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LONDON (IT BOLTWISE) – Ein in der Sahara entdeckter Mars-Meteorit namens Teghaza 001 stammt nach neuen Datierungen aus der Frühzeit des Roten Planeten. Das rund 800 Gramm schwere Gestein entstand vor mehr als 4,1 Milliarden Jahren und gilt als einer der ältesten jemals geborgenen Marsbrocken. Forschende konnten über Minerale und Sauerstoffisotope sowie über Spuren hydrothermaler Flüssigkeiten Hinweise auf einen aktiven Wasserkreislauf rekonstruieren. Zusätzlich hilft eine hochpräzise Methode aus Kaliforniens Forschungsmilieu dabei, das Entstehungsalter an winzigen Kristallen festzumachen.

Teghaza 001: 4,1 Milliarden Jahre alter Mars-Meteorit liefert neue Wasser- und Krusteninfos
Teghaza 001: 4,1 Milliarden Jahre alter Mars-Meteorit liefert neue Wasser- und Krusteninfos (Foto: IT BOLTWISE)
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In einer Salzebene der Sahara, in Mali, wurde 2022 ein ungewöhnlich wirkender Gesteinsfund gemacht: der rund 800 Gramm schwere Mars-Meteorit Teghaza 001. Was zunächst wie ein klassischer Meteoritenfund klingt, bekommt jedoch eine besondere geowissenschaftliche Dimension, weil präzise Altersbestimmungen das Stück in die Frühphase des Roten Planeten verorten. Mit einem Alter von vor über 4,1 Milliarden Jahren zählt der Meteorit zu den drei ältesten jemals auf der Erde gefundenen und als Marsursprung nachgewiesenen Proben. Für die Marsforschung ist das vor allem deshalb relevant, weil sich aus so frühen Materialien oft Hinweise auf Krustenbildung, chemische Frühentwicklung und die ersten Wasserprozesse ableiten lassen.

Damit nicht genug: Die Einordnung als „Stein von Rosette“ verdeutlicht, welchen Mehrwert die Probe verspricht. In einer im Fachjournal Science veröffentlichten Studie analysierte ein Team um die Erstautorin Yang Liu vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA die Zusammensetzung des Brockens. Teghaza 001 erweist sich als magmatisches Gestein, das langsam abkühlte und dabei reich an Plagioklas sowie Zirkonkristallen wurde. Entscheidend ist die Herkunftsbestimmung: Die Forschenden der University of New Mexico wiesen den marsianischen Ursprung unter anderem anhand von Sauerstoffisotopen nach. Liu formulierte in einer JPL-Mitteilung den Punkt so: „Erst als wir genau hinsahen, erkannten wir, wie einzigartig dieser Meteorit wirklich ist.“ Ein Gutachter habe den Fund sogar als „Stein von Rosette für den Mars“ bezeichnet – in Analogie zu der historischen Steintafel, die einst half, Hieroglyphen zu entziffern.

Aus technischer Sicht liegt die Stärke von Teghaza 001 weniger in der bloßen Datierung als in der Kombination aus mineralogischen „Datenträgern“ und chemischen Signaturen. Laut den Analysen verbindet das Gesteinsfragment unverfälschte Minerale der Ur-Kruste mit chemischen Spuren von Wasser. Genau diese Überlagerung ist für Modelle zur frühen Planetenentwicklung schwer erreichbar: Man braucht Proben, die nicht nur irgendeinen Wasserkontakt zeigen, sondern Spuren konservieren, die zeitlich in die Frühphase fallen. Die Isotopensignaturen deuten darauf hin, dass der junge Mars offenbar einen aktiven Wasserkreislauf hatte. Besonders auffällig ist dabei die Interpretation der hydrothermalen Veränderung: Das Material wurde demnach vor rund 4,1 Milliarden Jahren durch Wasser unterhalb der Oberfläche umgeprägt.

