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LONDON (IT BOLTWISE) – James Lavish spricht von echter Bitcoin-Fatigue: Viele frühe Halter seien ausgestiegen und agierten nicht mehr aktiv. Gleichzeitig beschreibt er einen Generationenwechsel bei der Risikowahl, weil junge Anleger ihr Geld stärker in Prediction Markets und Sportwetten verlagern. Trotz des zähen Preisverlaufs sieht er jedoch das „Bottom“ bereits erreicht. Als Basisszenario nennt er für Anfang bis Mitte 2029 einen möglichen Höchststand zwischen 400.000 und 500.000 US-Dollar.

Bitcoin-Fatigue bremst Neuzuflüsse: James Lavish rechnet 2029 mit 400.000 bis 500.000 US-Dollar
Bitcoin-Fatigue bremst Neuzuflüsse: James Lavish rechnet 2029 mit 400.000 bis 500.000 US-Dollar (Foto: IT BOLTWISE)
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Bitcoin verliert nach Jahren der Euphorie spürbar an „Durchsatz“: Nicht, weil der Markt strukturell geschlossen wäre, sondern weil sich das Verhalten aktiver Teilnehmer verändert. James Lavish, Co-Manager des Bitcoin Opportunity Fund und unabhängiger Direktor bei Strive Inc. (ASST), ordnet die aktuelle Lage als Bitcoin-Fatigue ein. Seine Kernaussage: Viele der ursprünglichen Akteure hätten genug verkauft und seien anschließend aus dem Tagesgeschäft herausgegangen. Wo früher Rotationen zwischen Bitcoin und Altcoins stattfanden, würden heute zunehmend andere Spielmechaniken bevorzugt – insbesondere Prediction Markets und Sportwetten. Das verschiebt nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch das Timing von Liquidität, denn solche Formate reagieren oft anders auf Social-Media-Zyklen, Ereignisse und kurzfristige Narrative.

Technisch betrachtet ist damit vor allem die „aktive“ Komponente im Handel gemeint: Der Spot-Markt kann weiterhin Liquidität bereitstellen, doch wenn sich weniger Marktteilnehmer im gleichen Rhythmus engagieren, sinkt die Wahrscheinlichkeit für nachhaltige Breakouts. Lavish verbindet das mit dem beobachteten Preisverhalten: Bitcoin notierte zuletzt bei rund 77.300 US-Dollar und war damit im Tagesverlauf um etwa 0,8% gestiegen. Parallel blieb die Retail-Stimmung auf Stocktwits in einer eher bärischen Zone, während der allgemeine Chat über BTC laut seiner Darstellung auf einem neutralen Niveau lag. Genau diese Kombination – ein gemächlicher Kursanstieg bei gleichzeitig ausbleibendem Optimismus-Peak – passt zu seiner Diagnose, dass die „Originalgruppe“ inzwischen weniger aktiv ist und der Markt dadurch langsamer in neue Expansionen hineinfindet.

In einem zweiten Schritt verortet Lavish die Fatigue auch in Makrofaktoren, die sonst häufig als Rückenwind für Krypto diskutiert werden. Er stellt die Frage, warum sich Bitcoin trotz steigender US-Staatsschulden, einer Inflationsrate von knapp 4% und höheren Ölpreisen nicht stärker nach oben bewegt. Der Punkt dahinter ist nicht, dass diese Variablen irrelevant wären, sondern dass sich die Mittelzuteilung verändert haben kann: Wenn Kapital kurzfristig in KI-bezogene Aktien fließt oder wenn Cash attraktive Renditen abwirft, konkurriert Bitcoin um dieselbe Risikobudgets und denselben Risikoappetit. Das wirkt wie eine Bremse für die „Beta“-Story, selbst wenn die fundamentalen Argumente für Krypto politisch und geldpolitisch weiterhin häufig angeführt werden.

