LONDON (IT BOLTWISE) – Snapseed 4.2 rollt schrittweise aus und erweitert die Bildbearbeitung um neue Kreativ-Tools. Besonders relevant für viele Fotografen: Preset- und LUT-Importe landen nun direkt in der App, inklusive gängiger Formate wie.cube und.xmp. Dazu kommen Motion Blur sowie ein Depth-basiertes Lens Blur, das die Unschärfe anhand der Szenentiefe anpassen soll. Zeitgleich ergänzt Color Grading mit mehreren Reglern die Farbbearbeitung für Android.

Snapseed 4.2 startet heute mit einem gestaffelten Rollout für Android und iOS und setzt inhaltlich vor allem auf zwei Dinge: mehr Kontrolle beim Look-Design und weniger Reibung, wenn man bereits bestehende Bearbeitungsstile aus anderen Apps mitbringt. Der Changelog nennt dafür als auffälligen Schwerpunkt den Import von Presets und LUTs. Damit wird aus einem reinen In-App-Workflow ein Arbeitsbereich, der sich deutlich besser in bestehende Routinen integrieren lässt – etwa dann, wenn man in Lightroom oder mit eigenen Color-Grading-LUTs bereits konsistente Styles aufgebaut hat.
Technisch betrachtet verschiebt der neue Preset- und LUT-Import den Schwerpunkt von „Bearbeitung neu erstellen“ hin zu „Bearbeitung wiederverwenden“. Nutzer können Presets und LUTs über „Manage Looks“ im Galerie-Menü einspielen. Laut Beschreibung unterstützt Snapseed dabei mehrere Dateiformate: .cube, .xmp, .3dl sowie Bilder im.png-Format und außerdem.snapseed. Neu ist auch die Option, eigene benutzerdefinierte Looks so zu teilen, dass die dazugehörigen LUTs eingeschlossen werden. Für die Praxis bedeutet das: Ein Look lässt sich nicht nur als Ergebnis weitergeben, sondern auch als Baustein, der das Farbergebnis nachstellbar macht.
Damit ergänzt Snapseed 4.2 die Look-Weitergabe um ein Community-Element, das stärker auf Nachvollziehbarkeit als auf bloße „Vorher-Nachher“-Bilder setzt. „Discover Community Looks (#SnapseedLook)“ soll Fotografen aus der Nutzerbasis direkt in der App sichtbar machen. Die Funktionen sind dabei konkret: Man kann Community-Looks auf den Originalfotos der jeweiligen Autoren durchsuchen, einen Look per Tipp aktiv auf das eigene Bild anwenden und anschließend die vollständige „Edit Recipe“ öffnen. Diese Rezept-Ansicht soll jede einzelne Anpassung zeigen, also nicht nur das Zielbild, sondern auch die Parameter, die dorthin geführt haben. Da Community Looks als rotierende Auswahl kuratiert werden, bleibt der Feed dynamisch statt statisch.
Für den kreativen Effekteteil liefert Snapseed 4.2 außerdem Motion Blur und eine Unschärfe-Variante, die sich an der Szenentiefe orientiert. „Motion Blur“ wird als neues Werkzeug beschrieben, das aus statischen Fotos dynamische Geschichten machen soll. Je nach Ziel kann man die Unschärfe offenbar als Ganzbild-Effekt nutzen, als gestreckte Hintergrundspur hinter einem scharf bleibenden Motiv für einen Panning-Look, oder die Bewegung direkt auf das Motiv verlagern. Die Ergänzung „Depth-based Lens Blur“ funktioniert nach dem gleichen Prinzip der Gestaltung, aber mit einem anderen Schwerpunkt: Innerhalb des Lens-Blur-Werkzeugs soll die Option „Depth“ die Unschärfe über die Tiefeninformationen der Szene natürlich weichzeichnen – vergleichbar mit dem Look, den man mit einer Weitwinkel-Linse bzw. einer entsprechend großen Blendenwirkung assoziiert.
Flankiert wird das Toolset durch Bokeh-Optimierung und eine breiter ausgerollte Farbbearbeitung. Im Kontext des Depth-basierten Lens Blur nennt der Changelog „Bokeh Boost“, womit Highlights stärker „blooming“ in Richtung cremiger Bokeh-Effekte dargestellt werden sollen. Beim Color Grading rollt laut Beschreibung zudem ein Full Multi-Wheel-Color-Grading an, zunächst auf Android, parallel zur LUT-Integration. Das ist wichtig, weil Multi-Wheel-Ansätze in der Praxis eine feinere Trennung von Farbbereichen erlauben als simple Einregler-Modelle – und weil LUTs anschließend als konsistentes Endziel dienen können, wenn man eine Farbwelt als Startpunkt oder Vergleich nutzen möchte.
Abgerundet wird das Update durch eine Plattform-Detailänderung: iPhones und iPads sollen nun auch die Landschaftsorientierung unterstützen. Für Anwender im Alltag heißt das vor allem, dass die Bedienung bei Querformat-Aufnahmen oder beim Arbeiten am Tablet wieder besser zur Bildkomposition passt. Der Rollout selbst kann laut Hinweis „ein bisschen dauern“, bis das Update bei allen Geräten angekommen ist – das ist bei gestaffelten Bereitstellungen üblich, verhindert aber Frust bei der Erwartung „Heute installieren und sofort aktiv“. Wer Preset- oder LUT-Workflows nutzt, dürfte jedoch gerade bei der neuen „Manage Looks“-Integration und den unterstützten Dateiformaten am schnellsten einen praktischen Nutzen sehen.
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