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LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin-Bullen sehen die anhaltende Korrektur nach Einschätzung von Michaël van de Poppe bereits in der Schlussphase. Trotz der Folgen des Binance-Hacks, der nach Angaben des FBI mit Nordkorea in Verbindung gebracht wird, hält BTC laut Daten zu seinem 50-Wochen-Durchschnitt die technische Struktur. Am Markt wird gleichzeitig erwartet, dass US-Midterm-Wahlen zumindest teilweise „eingepreist“ sind. Offen bleibt jedoch, ob es in den kommenden Wochen noch einmal einen „Sweep“ in Richtung der jüngeren Tiefs gibt.

Bitcoin erholt sich nach Binance-Hack – Bullen sehen das Korrektur-Ende
Bitcoin erholt sich nach Binance-Hack – Bullen sehen das Korrektur-Ende (Foto: IT BOLTWISE)
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Bitcoin hat sich zuletzt trotz einer der größten Sicherheitskrisen im Krypto-Ökosystem stabil gehalten: Selbst nach dem von dem FBI nachdrücklich adressierten Vorfall um den Binance-Diebstahl blieb die Kursstruktur um einen zentralen Indikator herum intakt. Während viele Marktteilnehmer solche Schlagzeilen zunächst als kurzfristige Belastung interpretieren, zeigt die aktuelle Preisreaktion eher eine Marktlogik, die kurzfristige Schocks von einem längerfristigen Trend trennt. Genau an dieser Stelle setzt die aktuelle Position der Bullen an: Michaël van de Poppe, Gründer des MN Fund, ordnet die Bewegung nicht als „Collapse“, sondern als Korrektur ein. Er sagte, „we’re at the end stage of the correction“, fügte aber hinzu, Bitcoin könne „still see another sweep of the low“. Damit wird aus einer reinen Kursstory zugleich eine Timing-Frage: Wie weit muss der Markt noch „durchatmen“, bevor Käufer das Momentum erneut dominieren?

Dass diese Sicht nicht nur aus Hoffnung besteht, lässt sich an der technischen Marktbeobachtung festmachen. Laut Aussagen von Galaxy Digitals Alex Thorn schloss Bitcoin seit sieben Wochen in Folge über seinem 50-Wochen-Moving-Average. Für das konkrete Bild nennt er einen wöchentlichen Schlusskurs von 78.229 US-Dollar, rund 3,3 % über dem 50-Wochen-Durchschnitt von 75.728 US-Dollar; außerdem wird berichtet, dass BTC diesen Bereich am 20. September zurückerobert hat, nachdem zuvor 44 aufeinanderfolgende Wochen unterhalb dieses Niveaus gelegen hatten. Aus technischer Perspektive ist das nicht nur eine Zahl, sondern ein Mechanismus: Der 50-Wochen-Durchschnitt fungiert häufig als „Regime“-Grenze, weil sich hier die Gewichtung zwischen langfristigen Käufen und langfristigem Abverkauf verschiebt. Wenn der Kurs darüber bleibt, bleiben auch viele systematische Strategien in einem „Risk-on“-Modus, während ein neuer Bruch darunter typischerweise die Wahrscheinlichkeit weiterer Liquiditätsabflüsse erhöht.

Parallel zur Chart-Logik spielt die Makro-Komponente eine Rolle, vor allem weil in den USA politische Ereignisse oft als Volatilitätsauslöser gehandelt werden. Van de Poppe bewertet die bevorstehenden US-Midterm Elections dabei ausdrücklich als bereits eingepreist: Er sagte, „U.S. midterm elections were already priced into the markets and were going to be a non-event.“ Gleichzeitig warnt er nicht vor jeder weiteren Bewegung, sondern vor dem spezifischen Muster: „end stage of the correction“, aber möglicherweise noch ein Abtauchen in Richtung der lokalen Tiefs. Für die nächsten Wochen bedeutet das: Selbst wenn der größere Trend bullisch gelesen wird, können kurzfristige Liquiditätsereignisse über Stop-Losses und Margin Calls entstehen. In der Praxis zeigt sich so ein „Sweep“ oft als beschleunigter Abverkauf, der technische Unterstützungen kurz unterschreitet, bevor der Markt wieder zurück in die Range springt. Gerade weil BTC um 78.000 US-Dollar pendelt und laut Bericht am Montag um 0,3 % zulegte, scheint der Markt eher darauf zu warten, ob Käufer das technische Niveau halten können.

