LUXOR / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine ägyptisch-deutsche Mission hat am 22. Oktober 2026 neue archäologische Funde im Umfeld der Memnonkolosse gemeldet. Die Entdeckungen stammen aus dem angrenzenden Totentempel von Amenophis III. Im Fokus stehen dabei große Sphinxfragmente aus dem Bereich hinter dem dritten Pylon sowie mehrere Büsten der Göttin Sekhmet aus schwarzem Granit. Die Stücke werden gereinigt, stabilisiert und sollen später im Tempelbereich wieder an ihren ursprünglichen Standorten zusammengefügt werden.

Am 22. Oktober 2026 hat eine ägyptisch-deutsche Mission neue Funde an den Memnonkolossen im westägyptischen Luxor gemeldet. Für Besucherinnen und Besucher ändert sich zunächst vor allem die Perspektive: Die Arbeit findet im Tempelkomplex hinter den beiden bekannten Sitzstatuen statt. Während die Kolosse weiterhin das Westufer des Nils prägen, rückt ein angrenzender Abschnitt des Totentempels von Amenophis III. stärker in den Fokus der Restaurierung und wissenschaftlichen Auswertung.
Technisch betrachtet geht es bei den Meldungen um eine typische Kombination aus Freilegung, Dokumentation und Wiederzusammenführung von Bauteilen. Laut Angaben, die der Mission zugeschrieben werden, kamen große Steine von zwei königlichen Sphinxfiguren ans Licht, nachdem sie zuvor hinter dem dritten Pylon des Tempels gelegen hatten. Die Fragmente zeigen wesentliche Elemente der Darstellung – darunter Kopfschmuck, Bart und eine Halskette des Königs. Besonders relevant ist dabei die Größenordnung: Für die beiden Sphinxfiguren wird eine Länge von etwa acht Metern genannt, was die späteren Rekonstruktionen deutlich anspruchsvoller macht als bei kleineren Skulpturen.
Daneben erweitert die Fundliste den Blick auf die religiöse Bildsprache des Areals. Die Mission entdeckte drei Büsten der Göttin Sekhmet aus schwarzem Granit. Diese Stücke stammen aus zwei benannten Bereichen: aus dem Umfeld vor dem offenen Hof und aus der großen Säulenhalle. Hinzu kommen beschriftete Sandsteinblöcke mit Szenen zu Festen, ein kleines Granitbildnis eines Beamten sowie weitere Säulenbasen und Steinblöcke. In Summe entsteht damit ein konsistenteres Bild davon, wie unterschiedliche Funktionszonen – vom Hof bis zur Säulenhalle – in den zeremoniellen Ablauf eingebunden waren.
Historisch ordnet die Einordnung der neuen Stücke den Totentempel von Amenophis III. in einen längeren Bau- und Restaurierungszusammenhang ein. Der Herrscher ließ die Anlage im Zeitraum von 1390 bis 1353 vor Christus errichten; als Maßstab wird genannt, dass der Komplex etwa 100 Meter breit und 600 Meter lang gewesen sein soll. Der World Monuments Fund beschreibt den Tempel außerdem als Ensemble aus Pylonen, Höfen, Säulenhalle und Heiligtum. Diese Struktur ist nicht nur Kulisse, sie hilft Forschenden auch dabei, Funde räumlich plausibel zu verorten – etwa dann, wenn Fragmente Hinweise auf Übergänge zwischen Monument und Prozessionsweg liefern.
Genau hier setzt die aktuelle Meldung an: Die neuen Sphinxfragmente passen offenbar zu einer früheren Funktion des Geländes. Zwischen dem dritten Pylon und dem Säulenhof habe vermutlich der Beginn eines Prozessionswegs gelegen, an dem religiöse Feste begangen wurden. Damit sind die Entdeckungen nicht nur zusätzliche Einzelstücke, sondern markieren möglicherweise einen Bauteil, der den Aufbau der Tempelanlage verständlicher macht. Für die Bild- und Textforschung ist das bedeutsam, weil sich an solchen Übergangszonen oft entscheidende Verbindungen zwischen Architektur, Darstellungsprogrammen und rituellen Abläufen ablesen lassen.
Für den praktischen Betrieb vor Ort bedeutet die Meldung vor allem: Die Arbeiten laufen bereits, und die neuen Funde bleiben Bestandteil der laufenden Restaurierung. Seit 1998 wird der Komplex erforscht und instand gesetzt; damals seien vor allem die beiden Kolosse erhalten gewesen. Die jetzt geborgenen Sphinx- und Sekhmet-Stücke werden gereinigt, stabilisiert und anschließend mit bereits gefundenen Teilen zusammengeführt. Danach sollen sie möglichst an ihren ursprünglichen Plätzen im Tempelbereich wieder aufgestellt werden – eine Vorgehensweise, die die Wiederherstellung der Gesamtwirkung unterstützt, ohne die Restaurierung in einzelne, voneinander getrennte Aktionen aufzuspalten.
Damit bleibt die Entdeckung auch für Reisende, die den bekannten Blick auf die Kolosse bereits kennen, relevant: Die bisher sichtbaren Hauptfiguren werden nicht kurzfristig ersetzt, aber das Umfeld gewinnt an Tiefe. Die neue Materialsammlung soll zunächst im Tempelbereich hinter den Statuen restauriert werden, bevor sie später im gleichen Areal wieder zusammengefügt wird. Für die Vermittlung vor Ort ist das ein Vorteil, denn die Besucherführung kann künftig konkreter erklären, wie sich Architekturteile und Bildprogramme im Laufe der Zeit rekonstruiert haben – statt nur die monumentalsten Standpunkte zu zeigen.
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