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MALI / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Marsmeteorit Teghaza 001 aus der Sahara ist mindestens 4,1 Milliarden Jahre alt und zählt damit zu den ältesten Funden dieser Art auf der Erde. Zirkone, Schockminerale und wasserveränderte Phasen zeigen eine frühe Reaktion von Gestein mit heißem Wasser in der jungen Marskruste. Damit rückt ein geochemischer „Zeitstempel“ für die Entstehung und Verarbeitung von Wasser auf dem Roten Planeten näher an die Messpraxis heran. Entscheidend ist, dass die Altersdaten mehrere unabhängige Verfahren mit engen Bandbreiten stützen.

Teghaza 001: 4,1 Milliarden Jahre alter Marsmeteorit liefert Hinweise auf frühes Wasser
Teghaza 001: 4,1 Milliarden Jahre alter Marsmeteorit liefert Hinweise auf frühes Wasser (Foto: IT BOLTWISE)
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Ein rosafarbener Meteorit aus der Sahara wirkt auf den ersten Blick wie ein geologischer Zufallsfund, doch Teghaza 001 gehört zu den Ausnahmen, die Forschungsteams gezielt umkreisen. Der Brocken wird als mindestens 4,1 Milliarden Jahre alt eingeordnet und zählt damit zu den drei ältesten bekannten Marsmeteoriten auf der Erde. Diese Einordnung ist nicht nur eine Datumsangabe fürs Archiv, sondern eine Aussage darüber, wie früh im Leben des Planeten Prozesse in der Kruste abliefen. Besonders auffällig ist die Mineralogie: Sie dokumentiert eine Phase, in der Wasser in die junge Marskruste eindrang und dort mit heißem Gestein reagierte. Gerade die Kombination aus sehr früher Entstehung und nachträglicher Flüssigkeitschemie macht den Fund so wertvoll, weil Raumsonden zwar Oberflächenmuster erfassen, die „Chemiegeschichte“ aber nur indirekt lesen.

Für die Bestimmung, dass es sich nicht um „einen weiteren“ Marsmeteorit handelt, spielten Textur und Zusammensetzung die entscheidende Rolle. Zunächst passte das Material zunächst in das Bild eines Shergottiten, also eines Vertreters einer häufigen marsianischen Meteoritenfamilie. Laboranalysen am Jet Propulsion Laboratory der NASA machten jedoch deutlich, dass die Bausteine des Gesteins nicht zu diesem üblichen Rahmen passen: Die Autoren beschreiben das Gestein als langsam abgekühlten, plagioklasreichen Gabbro-Diorit, dessen Minerale eine eigenständige geochemische Entwicklung bewahren. In der Praxis bedeutet das: Bestimmte Mineralphasen sind nicht nur „da“, sondern sie tragen Signaturen, die auf eine andere Abkühl- und Reaktionsgeschichte hinweisen. Dazu gehören auch Zirkonkristalle sowie Schockminerale und wasserveränderte Phasen, die jeweils unterschiedliche Kapitel der Entstehung und Umlagerung widerspiegeln.

Damit Teghaza 001 nicht nur im Labor beeindruckt, sondern auch sauber datierbar ist, stützt das Team das Alter auf mehrere voneinander unabhängige geochronologische Verfahren. Für Zirkone ergaben Uran-Blei-Messungen ein gewichtetes Mittel von 4114 ± 17 Millionen Jahren; eine Bleiblei-Auswertung derselben Minerale lieferte 4113 ± 14 Millionen Jahre. Eine weitere Bleiblei-Datierung an Phosphaten kam auf 4124 ± 28 Millionen Jahre. Diese eng beieinanderliegenden Werte sind wichtig, weil sie das zentrale Zeitfenster konsistent machen: Ein sehr frühes Ereignis muss die Mineralgeschichte geprägt haben, statt dass es sich um spätere Überprägungen handelt, die zufällig ähnliche Daten erzeugen. Zusätzlich verfeinerte das Team eine In-situ-Rubidium-Strontium-Datierung nach Weiterentwicklung von François Tissot am California Institute of Technology: Dabei untersuchten sie einzelne Mineralkörner direkt an Ort und Stelle, ohne die gesamte Probe aufzulösen. Das Ergebnis von 4238 ± 208 Millionen Jahren ist breiter, ergänzt aber die sehr frühe Entstehungs- und Veränderungsphase plausibel.

Der wissenschaftliche Hebel liegt anschließend in der Interpretation: Nach Angaben der Autoren markiert der Bereich um 4,1 Milliarden Jahre wahrscheinlich eine hydrothermale Verarbeitungsphase, also eine Reaktion durch Wasser. Das ursprüngliche magmatische Gestein könnte deshalb sogar älter sein. Entscheidend ist, dass Flüssigkeit nicht nur „irgendwo“ vorbeigelaufen ist, sondern in die Kruste eindrang und chemische Spuren hinterließ, die bis heute in Sauerstoffisotopen sowie in wasserveränderten Phasen erhalten sind. Das macht Teghaza 001 zu einem besonders seltenen Kontaktpunkt zwischen geologischer Frühzeit und messbarer Gegenwart: Meteorite liefern direkte Proben, während Orbiter und Rover überwiegend Oberflächensignaturen oder lokal begrenzte Gesteine untersuchen. Auf der Erde existieren zwar zahlreiche Marsmeteorite, aber die Sammlung bildet die alte Kruste nur unvollständig ab. Teghaza 001 ergänzt damit ein geochemisches Mosaik, das bislang eine besonders seltene Krustenkomponente vermissen ließ.

