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DALLAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Der SEC-Vorsitzende Paul Atkins sagt, die meisten Krypto-Assets seien keine Wertpapiere. Gleichzeitig hat Ripple eine endgültige Bundesbank-Genehmigung erhalten und baut damit seine stabilecoin-basierte Bankstruktur weiter aus. Für XRP ändert sich daran kurzfristig aber wenig: Der Kurs bleibt deutlich unter seinem Rekord und fällt weiterhin. Entscheidend wird nun weniger das Wort des Regulierers als der nächste konkrete Schritt beim Regelwerk sowie die technische Kursmarke.

SEC-Äußerung und Ripple-Bankcharter: Warum XRP trotzdem unter Druck bleibt
SEC-Äußerung und Ripple-Bankcharter: Warum XRP trotzdem unter Druck bleibt (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Kombination aus regulatorischer Beruhigung und frischer Bank-Lizenz sollte eigentlich Rückenwind für Krypto-Märkte liefern. Genau das bleibt bei XRP jedoch aus: Während der SEC-Vorsitzende Paul Atkins beim „Economic Club of Dallas“ erklärte, „most crypto assets are not themselves securities“, rutscht der Token weiter. Ripple meldet zeitgleich den finalen Approval durch das Office of the Comptroller of the Currency für eine Bundesbank (Ripple National Trust Bank). Im selben Zeitraum bewegt sich XRP nur begrenzt: Laut den Angaben aus dem Umfeld der Berichte lag der Kurs bei 1,25 US-Dollar, also 1,12 % im Tagesvergleich, aber innerhalb eines Rückgangs von 16,08 % im Oktober 2026. Damit steht XRP weiterhin 65,75 % unter dem Juli-2025-Rekord von 3,65 US-Dollar.

Technisch und juristisch lohnt sich der Blick darauf, wie eng die SEC-Aussage wirklich mit der XRP-Frage verknüpft ist. Atkins verweist auf die vorgeschlagene Regel „Regulation Crypto Assets“ und eine Innovation Exemption für den Handel tokenisierter Wertpapiere auf der Kette. Das ist mehr als Rhetorik, weil es konkrete Entlastungen skizzieren soll: Für Startups, die innerhalb von vier Jahren bis zu 5 Millionen US-Dollar einsammeln und in einem einzelnen Jahr bis zu 75 Millionen US-Dollar, wäre eine Befreiung von der vollständigen SEC-Registrierung vorgesehen. Wichtig bleibt aber der Status: Es handelt sich um einen Vorschlag, Kommentare laufen 60 Tage nach Veröffentlichung im Federal Register. Für Investoren heißt das: Erst der finale Zuschnitt des Regelwerks würde den „Climate“-Effekt in echte Planbarkeit übersetzen.

Für XRP ist die zentrale praktische Schicht ohnehin nicht die Rede, sondern das Urteil. Am 13. Juli 2023 entschied Richterin Analisa Torres, dass XRP als Token kein Investment Contract ist. Gleichzeitig stellte das Gericht fest, dass Ripples institutionelle Verkäufe als nicht registrierte Wertpapierangebote bewertet wurden, während die Verkäufe an Börsen nicht unter dieselbe Wertpapier-Logik fielen. Als die SEC und Ripple am 26. Juni 2025 gemeinsam baten, die einstweilige Verfügung (Injunction) zu verlängern und die Strafe zu reduzieren, lehnte Torres das ab; die SEC hat das Verfahren schließlich am 7. August 2025 bereinigt, nachdem beide Seiten ihre Berufungen zurückgezogen hatten. Solange sich damit am rechtlichen Status nichts ändert, bleibt die SEC-Aussage eher ein Signal zur Auslegung künftiger Fälle – aber sie ist keine unmittelbare Aufhebung der bereits festgezurrten Kernfragen für XRP.

