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PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – UNESCO meldet, dass Drohnenangriffe in Krisenregionen immer häufiger Kriegsberichterstatter treffen. Zwischen 2024 und 2025 starben 50 Journalisten durch Angriffe mit Drohnen, das entspricht 40 Prozent aller getöteten Medienvertreter in Konfliktgebieten. Gleichzeitig bleiben viele Tötungen ohne strafrechtliche Aufarbeitung: 86 Prozent der gewaltsamen Todesfälle führten laut Bericht zu keiner Strafverfolgung. UNESCO fordert Staaten auf, die UN-Resolution zum Schutz von Journalisten konsequent umzusetzen.

UNESCO warnt: Drohnen töten immer häufiger Kriegsjournalisten
UNESCO warnt: Drohnen töten immer häufiger Kriegsjournalisten (Foto: IT BOLTWISE)
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In den weltweiten Krisenregionen verschiebt sich das Risiko für Kriegsberichterstattung spürbar: Nicht mehr nur Beschuss aus der Nähe, sondern auch aus der Distanz gestartete Angriffe per Drohne treffen zunehmend Medienschaffende. Laut einem alle zwei Jahre veröffentlichten Bericht der UN-Kulturorganisation UNESCO zur Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten kamen im Zeitraum 2024 bis 2025 insgesamt 50 Journalisten durch Drohnenangriffe ums Leben. UNESCO ordnet diese Zahl zugleich in den größeren Kontext ein: Sie entspreche 40 Prozent aller in Konfliktgebieten getöteten Medienvertreter im selben Zeitraum.

Die Statistik zeichnet damit ein Bild, das Einsatz-Teams in Redaktionen und bei Hilfsorganisationen seit Jahren beschäftigen dürfte: Der technische Vorteil unbemannter Systeme erhöht die Reichweite tödlicher Gewalt, während traditionelle Schutzmechanismen für Feldjournalismus oft nur eingeschränkt greifen. Drohnen lassen sich vergleichsweise schnell verlegen, können wiederholt nachgeführt werden und bieten Angreifern auch dann noch eine Beobachtungs- und Zieloption, wenn sich Menschen bereits bewegt haben. Für Journalisten bedeutet das in der Praxis weniger planbare Sicherheitsfenster – vor allem dann, wenn die Arbeit ohnehin unter Zeitdruck entsteht, etwa beim Aufklären von Frontnähe oder bei der Dokumentation von Ereignissen in schnell wechselnden Lagen.

UNESCO berichtet außerdem von weiteren, breit gestreuten tödlichen Angriffen gegen Medienvertreter: 2024 und 2025 kamen 189 Journalisten gewaltsam ums Leben. Das seien 20 Prozent mehr als im vorangegangenen Zeitraum gewesen. In Konfliktgebieten wurden davon 127 getötet; die übrigen Fälle ordnet UNESCO dagegen anderen Ländern zu, unter anderem im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität und Korruption oder im Umfeld von Berichterstattung über Proteste. Damit wird deutlich, dass Drohnen zwar als ein besonders tödlicher Faktor für die Kriegsberichterstattung herausstechen, die Gesamtrisikolage für Journalisten aber keineswegs auf einzelne Technologien reduziert werden kann.

Besonders brisant ist die Verknüpfung aus hoher Gewaltintensität und fehlender Strafverfolgung. UNESCO verweist darauf, dass Journalisten Morde oft nicht nachverfolgt würden: 86 Prozent der gewaltsamen Todesfälle von Journalisten zogen laut dem Bericht keine Strafverfolgung nach sich. Unter solchen Bedingungen entsteht ein gefährlicher Kreislauf – nicht nur, weil Täter nicht zur Rechenschaft gezogen werden, sondern auch weil sich Sicherheitsplanungen in künftigen Einsätzen auf ein unsicheres Signal stützen müssen. UNESCO-Generaldirektor Khaled El-Enany kritisierte in dem Zusammenhang, dass viel zu oft die Täter solcher Morde nicht zur Rechenschaft gezogen würden, und forderte Staaten zur Einhaltung der UN-Resolution zum Schutz von Journalisten und Medienschaffenden auf.

Für die regionale Einordnung nennt UNESCO konkrete Brennpunkte: Nach der Erhebung kamen die meisten Journalisten in den vergangenen beiden Jahren in den palästinensischen Gebieten ums Leben. Danach folgen Mexiko, Pakistan, der Jemen, der Sudan und die Ukraine. Für Medienhäuser ist das eine wichtige Signalwirkung, weil sie zeigt, dass sich Sicherheitskonzepte nicht nur an geografischen Schlagworten orientieren dürfen, sondern an der lokalen Kombination aus Konfliktdynamik, vorhandener Sicherheitsinfrastruktur und der Frage, ob Behörden Vorfälle tatsächlich systematisch aufklären. In der Aufzählung tauchen Länder auf, in denen auch jenseits bewaffneter Konflikte Gewalt gegen Journalisten mit anderen Ursachen auftreten kann – etwa im Umfeld politischer Spannungen oder krimineller Strukturen.

Technisch betrachtet lohnt sich außerdem ein Blick auf die konkrete Verletzlichkeit von Journalistinnen und Journalisten in der Nähe von Einsatzgebieten. Wenn Drohnen zur Aufklärung und Zielverfolgung genutzt werden, reichen oft schon Sichtkontakte oder akustische bzw. visuelle Muster, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Zugleich erhöhen Drohnenangriffe die Bedeutung von „situativem“ Sicherheitsmanagement: Abstände, Routenwahl, zeitliche Koordination sowie die Frage, wie schnell Teams auf veränderte Bedrohungslagen reagieren können. Das ist weniger eine Frage von einzelner Ausstattung, sondern eher ein Zusammenspiel aus Einsatzplanung, Lagekommunikation und der Fähigkeit, Risiken in Echtzeit neu zu bewerten.

Für die Industrie und die Praxis der Sicherheitsorganisationen folgt daraus ein klarer Handlungsdruck. Redaktionen müssen ihre Schulungen stärker in Richtung Bedrohungsmodelle weiterentwickeln, die unbemannte Systeme explizit mitdenken – inklusive der Frage, wie man beobachtet wird, wie sich Reichweiten ändern und wie man Kommunikationswege so gestaltet, dass Informationen nicht gleichzeitig für Angreifer verwertbar werden. Auch Organisationen, die Journalisten unterstützen, stehen vor der Aufgabe, Schutzkonzepte stärker mit lokalen Einsatzkenntnissen zu verzahnen. UNESCO macht derweil auch auf der politischen Ebene deutlich, dass der Schutz von Medienschaffenden nicht am Rand der Konfliktberichterstattung beginnen darf: Die UN-Resolution zum Schutz von Journalisten braucht Mechanismen, die wirksam greifen, wenn Untersuchungen und Verfolgung ausbleiben.

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