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LONDON (IT BOLTWISE) – SuperMe baut ein Netzwerk aus KI-Profilen, das Nutzerfragen automatisch passenden Expert: innen zuordnet. Das Startup hat dafür 20 Millionen US-Dollar eingesammelt, angeführt von Kirsten Green bei Forerunner und mit Beteiligung von Greylock Partners. Zentrale Funktion ist ein gruppenbasiertes Chat-Setup mit mehreren AI-Profilen sowie die direkte Fragestellung an einzelne Expert: innen. Zusätzlich koppelt SuperMe den Dienst über den Model Context Protocol-Standard an externe Tools und Chats wie ChatGPT und Claude.

SuperMe sammelt 20 Millionen US-Dollar für KI-Expert: innen-Netzwerk
SuperMe sammelt 20 Millionen US-Dollar für KI-Expert: innen-Netzwerk (Foto: IT BOLTWISE)
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SuperMe will das Prinzip „Frag jemanden, der es schon einmal erlebt hat“ in den KI-Alltag übersetzen. Statt einzelne Prompts an ein Chat-System zu schicken, organisiert die Plattform die Beantwortung als kuratiertes Gespräch: Auf eine Frage hin ermittelt SuperMe passende KI-Profile von realen Expert: innen und erstellt daraus eine Gruppe, in der diese Profile gemeinsam antworten. Für Nutzer bedeutet das weniger Ratespiel bei der Auswahl des richtigen Fachwissens – und gleichzeitig eine neue Form der Interaktion, weil sich Antworten nicht nur aus einem Modell-Output speisen, sondern aus der Zusammensetzung mehrerer spezialisierter Rollen.

Der Finanzierungs-Impuls kommt früh genug, um das Produkt in beide Richtungen skalieren zu können: SuperMe hat eine Runde über 20 Millionen US-Dollar angekündigt, angeführt von Kirsten Green bei Forerunner und mit Beteiligung von Greylock Partners. Gegründet wurde das Startup 2024 von Casey Winters und Ludo Antonov; Winters bringt laut eigener Vita Führungs- und Beratungserfahrung aus großen Consumer-Unternehmen mit und war unter anderem in leitenden Rollen bei Grubhub, Pinterest und Eventbrite tätig. Antonov war zuvor Head of Engineering bei mehreren Startups, darunter Pinterest, Lyft und Whatnot. Diese Mischung aus Produkt- und Engineering-Hintergrund passt zur Kernaufgabe des Unternehmens: Experten-Matching und Konversationslogik so zu automatisieren, dass neue Nutzerfragen nicht „nur“ beantwortet werden, sondern zuverlässig die richtigen Profile aktivieren.

Technisch steht dabei eine Art semantisches Zuordnungsproblem im Mittelpunkt. SuperMe nutzt offenbar eine Kombination aus Frage-Analyse und Profil-Routing, um zu entscheiden, welche Expert: innen-Profile für einen konkreten Kontext am wahrscheinlichsten nützlich sind. Das schlägt sich auch in der Nutzeroberfläche nieder: Nutzer können Fragen über den SuperMe-Chatbot stellen, ihre vorherigen Gruppen wieder öffnen und Follow-ups nachreichen. Alternativ lässt sich die Interaktion auf eine einzelne Expert: innen-Persona zuschneiden, indem man direkt über das Profil fragt – ein Unterschied, der für Fachbereiche mit klarer Zuständigkeit besonders relevant sein kann (z. B. Pitch-Deck-Feedback oder Strategiefragen).

Damit die KI-Profile nicht nur „laut“ sprechen, sondern nachweisbar auf Wissen aus der Praxis zurückgreifen, sammelt SuperMe Informationen aus öffentlichen Quellen wie LinkedIn, YouTube, Substack und Blogs. Zusätzlich werden verknüpfte Apps eingebunden, etwa Google Drive, Notion, Gmail sowie Tools für Meeting-Notizen wie Granola. In der Kommunikation betont SuperMe, dass dabei auch personenbezogene Informationen und potenziell vertrauliche Bestandteile wie Trade Secrets vorkommen können, allerdings so gefiltert werde, dass nichts davon in die Antworten einfließe. Für den Betrieb heißt das: Neben dem Matching braucht das System offenbar auch eine Schutzschicht, die Inhalte beim Abruf und/oder bei der Generierung inhaltlich einschränkt – sonst wäre der Ansatz mit „realen Expertenkenntnissen“ schwer mit Datensparsamkeit und Zugriffskontrolle zu vereinbaren.

Auch die Integrationsstrategie zielt auf geringe Reibungsverluste im Alltag von Entwickler: innen und Wissensarbeiter: innen. SuperMe arbeitet mit MCP (Model Context Protocol), damit Chatbots über einen standardisierten Weg auf externe Tools und Datenkontexte zugreifen können. Praktisch bedeutet das: Nutzer können Fragen nicht nur innerhalb der SuperMe-Umgebung stellen, sondern sie auch aus gängigen Chat-Clients wie Claude und ChatGPT heraus stellen. Für SuperMe ist das mehr als ein Komfort-Feature, denn es schafft eine direkte „Einstiegsfläche“ für bestehende Workflows – und für das Ökosystem ist es ein weiterer Beleg dafür, dass sich KI-Antworten zunehmend als orchestrierte Anwendungsketten verstehen lassen, nicht als isolierte Antworten eines einzelnen Modells.

Um das Netzwerk in beide Richtungen zu skalieren, will SuperMe außerdem Anreize und Grenzen geschickt ausbalancieren. Das Angebot ist zunächst kostenlos, aber das Unternehmen plant, die Anzahl der Fragen pro Nutzer zu begrenzen und danach eine Bezahlung zu verlangen. Parallel wird laut Ankündigung geprüft, wie Expert: innen dazu motiviert werden können, mehr Wissen beizusteuern. Diese Kombination aus Cap-and-Pay auf Nutzerseite und Incentives auf Expert: innenseite ist in solchen Plattformmodellen zentral: Ohne Kostenbremse steigt der Trainings- und Antwortdruck, ohne Beitragssystem sinkt die Tiefe des Wissensnetzes. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung, dass die Qualität der Antworten stark davon abhängt, wie gut Expertenprofile befüllt und im Matching-Prozess priorisiert werden.

Mit rund 13 Mitarbeitenden wirkt das Team im Vergleich zu der anvisierten Reichweite bewusst schlank und konzentriert sich in der Einstellung offenbar auf zwei Engpässe: die Verbesserung der KI-Modelle für die Konversation und das präzisere Zuordnen von Fragen zu Expert: innen. Dazu kommen Rollen „auf der Netzwerkseite“, um Themengebiete zu ergänzen, die die Plattform bisher nicht abdeckt. Kirsten Green ordnet das Vorhaben entsprechend als frühen Schritt in Richtung einer kollaborativen Plattform ein, in der KI mit Menschen zusammenarbeitet und Lern- sowie Wissensgewinne systematisch geteilt werden. Entscheidend wird damit weniger die reine Modellfähigkeit sein, sondern die dauerhafte Qualitätssicherung bei Profilen, die Integrität der Wissensintegration und die Frage, wie gut das System im Produktivbetrieb auch mit langen, unstrukturierten Kontexten umgeht.

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