Auch die „Herkunftsschubladen“ im Marsinneren sind bei Teghaza 001 schärfer als bei vielen Vergleichsfunden. Mineralogie, Textur und Gesamtzusammensetzung unterscheiden sich von allen anderen untersuchten Marsmeteoriten, was die Forscher zu der Schlussfolgerung führt, dass das Ausgangsmagma aus einer eigenständigen Mantelquelle mit sehr ursprünglicher chemischer Zusammensetzung stammte. Historisch betrachtet ist das bemerkenswert, weil die frühe Differenzierung eines Planeten immer schwerer direkt zu belegen ist: Man braucht Proben, die nicht vollständig durch spätere Prozesse verwischt wurden. Im Vergleich dazu zeigt der ähnlich alte Marsmeteorit ALH84001 eine viel einseitigere Mineralogie und besteht nahezu vollständig aus einem dominierenden Mineral. Teghaza 001 enthält dagegen eine Mischung magmatischer Phasen, die mehrere Stationen sichtbar macht: langsames Abkühlen, eine spätere Reaktion mit Flüssigkeit und schließlich eine starke Stoßbelastung. Genau diese Mehrstufigkeit erlaubt es, unterschiedliche Phasen einer Krustenprobe auseinanderzuziehen.

Damit die Probe überhaupt auf die Erde gelangte, musste sie im ersten Schritt einen Einschlag überstehen, der Material vom Mars aus dem System schleuderte. Im Gestein finden sich Hinweise auf Reidit, eine Hochdruckform von Zirkon, die nur unter extremer Stoßbelastung entsteht. Eine Impaktschmelze wurde dagegen nicht festgestellt. Dieser Unterschied hilft, die mechanische Belastung einzugrenzen: Der Stoß hat offenbar stark genug „umgeschaltet“, um Hochdruckmineralogie zu erzeugen, aber nicht so weitgehend aufgeschmolzen, dass die ältere chemische Signatur vollständig mit einer jüngeren Schmelzphase vermischt wurde. Für die Herkunft aus dem Mars selbst bleibt die Lage unscharf, aber das Team nimmt eine Brücke über Fernerkundungsdaten: Der Mars Reconnaissance Orbiter liefert aus dem stark verkraterten südlichen Hochland 13 mögliche Gebiete, deren Zusammensetzung zur Probe passen könnte. Die Position des Auswurfortes lässt sich allerdings nicht direkt nachweisen, weil ein Meteorit die geographische Position nach dem Auswurf nicht „mitführt“.

Eine weitere Untersuchung vertieft schließlich den Wasseraspekt über Calciumphosphate und deren Wasserstoffisotope. In den Analysen zu Calciumphosphaten stecken Signale, die auf eine Mischung aus magmatischem Wasser und einer deuteriumreichen Komponente der damaligen Hydrosphäre hinweisen. Das Verhältnis von Deuterium zu Wasserstoff lag in dieser alten Wasserreserve mindestens ungefähr beim Doppelten von irdischem Meerwasser. In der Interpretation passt das zu Modellen, nach denen leichter Wasserstoff aus der jungen Marsatmosphäre bevorzugt ins All entwich und das verbleibende Wasser mit Deuterium angereichert wurde. Wichtig ist: Dieses isotopische Profil belegt weder Leben noch eine konkrete Dauer „lebensfreundlicher“ Bedingungen, aber es zeigt sehr konkret, dass Wasserreservoire und Krustengestein bereits in einer frühen Epoche miteinander wechselwirkten. Genau dafür liefert Teghaza 001 einen frühen Zeitanker, während die heutigen Oberflächenbedingungen auf dem Mars kalt und trocken sind und ältere, wasserreiche Landschaften eher in Mineralen und Sedimenten nachvollziehbar bleiben.

Für die nächsten Schritte hoffen die Autoren, dass weitere Gruppen das Material untersuchen und damit die Herkunft und die Abfolge der Prozesse weiter eingrenzen. Die bisherigen Aussagen zeigen bereits, warum das so spannend ist: Teghaza 001 wird als geochemisch besonders ungewöhnlich beschrieben, und gleichzeitig handelt es sich um eine Probe, die in der Sammlung bislang fehlte. Daneben könnte die zerstörungsarme Datierung mit In-situ-Methoden deutlich an Bedeutung gewinnen, weil seltene außerirdische Proben für spätere Analysen erhalten bleiben müssen. Das gilt besonders für Material von anderen Planeten, Monden und Asteroiden, bei dem jedes Mineralkorn wissenschaftlich wertvoll ist. Wenn sich die Methode bewährt, könnten weitere Marsmeteoriten sowie zurückgebrachte Proben aus dem Sonnensystem systematischer in ein geochronologisches Raster eingeordnet werden – mit dem Ziel, die frühen Wasser- und Krustenprozesse nicht nur zu rekonstruieren, sondern zeitlich präziser zu verknüpfen.

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