Besonders konkret wird Lavish bei der Ableitung aus dem Derivatemarkt. Er verweist darauf, dass Verkäufe von Call-Optionen durch längerfristige Halter den Preis belasten können. Marktmechanismen bei Optionen sorgen dann dafür, dass Market Maker entsprechende Hedging-Positionen eingehen – in seiner Darstellung verkaufen sie Bitcoin, um solche Trades abzusichern. Für Nicht-Insider ist das oft überraschend, weil es nach „Covered Calls“ klingt, die zunächst wie konservative Strategien wirken. In der Praxis können aber gerade Phasen mit hoher Optionsnachfrage und starker Hedging-Aktivität kurzfristige Aufwärtsbewegungen dämpfen, selbst wenn die Spot-Nachfrage nicht eindeutig negativ ist. Damit wird verständlich, warum ein Markt zwar „interessiert“ bleiben kann, aber dennoch nicht den entscheidenden Impuls bekommt, um über wichtige Widerstände hinaus zu laufen.

Trotz dieser Bremsfaktoren bleibt Lavish optimistisch – mit einer klaren, aber vorsichtigen Erwartungshaltung. Er sagt, er glaube, dass das „Bottom“ bereits erreicht sei, und ordnet das als Rückkehr in einen Bitcoin-Expansionzyklus ein. Sein Basisszenario sieht vor, dass Bitcoin in der Zeit von Anfang bis Mitte 2029 bei etwa 400.000 bis 500.000 US-Dollar seinen Höhepunkt erreicht. Interessant ist der Vergleich zu seiner früheren Projektion: Er nennt als früheren Call noch einen möglichen Bereich von 1 Million US-Dollar bis 2030 oder 2031. Diese Verschiebung zeigt, dass er weniger von einem linearen Wiederholungseffekt ausgeht – sondern eher von einer längeren oder selektiveren Ansammlung von Nachfrage, bevor sich eine neue Nachfragewelle materialisiert.

Auch bei der Frage, wie stark Finanzpolitik und Zinsumfeld wirken, greift Lavish auf Beobachtungen an den Staatsanleihemärkten zurück. Im August hatte Bitcoin nach seiner Darstellung die Marke von über 67.000 US-Dollar erreicht, nachdem das US-Finanzministerium seine Käufe langlaufender Anleihen ausgeweitet hatte. Damals sprach er davon, die US-Behörden hätten „geblinzelt“, also kurzfristig eine Signaldynamik ausgelöst, die Investoren in riskantere Assets gezogen habe. Seine Erwartung lautet nun: Wenn sich der Preis wieder stabilisiert, kehrt das Interesse aus dem Umfeld der Zins- und Anleihemärkte zurück – sein Bezugspunkt war dabei, dass bei Kursniveaus „über 100“ die Neigung steigen könnte, wieder stärker in Bitcoin zu gehen. Unabhängig davon, wie man „über 100“ konkret interpretiert, ist die Logik konsistent: Krypto ist in solchen Phasen nicht nur eine eigene Anlageklasse, sondern steht in Konkurrenz zu Rendite- und Laufzeitargumenten.

Für Unternehmen, die Krypto-Assets, Liquiditätsszenarien oder aktienmarktähnliche Risikomodelle intern bewerten, ist die praktische Botschaft von Lavishs Interview weniger der genaue Zielkorridor, sondern die Diagnose der Teilnehmerdynamik. Wenn sich aktive „Holder“ in der Breite zurückziehen und Aufmerksamkeit in Richtung spekulativer, eventgetriebener Formate wandert, wird Kursbildung stärker davon abhängig, wann und wie Derivate, Cash-Renditen und Social-Signale zusammenfallen. Gleichzeitig bleibt das Options- und Hedging-Thema für die Marktfolgen relevant: Strategien, die Erträge aus Volatilität sichern, können in bestimmten Phasen gegenläufige Preisimpulse erzeugen. Genau deshalb lohnt es sich, neben dem Spot-Chart auch die Ableitungen aus Optionsvolumen, Laufzeitstruktur und der Positionierung längerfristiger Marktteilnehmer in die eigenen Szenarien einzubauen.

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