Während der Streit um XRP seit Jahren überlagert, hat Ripple inzwischen deutlich sichtbarer auf den „Stabilisierungs-Stack“ gesetzt. Ripple beschreibt mehr als 85 Lizenzen, betreut über 1.700 Institutionen und nennt als Zielgröße rund 900 Millionen US-Dollar Umsatz bis Ende 2026. Die Erlösquellen werden im Bericht mit Ripple Payments für grenzüberschreitende Überweisungen, Custody, dem Stablecoin Ripple USD (RLUSD) sowie Ripple Prime (Prime Brokerage für Institutionen) ergänzt. In den Mittelpunkt rückt dabei die neu etablierte Ripple National Trust Bank, die mit der RLUSD-Logik eng verzahnt sein soll: Sie soll die segregierten Reserven für RLUSD verwalten, als Collateral Trustee für RLUSD-Inhaber fungieren und Custody-Services für digitale Assets bereitstellen. Bis zu einem angekündigten Starttermin läuft die Emission weiter über Standard Custody & Trust Company. Dass RLUSD laut den Angaben bereits eine Marktbewertung von über 2,43 Milliarden US-Dollar erreicht und von Moody’s mit „A2“ bewertet wird, zielt erkennbar auf die Bank- und Fondslogik ab, die institutionelle Käufer üblicherweise verlangt.

Marktseitig spielt RLUSD damit offenbar eine zentrale Rolle für die nächsten Kundenzyklen – und genau dort liegt der indirekte Zusammenhang zu XRP. Weder die SEC-Äußerungen noch die Banknachrichten nennen XRP explizit als Settlement-Asset; stattdessen deuten die beschriebenen Aktivitäten auf Reserven und Custody rund um RLUSD hin. Das kann erklären, warum XRP trotz „freundlicherer Washington“-Signale nicht automatisch aufdreht: Custody ermöglicht vor allem das sichere Lagern vorhandener Bestände, aber die zusätzliche Kaufentscheidung bleibt eine separate Frage. Konkurrenzaktivitäten unterstreichen das: Berichten zufolge arbeitet Circle an seiner Charter-Finalisierung (OCC-Approval im Juli 2026) und USDC befindet sich in großem Umlauf; Coinbase, eine Krypto-Börse, sowie weitere Wettbewerber stehen ebenfalls im regulatorischen Prozess. Parallel werden RLUSD und teilweise auch XRP in Custody-Angeboten aufgegriffen – bei Robinhood wird eine RLUSD-Abwicklung auf dem XRP Ledger vorbereitet, während BNY XRP und RLUSD in den Custody-Services ergänzen will. Das ist für XRP allerdings kein direkter Umsatztreiber, weil XRP im RLUSD-Settlement vor allem Netzwerkgebühren übernimmt, die verbrannt werden; Ripple verdient daran damit nicht automatisch.

Für Anleger ist daher weniger die Frage „Was meinte Atkins?“ entscheidend, sondern welche nächste harte Schwelle die Märkte bestätigt sehen. Die rechtliche Lage von XRP bleibt nach den dargestellten Gerichtsergebnissen zunächst wie von Torres 2023 hinterlassen. Eine Rede ist kein Gesetz, und „Regulation Crypto Assets“ bleibt vorerst ein Vorschlag – selbst wenn die Richtung freundlicher ausfällt. Entsprechend zeigt der Bericht auch, dass der Markt auf den Termin reagiert hat, ohne daraus eine Kurswende zu formen: Am 30. Oktober 2026, also am Tag der Rede, sollen Spot-ETFs Nettoabflüsse verzeichnet haben, während der Kurs über das letzte Jahr um 50,17 % gefallen sein soll. Ripple dürfte kurzfristig trotzdem profitieren, weil ein konsistenterer SEC-Ansatz plus der Bundesbank-Kontext den Vertrieb von Custody-, RLUSD- und Prime-Angeboten an Banken erleichtern könnte, die sich vorher von der Dispute-Historie ferngehalten haben. Der Effekt auf XRP bleibt aber indirekt, weil die neuen Produktlinien eng an RLUSD gekoppelt sind.

Die klarste nächste Messlatte bleibt deshalb zweigeteilt: erstens die SEC, falls sie „Regulation Crypto Assets“ finalisiert und damit den regulatorischen Rahmen für Token-Emissionen und -Handel stärker greifbar macht; zweitens der Markt selbst, der technische Widerstände setzt. Als konkrete Orientierung nennt der Bericht, dass XRP über seiner 200-Tage-Linie bei 1,28 US-Dollar wieder schließen müsste, um ein erstes Signal zu liefern, dass regulatorische Entspannung in Kaufnachfrage übersetzt wird. Bis dahin wirkt die Lage wie ein typisches Auseinanderlaufen von Nachricht und Preis: Juristische Klarheit schafft Spielräume, aber Kapital folgt eher erst, wenn daraus ein belastbares Handels- und Produktumfeld entsteht.

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