Im weiteren Kontext passt das Bild zu Befunden, die über verschiedene Missionen und Gesteinstypen entstanden sind. Frühere Untersuchungen an anderen Marsmeteoriten zeigten bereits, dass Wasser über Milliarden Jahre hinweg messbare Spuren hinterlässt. Auch Rover-Missionen lieferten vor Ort Indizien für feuchte Epochen, etwa durch Signaturen, die zu Wasserprozessen im Zusammenhang mit altem Magmagestein passen. Teghaza 001 liefert nun zusätzlich eine direkte materielle Probe aus genau jener frühen Phase, die bislang oft nur indirekt erschlossen wurde. Damit wird die Frage nach „wann“ und „wie lange“ Wasser wirksam war konkreter: Nicht nur die Existenz von Wasser, sondern die geochemische Route, über die es mit Krustenmaterial wechselwirkte, rückt in den Fokus.

Eine zentrale methodische Rolle spielt dabei die Altersbestimmung, die im Kern auf mikroskopisch kleinen Zeitkapseln beruht. Für die exakte Datierung reichte den Forschenden ein winziges Stück Gestein aus – kleiner als ein Fingernagel. Mit einer neuartigen Methode aus dem California Institute of Technology (Caltech) analysierten sie den Zerfall chemischer Elemente in einzelnen Kristallen. Solche Kristall-zentrierten Datierungen gelten als besonders leistungsfähig, weil sie die „Mischung“ von Ereignissen verringern, die sonst entstehen kann, wenn ein Handstück viele Bildungs- oder Umwandlungsphasen gleichzeitig dokumentiert. Der geowissenschaftliche Nutzen ist unmittelbar: Man kann Entstehungsalter und nachträgliche Prozesse besser voneinander trennen, statt sie nur als grobe Zeitspanne zu vermischen.

In der Studie wird außerdem betont, was für die Marsforschung daran bisher gefehlt hat: direkte Proben aus einer Region bzw. einem Teil des Mars, von dem es bislang noch keine passenden Gesteine gab. Zweitautor Lee Saper, der zuvor am JPL tätig war und heute am Ames Research Center der NASA arbeitet, brachte das in der Mitteilung pointiert auf den Punkt: „Dies ist unser erstes Stuck Marskruste aus einem Teil des Mars, von dem wir zuvor noch nie eine Probe hatten.“ Die Interpretation geht dabei über reine Chronologie hinaus: Das Gestein dokumentiere Wechselwirkungen zwischen Wasser und Gestein und halte womöglich fest, wie die frühe Marsatmosphäre Wasser verlor. Für Geochemiker ist das genau die Art Material, die hilft, atmosphärische Modelle enger mit Mineralreaktionen zu verknüpfen.

Teghaza 001 erweitert damit ein sehr kleines Set an „Urgesteinen“ des Mars, die einen Blick in die Frühzeit erlauben. Neben dem berühmten Meteorit ALH84001 zählt auch der rund 2,1 Milliarden Jahre alte Fund NWA 7034 („Black Beauty“) zu den seltenen Proben. Die Forscherinnen und Forscher hoffen, dass die Datierungsmethode aus Kaltech künftig nicht nur auf weitere Meteoriten angewendet werden kann, sondern auch auf künftige Rückholmissionen. Für den Markt der planetaren Forschung – also für Institute, Laborinfrastrukturen und Missionsteams – ist das ein relevanter Hebel: Je präziser sich das Alter einzelner Kristalle bestimmen lässt, desto stärker kann die Missionstheorie (Probenstrategie, Auswahl von Zielgesteinen) durch harte geochronologische Daten untermauert werden. Und weil Teghaza 001 Wasserprozesse in sehr frühen Zeiträumen materiell belegt, verschiebt sich der Schwerpunkt von „es könnte Wasser gegeben haben“ hin zu „dieses Wasser interagierte konkret so und so früh“.

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