LONDON (IT BOLTWISE) – XRP verliert im Oktober rund 18% und hat in den letzten 24 Stunden für 37,6 Mio. US-Dollar Liquidationen gesorgt. Die Kryptowährung notiert bei etwa 1,25 US-Dollar und liegt damit unter dem 20- und 50-Tage-Durchschnitt. Damit wird die Marke von 1,20 US-Dollar zum zentralen Abzweig: Hält sie, ist Stabilisierung möglich; bricht sie, droht eine neue Verkaufswelle. Für November wird ein Bereich von 1,20 bis 1,32 als wahrscheinlich beschrieben, solange die ETF-Zuflüsse nicht kippen.

Der aktuelle Kursverlauf von XRP macht vor allem eines deutlich: Im Oktober hat sich der Markt spürbar von der vorherigen Dynamik entfernt, ohne dass sofort eine nachhaltige Trendwende erkennbar wäre. Nach einem Rückgang von rund 18% im Oktober und einer Phase mit „forced liquidations“ sitzt XRP bei etwa 1,25 US-Dollar, nachdem es innerhalb der vergangenen 24 Stunden um 3,3% nachgegeben hat. Kurzfristig wirkt damit weniger eine einzelne Nachricht als vielmehr die technische Lage zusammen mit der Liquiditätsmechanik an den Börsen. Entscheidend wird, wie stark der Markt den nächsten Schritt in Richtung Stabilisierung oder weiterer Abwärtsbewegung tatsächlich bereits „eingepreist“ hat.
Technisch lässt sich die Schwäche über mehrere Ankerpunkte greifen: XRP befindet sich aktuell unter dem 20-Tage-Durchschnitt von 1,32 US-Dollar und auch unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,40 US-Dollar. Diese Konstellation signalisiert in der üblichen Chart-Lesart weiterhin bearishen Druck, weil Erholungsversuche häufig an gleitenden Durchschnitten abprallen. Hinzu kommt eine konkrete Liquiditäts- und Hebelkomponente: In den letzten 24 Stunden wurden laut den vorliegenden Zahlen 37,6 Mio. US-Dollar an Positionen liquidiert. Das Muster dahinter ist typisch für Kryptomärkte mit hoher Margin-Nutzung: Sobald das bereitgestellte Sicherheitenpolster nicht mehr ausreicht, schließen Exchanges die geliehenen Positionen automatisch, was den Preis im Abwärtsmomentum zusätzlich belastet.
Für die Einordnung lohnt außerdem der Blick auf die jüngsten Preisniveaus und damit verbundene psychologische Grenzen. Im Oktober fiel XRP zeitweise kurz unter 1,20 US-Dollar, bevor Käufer wieder eingriffen und den Kurs zurück Richtung 1,25 schoben. Der Bereich um 1,00 US-Dollar gilt dabei als weiterer, markanter Bezugspunkt: XRP testete diese Marke bereits einige Monate zuvor, und im August 2026 schloss der Coin am 16. bei 0,9927 US-Dollar – dem jährlichen Tief. Auffällig ist, dass Käufer unmittelbar danach wieder Stabilität hineinbrachten: Am 21. August 2026 schloss XRP bereits wieder bei 1,45 US-Dollar. Eine Bewegung zurück zu 1,00 US-Dollar wäre damit nicht nur ein charttechnischer Rückschritt, sondern auch ein erneuter Belastungstest für genau jene Kaufzone, die in der Vergangenheit den Takt vorgegeben hat.
Nicht nur Kurs, auch Kapitalflüsse bestimmen, wie „hart“ diese Zonen im November verteidigt werden. Laut den Angaben zu Spot-XRP-ETFs flossen am 29. Oktober 2026 netto 8,43 Mio. US-Dollar zu; die gesamten ETF-Vermögenswerte beliefen sich damit auf 1,47 Mrd. US-Dollar. Allerdings lässt sich ebenso eine Verlangsamung erkennen: In fünf Sitzungen im Oktober gab es jeweils null Nettozuflüsse, und der größte tägliche Abfluss lag bei 3,61 Mio. US-Dollar am 26. Oktober. Für die Marktmechanik ist das relevant, weil ETF-Zuflüsse in der Regel weniger „zackig“ reagieren als einzelne Hebelpositionen – kippen sie jedoch, fällt der Puffer weg, der Erholungen häufig begleitet. In der Summe bedeutet das: Zwar wurden in der jüngsten Liquidationswelle offenbar Teile des Hebels „aus dem System“ entfernt, aber ohne fortgesetzte Nachfrage steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich neue Verkaufsdruck-Phasen erneut schneller entladen.
Bei der Erwartung für den Monat November hilft schließlich der historische Vergleich – auch wenn Vergangenes nicht automatisch die Zukunft festlegt. In den vergangenen fünf Jahren fiel XRP in drei November-Monaten, nur November 2024 stach deutlich heraus: Damals gab es nach einer Wahlphase einen kräftigen Post-Election-Rallye-Effekt. Für die weiteren Jahre werden folgende Kursbewegungen genannt: 2021 bei -10,1%, 2022 bei -12%, 2023 bei +1,6%, 2024 bei +279,2% und 2025 bei -14,1%. Betrachtet man den letzten November als Warnsignal, startete XRP bei 2,51 US-Dollar und fiel bis zum Monatsende auf ein Tief um 1,82 US-Dollar. Genau diese Mischung aus Phasen mit beachtlicher Volatilität und klaren Unterstützungstests macht November für Trader besonders „sensibel“ für die nächsten technischen Trigger.
Worauf es im konkreten Szenario jetzt ankommt, ist die unmittelbare Entscheidungszone um 1,20 US-Dollar. Der bearishe Pfad wird so beschrieben: Ein täglicher Schluss unter 1,20 US-Dollar würde XRP in eine Zone von 1,00 bis 1,20 drücken; als nächster markanter Halt gilt das August-Tief um 1,0, das vom 12. bis 18. August 2026 stabiler wirkte. Im Basisszenario soll dagegen ein Bereich zwischen 1,20 und 1,32 dominieren, wenn XRP oberhalb von 1,20 bleibt und Rückläufe kaufig absorbiert werden. Parallel könnten 1,22 und 1,25 als vorübergehende Widerstandsbereiche wirken, während gleitende Durchschnitte – etwa das 200-Tage- und das 20-Tage-Niveau – mögliche Aufwärtsbewegungen begrenzen. Erst ein bullisheres Signal kommt mit einem Tagesschluss über 1,40: Dann rückt ein Comeback in Richtung 1,40 bis 1,555 in den Fokus, wobei 1,555 als nächstes Ziel aus dem Oktober-Hoch abgeleitet wird.
Für Investoren und Asset-Manager ist der wichtigste Punkt dabei weniger die reine Prognose-Spanne, sondern die Kombination aus Preisstruktur und Kapitalflüssen. Ein weiterer deutlicher Abverkauf benötigt konsequente Tagesschlusskurse unter 1,20 und zusätzlich deutliche ETF-Abflüsse – als „definitives Signal“ wird unter anderem ein Muster aus täglichen Abschlüssen unter 1,20 sowie Abflüsse genannt, die die Marke von 3,61 Mio. US-Dollar vom 26. Oktober übertreffen. Umgekehrt würde ein Abschluss über 1,40 die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der Markt wieder in Richtung der früheren Hochs läuft. Damit wird November zu einem Monat, in dem nicht nur Chart-Levels zählen, sondern vor allem, ob der Nachfrage-Puls über die ETF-Seite an Tempo gewinnt oder in einen erneuten Abwärtsimpuls kippt.
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