LONDON (IT BOLTWISE) – Blockstream-CEO Adam Back sieht die nächste große Bitcoin-Welle vor allem bei professionellen Kapitalpools. Er ordnet die Adoption in drei Phasen ein: erst Einzelkäufe und Mining, dann Spot-Bitcoin-ETFs, danach sollen Vorsorgefonds und Versicherer folgen. Entscheidend sei, dass Banken wegen Basel-Regeln Bitcoin für Kundengeschäfte bislang nur teuer halten können. Back verweist zudem darauf, dass neue Verwahrstrukturen den institutionellen Einstieg erleichtern könnten.

Adam Back, Mitgründer und CEO von Blockstream sowie Erfinder von Hashcash, zeichnet in einem aktuellen Interview ein Bild, in dem Bitcoin weniger als Nischenanlage für Privatanleger, sondern als künftiger Bestandteil professionell verwalteter Portfolios beschrieben wird. Seine Kernthese lautet, dass eine „dritte Welle“ der Adoption „still largely to come“ sei. Damit verschiebt sich der Fokus vom individuellen Handeln hin zu großen, routinierten Geldströmen: Vorsorgefonds, Versicherer und andere institutionelle Vermögensverwalter könnten die Nachfrage nach Bitcoin systematisch erhöhen, ohne dass Privatanleger selbst direkt handeln müssen.
Back unterteilt die Entwicklung in drei zeitliche Stufen. Die erste Welle verortet er bei Einzelpersonen, die entweder selbst minen oder Bitcoin über den OTC-Markt sowie über Börsen erwerben. Die zweite Welle bringt er mit Spot-Bitcoin-ETFs in Verbindung, weil diese Produkte Anlegern den Zugang über die vertraute Broker- und Beraterlogik eröffnen. In der dritten Phase, so Back, übernehmen nicht mehr einzelne Käufer und auch nicht primär ETF-Strukturen die Hauptrolle, sondern „große Pools von Kapital“, die von Profis gesteuert werden. Praktisch heißt das: Bitcoin taucht in der Allokation dort auf, wo langfristige Spar- und Versicherungsmodelle in der Regel bereits fest verdrahtete Prozesse besitzen.
Besonders konkret wird Back bei dem, was Banken laut seinen Aussagen in ihren Vorschlägen als Einstiegshürde und gleichzeitig als Einstiegspfad einsetzen könnten. Er beschreibt, dass mehrere große Investmentbanken „model portfolios“ vorgeschlagen hätten, in denen eine Bitcoin-Allokation von „2 to 4%“ vorgesehen sei. Solche Vorschläge sind zwar keine Garantie für tatsächliche Umsetzung, aber sie zeigen, wie institutionelle Produktplanung funktioniert: Eine vergleichsweise kleine Allokationsquote kann über große verwaltete Volumina trotzdem erhebliche Kaufimpulse erzeugen. Back macht außerdem deutlich, wie die indirekte Beteiligung vieler Menschen entstehen kann: Viele müssten Bitcoin nicht selbst kaufen, weil ihr Geld durch professionelle Manager in Vehikel wie Pensionsfonds, Versicherungsstrukturen oder Lebensversicherungen eingebracht wird.
Technisch und regulatorisch adressiert Back dabei ein zentrales Spannungsfeld: Banken und andere traditionelle Finanzinstitute stehen laut seiner Darstellung bei der direkten Bitcoin-Haltung vor Hürden, weil regulatorische Kapitalanforderungen die Aufwände erhöhen. Er verweist auf bankseitige Kapitalregeln, wonach das Halten von Bitcoin für Einlagen und Kundenmandate „quite expensive“ werde, weil dafür „a lot of tier one capital“ gebunden werde. Hinter dieser Aussage steckt das Prinzip, dass Risikogewichte und Eigenkapitalunterlegung bei neuen Assetklassen erst mit Verzögerung präzise genug eingepreist werden. Genau in dieser Lücke sieht Back auch den Grund, warum institutionelle Akteure häufig über Verwahrung, Abwicklung und Produktstrukturen statt über unmittelbares Underlying-Handling gehen.
Ein weiterer Punkt in Back’s Argumentation betrifft die Custody-Seite. Er nennt, dass große Verwahrer für Aktien und Anleihen damit beginnen, auch Bitcoin-Custody aufzubauen, und verbindet das mit Regeländerungen in den USA im Verlauf des vergangenen Jahres. Für die Praxis ist das mehr als nur Infrastruktur-Etikett: Professionelle Anleger benötigen robuste Verwahr- und Abwicklungsprozesse, klare Verantwortlichkeiten und praktikable Sicherheitsmodelle, damit Investments in einer Portfolio-Pipeline überhaupt erst implementierbar werden. Wenn Custody-Reife steigt, sinkt die organisatorische Reibung zwischen „wir wollen Bitcoin“ und „wir können es im Tagesgeschäft sauber ausrollen“.
Auch wenn die Preisbewegung in seinem Interview-Kontext nur am Rand auftaucht, zeigt die Momentaufnahme, wie parallel Marktmechanik und Narrativ laufen: Bitcoin lag zum Zeitpunkt der Einordnung um 0,7% höher über 24 Stunden. Zugleich wird in dem Umfeld, das Back kommentiert, deutlich, dass kurzfristige Stimmungsschwankungen bei Retail-Teilnehmern existieren können, während die institutionelle Logik eher durch Portfoliorichtlinien, Laufzeiten und Risikokontrollen geprägt ist. Für Analysten bedeutet das: Selbst wenn die kurzfristige Marktstimmung wechselhaft bleibt, kann eine „dritte Welle“ aus institutioneller Allokationsplanung in den nächsten Quartalen schrittweise über Fonds- und Vorsorgelösungen sichtbar werden.
Für Unternehmen und Anbieter im Ökosystem ergibt sich daraus eine klare Richtung: Der Wettbewerb entscheidet sich nicht nur am „ob“, sondern am „wie“ der Integration. Portfolio-Entscheider prüfen typischerweise Korrelationen, Verwahrkosten, Liquiditätsannahmen und das Risiko-Reporting; Produktteams müssen daraus umsetzbare Mandate, Fondsmechaniken und Governance ableiten. Wer Custody, Datenflüsse und Reporting-Workflows so gestaltet, dass sie in bestehende Risikomodelle und operativen Betrieb passen, kann leichter in die indirekten Vertriebskanäle von Pensions- und Versicherungsprodukten hineinwirken. Damit verschiebt sich die Wertschöpfung in Richtung Infrastruktur, Compliance-nahe Betriebsprozesse und Asset-Serving.
Die zentrale Einordnung von Back bleibt dennoch eine Entwicklungsfrage: Er sagt nicht, dass die dritte Welle bereits vollständig angekommen ist, sondern dass sie „still largely to come“ sei. Genau deshalb lohnt es sich, die nächsten Schritte an konkreten Signalen festzumachen: Wie schnell werden institutionelle Custody-Setups ausgebaut, wie plausibel werden Modellportfolios tatsächlich in Produkte übersetzt, und wie reagieren regulatorische Kapitalparameter auf die wachsende Verbreitung? Wenn diese Faktoren mit der von Back beschriebenen Logik zusammenlaufen, könnten sich die Kaufimpulse für Bitcoin zunehmend von spontanen Retail-Transaktionen hin zu langfristigen, professionell gesteuerten Zuflüssen verlagern.
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