Der Binance-Hack bleibt dabei der sprichwörtliche Stresstest für Vertrauen und Risikoappetit. Der Bericht verweist auf die Aussage des FBI vom Samstag, wonach Nordkorea hinter dem Diebstahl von Binance gesteckt haben soll; das Ereignis wird damit nach Angaben des FBI mit Nordkorea in Verbindung gebracht, während die Marktreaktion zeigt, dass die Unsicherheit noch nicht komplett ausgeräumt ist. Auch ein zweites Signal passt ins Bild: Der Cryptoquant-Analyst Axel Adler erklärte, der Fear-and-Greed-Index sei nach dem Hack auf 30 gefallen, von einem durchschnittlichen Niveau von 56. Diese Diskrepanz ist wichtig: Der technische Indikator kann zwar Stärke anzeigen, aber das Sentiment spiegelt weiterhin Unsicherheit wider. Auf der Akteursebene wird außerdem beschrieben, dass sich Retail-Sentiment auf der Plattform Stocktwits im „extremely bullish“-Bereich bewegt habe, während das allgemeine „Chatter“-Niveau relativ normal geblieben sei. Genau solche Konstellationen kennt man aus dem Krypto-Markt: Wenn „Stimmung“ und „Preisstruktur“ kurzfristig auseinanderlaufen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt zuerst Liquidität abzieht (z. B. Richtung Tiefs) und erst danach einen sauberen Trendaufbau startet.

Ein weiterer Strang der Argumentation kommt aus der relativen Performance gegenüber anderen Assets. Der Analyst Willy Woo stellte Bitcoins Verlauf im Vergleich zu Gold heraus: Er schrieb, Bitcoin sei in der Vorwoche um 2,9 % gefallen, Gold um 3,0 %, und betonte gleichzeitig, dass „ETF holders dumped $643M“. In der Logik vieler institutioneller Marktteilnehmer ist dieser Vergleich nicht banal: Wenn sich Krypto wie ein substitutierbares Makro-Asset verhält, verschieben sich die Treiber oft von reinem Krypto-Spezialnarrativ hin zu Liquiditäts- und Risikoindikatoren. Gleichzeitig greifen andere Analysten die historische Einordnung der Preisrückgänge auf. Ted Pillows erklärte, Bitcoin habe in der Bull-Phase 2019 bis 2021 fünf Rückgänge mit mehr als 30 % erlebt und 2023 bis 2025 vier Rückgänge mit mehr als 25 %; daraus leitet er ab: „We are only in the first correction of this bull run.“ Für Leser mit Technologie- und Datenhintergrund ist daran vor allem die Methodik interessant: Nicht jeder Rücksetzer ist „ein anderes Spiel“, sondern häufig ein wiederkehrendes Muster innerhalb desselben Marktregimes.

Für Unternehmen, die Krypto-Exponierung, Zahlungs- oder Treasury-Strategien prüfen, ergibt sich daraus eine nüchterne Übersetzungsaufgabe. Erstens: Die Stabilität über dem 50-Wochen-Durchschnitt deutet darauf hin, dass das „Trend-/Regime“-Signal derzeit nicht durchbrochen ist. Zweitens: Das Sentiment bleibt laut Indexwerten angeschlagen, wodurch operative Risiken wie erhöhte Spreads, schnellere Reaktionszeiten von Märkten auf News und veränderte Liquiditätsfenster wahrscheinlicher werden. Drittens: Die Erwartung eines möglichen „sweep of the low“ erinnert daran, dass Risiko-Modelle in Krypto häufig nicht linear sind; ein kurzfristiger Ausreißer kann strategische Planungen dominieren, selbst wenn das mittelfristige Zielbild bullisch bleibt. Wer in diesem Umfeld Entscheidungen trifft, braucht daher nicht nur einen Blick auf einzelne Kursniveaus, sondern auch auf die Logik dahinter: Welche Datenpunkte werden von Märkten „gefühlt“, welche werden von Algorithmen „gerechnet“, und welche bleiben trotz Kursstärke noch unter der Oberfläche unsicher?

Unterm Strich verdichtet sich die Lage zu einem Szenario, in dem die Korrektur zwar noch nicht vollständig beendet sein muss, aber die Wahrscheinlichkeit eines späteren Re-Acceleration-Signals steigt, solange BTC die beschriebene technische Struktur verteidigt. Van de Poppe setzt dabei auf eine Kombination aus eingepreisten politischen Risiken und einem „späten Korrektur“-Zeitfenster; Thorn und die 50-Wochen-Logik liefern das technische Gegenstück. Gleichzeitig bleibt der Markt psychologisch fragil, weil die Unsicherheit nach dem Binance-Vorfall weiterhin sichtbar ist. Wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt, dürfte weniger davon abhängen, ob es eine Schlagzeile gibt, und mehr davon, ob Käufer Rückläufe konsequent abfangen, bevor ein letzter Liquiditätssog die Tiefs noch einmal „testet“.

Für die letzten zwei Monate des Jahres wird damit vor allem eines entscheidend: die Koordination zwischen technischer Stärke und realem Risikoappetit. Wenn politische Faktoren tatsächlich weitgehend „eingepreist“ sind, sollten Kursschwankungen vor allem chartgetrieben bleiben. Sollte der Markt hingegen wegen Sentiment-Schocks erneut in einen defensiveren Modus kippen, können genau die angekündigten „sweep“-Bewegungen eintreten, ohne dass damit der größere bullische Kontext automatisch bricht. Für Technologieführer, die Krypto-bezogene Produkte oder Infrastrukturen betreiben, heißt das: Risikoabsicherung und Monitoring sollten eng mit den beobachteten technischen Schwellen gekoppelt werden, statt sich auf eine einzige Erzählung zu verlassen.

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