Treiber sei vor allem das Wertpapiergeschäft. Der verwaltete Bestand (AuM) wächst auf 120,3 Milliarden Euro, unter anderem gestützt durch monatliche Wertpapiersparpläne und die Integration des polnischen Vermögensverwalters Erste TFI in die Erste Asset Management. Konkreter wird die Entwicklung an der Sparplan-Zahl: Sie steigt auf 2,3 Millionen Stück, was einem Plus von 16,6 % seit Jahresbeginn entspricht; zugleich steigt die durchschnittliche monatliche Veranlagungssumme von 66 auf 76 Euro.
Für die Investoren ist entscheidend, wie die Kosten mitwachsen und wie stark sich die Ertragsseite gegen mögliche Integrationskosten behauptet. Die Betriebserträge steigen auf vergleichbarer Basis (ohne Polen) um 8,6 %; inklusive Erste Bank Polska erhöht sich das Plus auf 40,1 % auf 12,0 Milliarden Euro. Gleichzeitig steigen die Betriebsaufwendungen auf vergleichbarer Basis um 3,1 %, also im Rahmen der Erwartungen; inklusive Polen nennt die Bank 30,1 % auf 5,3 Milliarden Euro. Weil das Ertragswachstum die Kostensteigerungen deutlich übertreffe, verbessert sich die Kosten-Ertrags-Relation: auf vergleichbarer Basis auf 45,0 % beziehungsweise auf 44,0 % inklusive Erste Bank Polska (9M 2025: 47,4 %). Ergebnisgetrieben wird die Kapitalbasis dadurch ebenfalls gestärkt: Das Betriebsergebnis steigt auf vergleichbarer Basis um 13,5 % bzw. inklusive polnischer Einheit um 49,1 % auf 6,7 Milliarden Euro.
Unter den strategischen Signalen sticht der Polen-Schritt heraus: Am 25. September 2026 hatte die Erste Group ihre Absicht angekündigt, ein freiwilliges Übernahmeangebot für Aktien der Erste Bank Polska einzureichen, um die Beteiligung von 49 % auf mehr als 50 %, jedoch höchstens 75 % zu erhöhen. Nun liegt die aufsichtsrechtliche Genehmigung vor, und der zeitliche Ablauf ist bereits terminiert: Beginn des Angebots am 2. November 2026, Start der Annahmefrist am 3. November. Der Angebotspreis beträgt rund 713 PLN je Aktie; die Abwicklung ist für Dezember 2026 vorgesehen. Um den regulatorischen Rahmen einzuhalten, soll der Streubesitz von mindestens 25 % erhalten bleiben; Voraussetzung dafür ist, dass ausreichend Aktien angedient werden, damit die Zielbeteiligung im Korridor bleibt. Nach Vollzug strebt die Erste Group zudem eine CET1-Quote von über 14,25 % an und plant die Finanzierung vollständig aus eigenen Mitteln.
Auch die operative Umsetzung der Integration wird als Fortschrittsnachweis beschrieben: Anfang September nahm Erste Operations in Polen einen neuen Standort in Betrieb und übernimmt Backoffice- und Supportfunktionen für die Erste Bank Polska, die zuvor vom ehemaligen Mehrheitseigentümer erbracht wurden. Die Integration der Erste TFI in die Erste Asset Management wurde am 15. Oktober abgeschlossen; damit sitzt das polnische Asset-Management-Geschäft konzernintern unter einem Dach, und auf Basis der Zahlen zum Ende des dritten Quartals bringt Erste TFI ein verwaltetes Vermögen von 8,0 Milliarden Euro ein. Für die Wachstumslogik der Gesamtgruppe ist das relevant, weil die Bank den Ausblick zum Gesamtjahr leicht nach oben anpasst: Das Ziel für Kundenkredite inklusive Erste Bank Polska wird auf über 290 Milliarden Euro angehoben, der Zinsüberschuss exklusive Polen soll um mehr als 6 % steigen, und der Provisionsüberschuss exklusive Polen auf etwa 10 %. Gleichzeitig soll die Kosten-Ertrags-Relation exklusive Polen unter 46 % sinken. Neben der finanziellen Kennzahlendarstellung ist das Signal damit vor allem eines: Die Erste Group verknüpft den Ausbau der Kundenbasis mit einer Integration, die sich bereits messbar in Ertragsquellen und in der Kapitalplanung niederschlägt.
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